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Interview

Eveline Marcellino: «Manche Leute wollen einfach nur mit jemandem reden»

Eveline Marcellino (52) ist erste Ansprechperson für unsere Leser am Telefon, wie auch für Journalistinnen und Journalisten in der Redaktion. Die Luzernerin hat vor 26 Jahren im Redaktionssekretariat am Maihof angefangen.
Roger Rüegger
Eveline Marcellino entspannt beim Reiten. (Bild: Pius Amrein (18. Juli 2018))

Eveline Marcellino entspannt beim Reiten. (Bild: Pius Amrein (18. Juli 2018))

Eveline Marcellino, wir Redaktoren bekommen es mit dir zu tun, wenn wir Ferienblätter nicht korrekt ausfüllen. Zudem nimmst du mit deinen Kolleginnen vom Redaktionssekretariat Anrufe der Leser- und Kundschaft entgegen. Was ist ausserdem eure Aufgabe?

Lange bevor die Journalisten die Redaktion betreten, lesen und verteilen wir Mails, die an die Redaktionsadresse eingehen, an die zuständigen Redaktoren. Wir erledigen und sortieren ausserdem die Post und leiten auch diese intern an die Zielpersonen weiter. Zuerst müssen wir herausfinden, an wen die Nachrichten eigentlich gerichtet sind. Weiter stellen wir die wichtigsten Tageszeitungen intern an die Ressorts zu und bereiten Sitzungen vor.

Du und deine Kolleginnen bereiten also einen Teil der Arbeit der Journalisten vor?

Genau. Dabei müssen wir, ähnlich wie die Journalisten, recherchieren. Wenn sich zum Beispiel Herr X aus Y auf einen Artikel zum Thema Carparkplätze beim Autor äussern will, müssen wir herausfinden, wer den Artikel geschrieben hat. Dann erst leiten wir das Mail an den Betreffenden weiter. Dasselbe gilt für die Telefonate, die bei uns eingehen.

Das Sekretariat ist auch für die am Freitag erscheinende Seite mit den Gottesdienst­zeiten verantwortlich.

Die Kirchgemeinden senden uns Informationen, die wir auf dieser Seite platzieren. Die meisten kommen per Mail, viele aber per Post. Für diese Seite sind wir zu zweit gut acht Stunden pro Woche beschäftigt.

Bist du am Morgen vertraut mit dem Inhalt der Zeitung?

Das müssen wir. Es hilft aber nicht immer. Manchmal melden sich nämlich Leute, die glauben, sie hätten etwas in der «Luzerner Zeitung» oder einer ihrer Regionalausgaben gelesen. In Wirklichkeit stand es in einem anderen Blatt. Wenn wir dies beim Durchforsten der anderen Zeitungen herausfinden, geben wir dem Kunden eine Rückmeldung.

Wer in die Redaktion anruft, hat gute Chancen, deine Stimme zu hören. Was beschäftigt unsere Leser?

Die meisten reagieren auf Artikel. Manche verlangen den Autor. Andere wollen, dass wir ihre persönliche Geschichte aufnehmen, und wieder andere teilen uns mit, wenn ihre Zeitung nicht angekommen ist. Es gibt auch Leute, die nur mit jemandem reden wollen. Nach fünf Minuten bedanken sie sich für das Gespräch und legen auf. Und natürlich werden uns auch Themen zugesteckt.

Das sind die Interessantesten für uns Journalisten. Melden sich auch erzürnte Leser?

Es gibt viele nette Leute, die anrufen. Doch es gibt auch solche, die forsch auftreten und etwa die Handynummer eines Journalisten fordern. Diese dürfen wir nicht herausgeben. Wir versuchen aber, eine Verbindung mit den Journalisten herzustellen oder aber dafür zu sorgen, dass zurückgerufen wird. Das gebietet der Respekt den Lesern gegenüber.

Kann man sagen, dass du uns Journalisten abschirmst?

