MALTERS/ALTDORF: «Was bei Pfisterer passiert, tut mir weh»

Konstantin Papailiou hat lange Jahre die Pfisterer-Gruppe geleitet. Die geplante Verlagerung sei zum Scheitern verurteilt, kritisiert der ehemalige CEO.

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Der Ex-Pfisterer-CEO Konstantin Papailiou. (Bild: pd)

Der Ex-Pfisterer-CEO Konstantin Papailiou. (Bild: pd)

Von dem geplanten Stellenabbau in Malters und in Altdorf hat Konstantin O. Papailiou (68) aus der Zeitung erfahren. «Ich war schockiert, als ich das gelesen habe», sagt der pensionierte Elektroingenieur mit einem ETH-Doktortitel, der in Malters lebt. Von 2003 bis 2011 war Papailiou Vorstandsvorsitzender der deutschen Pfisterer-Gruppe, über lange Jahre leitete er die Pfisterer Sefag AG in Malters. «Viele Mitarbeiter, die heute dort arbeiten, habe ich noch mit eingestellt. Mir tut es weh, mitzuerleben, was bei Pfisterer passiert, und dass dort jetzt Dutzende Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren», sagt Papailiou.

Am Montag war bekannt geworden, dass die Industriegruppe die Produktion aus Malters und Altdorf nach Tschechien verlagern will. Bis zu 110 Arbeitsplätze könnten in der Region abgebaut werden, weitere 80 am deutschen Standort in Winterbach. Bereiche wie Entwicklung und Vertrieb sollen in der Schweiz und in Deutschland bestehen bleiben.

Mit Ärger hat Konstantin Papailiou auf die angekündigten Einschnitte reagiert. «Ich halte die geplante Verlagerung und den angekündigten Stellenabbau für einen grossen Fehler», sagt Papailiou. Als Grund hierfür würden in einer Pressemitteilung von der Firma die schlechte Marktentwicklung, die steigende Konkurrenz, der Preiszerfall sowie die Frankenstärke angegeben. «Mit all diesen Faktoren waren wir auch in meiner Amtszeit immer wieder konfrontiert und haben eine Lösung gefunden, ohne diejenigen auf die Strasse zu setzen, die dafür am wenigsten verantwortlich sind», stellt er klar. Die Frankenstärke habe zudem eine eher beschränkte Auswirkung auf das Unternehmensergebnis der Gruppe, denn ein grosser Teil der Einkäufe der Schweizer Gesellschaften sei schon immer im Euroraum getätigt worden. Die wahren Gründe für die verschlechterte Situation des Unternehmens ortet er darin, dass die Pfisterer-Holding seit 2012 mit Stabsstellen aufgebläht worden sei. Hinzu komme eine grosse Beraterschar, welche die x-te Umstrukturierung in den letzten drei Jahren mehr oder weniger erfolglos begleite.

«Kunden könnten abspringen»

«Die geplante Produktionsverlagerung in ein Billiglohnland wie Tschechien ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt», sagt Papailiou. Die Fertigung in der Pfisterer-Gruppe lasse sich nicht mit derjenigen in der Automobilindustrie vergleichen. «Die Fertigung von Kabelgarnituren und Isolatoren eignet sich nicht für eine Verlagerung», sagt er. Dort seien das ungeschriebene Know-how der Mitarbeiter und die vielen nicht dokumentierten Vorgänge der aktuell von einer Kündigung bedrohten Mitarbeitenden entscheidend. «Dazu kommt, dass viele Kunden weltweit weiterhin auf deutsche und Schweizer Qualität Wert legen. Ich befürchte, dass bei einer Verlagerung einige Kunden abspringen könnten», sagt Papailiou. Zudem sei es kontraproduktiv, die Produktion von der Entwicklung und dem Vertrieb zu trennen. «Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis die Entwicklung und der Vertrieb auch von Malters und Altdorf verlagert werden», befürchtet der ehemalige Pfisterer-CEO.

Appell an Verwaltungsrat

Geht es nach ihm, dann würde Pfisterer die Produktion in Altdorf und Malters belassen. «Man kann diese Geschäftsbereiche vor Ort optimieren und dann allenfalls einen strategischen Kooperationspartner hinzunehmen», sagt er. Der Markt, in dem sich die Gruppe bewege, habe aufgrund der Energiewende ein grosses Wachstumspotenzial. «In der Produktion von Isolatoren und Kabelgarnituren hat die Schweiz weltweit eine hohe Reputation. Ich halte die Produktionsstandorte in Altdorf und Malters, insbesondere bei innovativen Produkten, für absolut konkurrenzfähig», sagt Papailiou.

Mit seinem offenen Brief will er sich solidarisch erklären mit den betroffenen Mitarbeitern. «Sie sollen wissen, dass frühere leitende Mitarbeiter der Gruppe so wie ich denken und sie emotional und moralisch unterstützen.» Gleichzeitig appelliert er an den Schweizer Verwaltungsrat der beiden Gesellschaften, diese Entscheidung zu überdenken.

Hans-Peter Hoeren