Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Man hört nie auf, Profi-Tänzerin zu sein»

Ballettschule-Leiterin Genia Snihurowycz Blum gibt ihr Dance Art Studio Luzern in neue Hände. Wir sprachen mit ihr über Disziplin, Geschmeidigkeit – und wie wichtig es ist, dass auch Buben tanzen lernen.
Interview: Edith Arnold
Genia Snihurowycz vor dem Dance Art Studio an der Neustadtstrasse 24a. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 12. Juni 2018))

Genia Snihurowycz vor dem Dance Art Studio an der Neustadtstrasse 24a. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 12. Juni 2018))

Genia Snihurowycz Blum, Sie sind Tanzexpertin, bespielen aber auch gerne digitale Bühnen. Von welchem Club aus twitterten Sie kürzlich «When your daughter keeps dragging you into clubs»?

Die letzte Schüleraufführung des Dance Art Studios im Kulturzentrum Südpol gab Anlass zum Feiern. Nach der Ravioli- und Houdini-Bar in Luzern landete ich mit meiner Tochter im Uferlos, wo ich an meine Ufer stiess.

Wegen wilder Tanzerei?

Ja, um den Körper zu schonen, bewege ich die Füsse weniger, umso mehr den Oberkörper. Früher ging ich auf Spitzen, machte Bourrées über die ganze Bühne. Das hat sich beruhigt.

An der Körperspannung erkennt man die Balletttänzerin nach wie vor.

Man hört nie auf, Profi-Tänzerin zu sein. Das ist eine Identität. 30 Jahre lang bewegte ich mich auf klassischen Bühnen. Später unterrichtete ich an der Schule. Heute betreibe ich für die Geschmeidigkeit nur noch etwas Stretching und Faszien-Massage. Aber ich achte auf die Haltung.

Was ist Ihre Grundhaltung?

Ein Ziel verfolgen, aber nicht zu starr, zwischendurch Abstand nehmen. Wer weiss schon, was hinter der nächsten Ecke wartet?

Sie wollten das Dance Art Studio in neue Hände geben, nun haben Sie eine glückliche Lösung gefunden.

Das Gebäude, in dem es sich befindet, ist auf der Abbruchliste der SBB. Verkaufen, abreissen, stehen lassen – der Mietvertrag wird von Jahr zu Jahr verlängert. Vor sechs Monaten wusste ich nicht, wie ich es so abgeben könnte. Dann drehte ich mich in eine andere Richtung. Im Mai fand ich in Wayan Buholzer die perfekte Nachfolgerin. Die Leiterin und Inhaberin der BallettStadt übernimmt ab dem neuen Schuljahr das Dance Art Studio und führt den Unterricht in neuen Räumlichkeiten an der Obergrundstrasse 42 weiter.

Worauf sind Sie vor allem stolz?

Wenn ich das Foto des neuen Schulteams auf der Bühne des Nationalquai-Pavillons sehe. Alle verkörpern Dynamik, Kompetenz, auch Humor. Chefin Wayan Buholzer in Stöckelschuhen zusammen mit ihrer in die Luft springenden Schwester Kusha Alexi und den bisherigen Lehrer-Tänzern Anouk Johann, Salome Martins, Rachel Lawrence und Zach Enquist. Mein Trennungsschmerz kann sich in Grenzen halten.

Was war Ihr Anspruch?

Ich wollte immer, dass alle mit Freude tanzen können. Auch wenn aus Tausenden Eleven nur die wenigsten Profis werden. Die Schule sollte ihnen echtes Ballett vermitteln. So üben sie sich in der Disziplin, lernen Tanz schätzen und einschätzen – und kaufen vielleicht einmal Karten für eine Aufführung im Luzerner Theater.

Wer war denn alles bei Ihnen?

