MALTERS: Trotz schwerem Unfall macht er Comedy

«Seit Anbeginn der Verse» heisst das Werk von Martin Doppmann (52). Der Tetraplegiker hat das ganze Buch selber gestaltet.

Nathalie Ehrenzweig
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Sitzt seit 7 Jahren im Rollstuhl: Tetraplegiker Martin Doppmann zu Hause in seiner Wohnung in Malters. (Bild Nadia Schärli)

Sitzt seit 7 Jahren im Rollstuhl: Tetraplegiker Martin Doppmann zu Hause in seiner Wohnung in Malters. (Bild Nadia Schärli)

Ein Buch schreiben, es selber zu gestalten und es auch gleich noch selbst herauszugeben und zu vertreiben: Davon mögen viele träumen, doch die wenigsten trauen sich das Vorhaben zu. Anders Martin Doppmann aus Malters. «Meine Verse waren früher für mich wie ein Heiligtum. Früher war es aber nicht so einfach, ein Buch zu machen. Da musste man eine Auflage von 10 000 Büchern drucken. Heute ist das viel einfacher», sagt der 52-jährige und lacht.

Vier Wochen im Koma gelegen

Schon in der vierten Klasse drückt sein dichterisches Talent durch. Er schreibt ein Theaterstück – in Reimen. «Das kam sehr gut an», schmunzelt er, nachdem er tief Luft nimmt. Das Atmen fällt Martin Doppmann nicht mehr leicht. Seit seinem Kletterunfall vor 7,5 Jahren, über den er nicht gerne öffentlich redet, ist er Tetraplegiker und auf viel Hilfe angewiesen, die er mehrheitlich von seinem Umfeld, seinen Freunden erfährt. So kocht seine Schwägerin zum Beispiel während des Interviews sein Mittagessen. Doppmanns grosse Leidenschaft war schon immer Comedy. Kurz nach seinem Unfall hätte er mit seinem ersten abendfüllenden Programm auftreten sollen. Doch dann passierte der Unfall, und Doppmanns ganzes Leben änderte sich. Der gelernte Maschinenschlosser lag zuerst vier Wochen im Koma, war zwei Monate auf der Intensivstation und danach 10 Monate in der Reha. Die Aufführung fand dann später vom Rollstuhl aus statt. Inzwischen hat er einige Auftritte absolviert. «Ich werde so auch eher einfach als Mensch statt nur als Rollstuhlfahrer wahrgenommen, und Humor ist wichtig für mich», sagt er.

Eineinhalb Jahre an Buch gearbeitet

Ein aktiver Mann, Handwerker, Bergsteiger, der sich plötzlich fast nicht mehr bewegen kann – viele würden wohl verzweifeln. «Lustig sein kann ich nur, wenn es mir auch gut geht.» Natürlich gebe es schon auch Phasen, in denen er sich nicht wohl fühle. «Zum Beispiel, wenn ich einen Infekt habe und krank bin», sagt er.

«Die Arbeit am Buch war anstrengend. Aber wenn man mal anfängt, dann packt es einen», erzählt Doppmann weiter. Dabei hat er sich auch in ein spezielles Buchbearbeitungsprogramm eingearbeitet. Eineinhalb Jahre hat er total für sein Werk gebraucht. Wobei er alles selber gemacht hat: das Layout und die diversen Bilder.

Den Computer bedient Doppmann mit einer speziellen Gabel statt mit der PC-Maus. Die Gabel lenkt er mittels Bizeps und Schultermuskulatur. «Ich habe schon früher mit Photoshop rumgespielt. Seit meinem Unfall ist die Arbeit damit ein wenig mühsamer, aber dafür habe ich jetzt das bessere Programm und einiges dazugelernt.»

Die Verse, die der Malterser schreibt, sind nicht lyrisch, poetisch im herkömmlichen Sinne. Die Wortspielereien beginnen sozusagen beim Urknall und führen von Schlangen über Kontaktlinsen bis zu Klonen und einem Stromausfall im Gefrierschrank. «In der Vorzeit, da ward die Mammutherde und an das Leittier die Beschwerde: Hier sieht’s aber karg aus! Und tatsächlich, sie starb aus» lautet zum Beispiel das Gedicht «Die Mammutherde». «Die vielen Reaktionen auf das Buch sind für mich ein Riesen-Aufsteller», erzählt Doppmann.

Zweites Projekt schon in Planung

Obwohl er für das erste Buch viel gearbeitet hat, ist der zweite Teil schon in Planung. Ziel sei mitunter darzustellen, dass man auch im Rollstuhl gut drauf sein könne. Wann das zweite Werk aber fertig wird, verrät er noch nicht. Erst wird er Anfang Juni den ersten Teil an der Buchvernissage (siehe Box) vorstellen. In seinem Comedyprogramm wird er auch andere Künstler aus Malters ehren und Witziges aus seinem Leben erzählen. Doppmann sagt: «Wenn dann Menschen lachen, die mich nicht kennen, das ist schon lässig.»