In gewisser Weise schon. Denn im Sekretariat gehen rund 200 Telefone pro Tag ein und 20 bis 50 Briefe. Da muss man filtern. Wir müssen den Leuten gut zuhören und auch flexibel, schlagfertig und spontan sein.

Du arbeitest seit 26 Jahren im Sekretariat. Reagierten die Leser schon immer auf Berichterstattungen oder hat dies im Internet-Zeitalter zugenommen?

Das Interesse an den Zeitungen und das Bedürfnis, auf Artikel zu reagieren, hat immer bestanden. Besonders die ältere Generation bevorzugt aber den Kontakt am Telefon mit den Journalisten.

Wie hat sich der Job im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Die Änderung zeigt sich im technischen Ablauf. Als ich anfing, ratterte noch der Telex und lieferte Nachrichten in Form von Papierbändern. Diese rissen wir ab, lasen sie durch und mussten uns orientieren, welcher Redaktor zuständig ist. Wenn eine Top-Meldung einging, ertönte ein Piep-Ton. Als die Türme in New York einstürzten, hörte das Piepen nicht mehr auf. Diesen Tag vergesse ich nie. Heute mit dem Mailverkehr ist die Arbeit einfacher.

Für viele Redaktoren bist du der erste Mensch am Morgen, mit dem sie ein Wort wechseln. Wie erlebst du die Tagwache?

Wie gesagt, wenn die Journalisten und Fotografen auftauchen, sind wir im Seki längst auf Betriebstemperatur. Manche Leute huschen mit gesenktem Blick bei uns vorbei. Ich grüsse jede Person laut mit Namen, sodass die meisten wach sind, wenn sie bei uns vorbeigekommen sind (lacht).

Wenn Journalisten noch nicht sprechen mögen, vertiefen sie sich in Recherchen oder Artikel. Du aber stehst der Redaktion wie auch Kunden am Telefon stets mit freundlichen Worten zur Verfügung. Bist du nie genervt?

Das kommt vor. Aber ich kann mich gut ausserhalb der Arbeitszeit entspannen. Ich bin je nach Lust und Laune mit einer Pferdestärke unterwegs, wenn ich ausreite oder mit vielen PS, wenn ich mit meinem Mann auf dem Motorrad verreise. Zudem tanze ich seit Jahren regelmässig.

Du bist gelernte Dentalassistentin. Ist es eine Herausforderung, mit Journalisten zusammenzuarbeiten?

Das kann man so sagen. Ich bewundere ja, wie ihr Informationen holt und daraus Geschichten schreibt. Andererseits ist es nicht einfach, mit Journalisten umzugehen. Ich staune immer wieder, wie ihr komplexe Themen behandelt, wenn aber ein Drucker nicht funktioniert, völlig ratlos bei uns um Rat fragt. Meistens liegt bloss kein Papier im Fach.

Wie war der Wechsel von der Zahnarztpraxis in die Redaktion?

Als ich bei der «Neuen Luzerner Zeitung» angefangen habe, wurde ich nur zwei Stunden eingearbeitet, danach musste ich mich zurechtfinden. Das war eine schöne, aber grosse Herausforderung: Ich kannte die Leute in der Redaktion noch nicht und wusste nichts vom Redaktionsablauf.

Du bist auch die Assistentin des Chefredaktors. Unterscheidet sich dieser Teil des Jobs sehr von der Aufgabe im Redaktionssekretariat?

Es ist eine völlig andere Aufgabe. Einerseits erledige ich persönliche Korrespondenz des Chefredaktors, führe diverse Statistiken und bin mit personellen Abläufen beauftragt. Zudem, und das ist wiederum ähnlich wie im Sekretariat, halte ich ihm den Rücken frei, wenn etwa intern jemand einen Termin mit ihm will.

Auch nach 26 Jahren in der Redaktion scheint die Freude bei dir zu überwiegen.

So ist es. Wir vom Seki sind alles langjährige Mitarbeiterinnen. Das spricht doch für sich.

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