Fast alle Tanz- und Ballettlehrer in Luzern, nicht nur Wayan, Kusha und ihr Team. Stefania de Prophetis machte beispielsweise danach die Tanzlehrerausbildung an der Royal Academy of Dance in London und prägte jahrelang den Unterricht an meiner Schule. Joy Wyler wurde vom Luzerner Ballett engagiert, Angelo Giglio wurde Solist bei «Joffrey Ensemble Dancers» in den USA. Till Brechbühl ertanzte sich den Bachelor in Contemporary Dance an der Zürcher Hochschule der Künste, Adriana Berwert besuchte die Rambert School of Ballet and Contemporary Dance in London.

In welchen Schritten verlief Ihre eigene Karriere?

Ich kam im kanadischen Winnipeg auf die Welt, direkt in den Tanz hinein. Meine Mutter Daria, ehemalige Ballettsolistin am Opernhaus Lviv Ukraine, unterrichtete immer Ballett. Auch ich wollte nichts anderes tun – jugendlicher Extremismus, auf Tanz bezogen. Später erhielt ich ein Engagement von Riccardo Duse am Luzerner Theater. Als ich als Tänzerin aufhörte, lernte ich meinen Mann kennen und begann in Luzern zu unterrichten. 1992 kaufte ich die Tanzschule an der Neustadtstrasse. Meine Tochter kam zur Welt. Drei Jahre später kündigte sich der Sohn an. Wie sollte ich das alles machen? Zufällig erkundigte sich Marcel Lehmann, Tänzer beim Luzerner Theater, ob er bei mir unterrichten könne.

Seither hatten Sie weitere Tänzer des Luzerner Theaters als Lehrer. Wie hat sich das Angebot dadurch verändert?

Die Welt hat sich geändert und mit ihr der Tanz. Heute sind Ballett und Contemporary Dance gleichwertig und gehören zur Tanzausbildung.

Für die Schweiz schon fast einmalig werden auch Buben gefördert...

Ja, vor allem Mädchen besuchen Ballettschulen. Auf den professionellen Bühnen braucht es aber ebenso viele Männer wie Frauen. Mit dem damaligen künstlerischen Leiter Ihsan Rustem starteten wir das «Boys Ballet»-Projekt; es wird heute von der Albert-Koechlin-Stiftung subventioniert.

Nun haben als englischsprachige Autorin eine neue Bühne. Ihr Lebensmotto?

Ich habe nie Angst vor der Zukunft. Mein Vater wurde während des 2. Weltkriegs aus der Ukraine vertrieben und konnte nicht in die Schweiz einreisen. Dann kehrte er um und lernte im Flüchtlingslager Landeck meine Mutter Daria kennen. Von ihr habe ich gelernt: Eine Krise ist wie die Tanzbewegung Plié, bei der man die Knie beugt und abspringt. Je tiefer, desto höher.

Hinweis: www.tanzstiftung.ch, www.ballettschuleluzern.ch

Zwei Ballettschulen fusionieren

Vor 25 Jahren gründete die in Kanada geborene Genia Snihurowycz Blum an der Neustadtstrasse 24a in Luzern das Dance Art Studio. Die Liegenschaft gehört den SBB. Tausende junger Menschen, vom 3-jährigen Mädchen bis zum Teenager und zu Erwachsenen, vom Amateur bis zum Profi, erhielten hier Ballett-Unterricht. Zu den Lehrkräften gehörten auch Mitglieder des Tanzensembles des Luzerner Theaters. Jetzt übergibt die schweiz-kanadische Doppelbürgerin ihre Schule an Wayan Buholzer, Leiterin und Inhaberin der Ballettschule BallettStadt. Die beiden Schulen werden zusammengeführt. Unterrichtet wird weiterhin an der Museggstrasse 12b und in neuen Räumen an der Obergrundstrasse 42. Mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Jörg Blum, gründete Genia Snihurowycz Blum 2004 die nach ihrer Mutter benannte Daria Nyzankiwska Tanz-Stiftung. Sie unterstützt junge Tänzer und die Tanzcompagnie des Luzerner Theaters finanziell und beratend. (ear)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.