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Mangelnde Deutsch-Kenntnisse: Luzerner Stadtparlament schickt Dreijährige in die Nachhilfe

Viele Kinder in der Stadt Luzern können nicht genügend Deutsch. Solche Defizite sollen künftig schon vor der Einschulung erkannt werden. Das Stadtparlament hat dafür fast 2 Millionen Franken bewilligt.
Robert Knobel
Kinder sollen in der Stadt Luzern künftig in Kitas und Spielgruppen Deutsch lernen. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

Kinder sollen in der Stadt Luzern künftig in Kitas und Spielgruppen Deutsch lernen. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

Wer in den Kindergarten eintritt, soll Deutsch können. Dieses Ziel wird heute aber längst nicht von allen Kindern erreicht. «Es gibt in der Stadt Luzern immer noch zu viele Kinder, die beim Schulstart grosse sprachliche Defizite haben», sagt Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Um dies zu ändern, will die Stadt nun ein Förderprogramm lancieren. Das Stadtparlament bewilligte dafür am Donnerstag einen Kredit von 1,9 Millionen Franken. Mit diesem Geld soll in den nächsten Jahren folgendes gemacht werden:

  • Alle Eltern von 3-jährigen Kindern in der Stadt Luzern erhalten einen Fragebogen. Die Eltern sollen Fragen zum Sprachstand und zu den Deutschkenntnissen ihres Kindes beantworten.
  • Werden sprachliche Defizite erkannt, werden die Eltern ermuntert, ihr Kind in eine Spielgruppe oder eine Kita zu schicken. Dort sollen die Kinder Deutsch lernen. Bei Bedarf beteiligt sich die Stadt an den Kosten.
  • Die Stadt fördert die Weiterbildung von Spielgruppen- und Kita-Mitarbeiterinnen. Sie sollen speziell für die Sprachförderung geschult werden.
  • Eltern, die den Fragebogen nicht ausfüllen, werden telefonisch kontaktiert - bei Bedarf mit Dolmetschern. Ziel ist, dass am Ende für mehr als 90 Prozent der Kinder Informationen über den Sprachstand vorliegen.

Dass bei der Sprachförderung Handlungsbedarf besteht, ist bei den Parteien weitgehend unbestritten. «Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration», sagte Marco Müller (Grüne). Die entsprechenden Kompetenzen sollten dabei möglichst früh erworben werden. «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr», sagte auch Agnes Keller (CVP). Für Peter Krummenacher (FDP) ist die frühe Sprachförderung «eine nachhaltige Investition, die sich volkswirtschaftlich mehrfach ausbezahlt».

Die Art und Weise, wie die Stadt Luzern die Deutschkenntnisse ihrer jüngsten Einwohner verbessern will, orientiert sich an Modellen anderer Städte, etwa Basel. Die Frage, ob der gewählte Weg auch zum Erfolg führt, wurde im Parlament kontrovers diskutiert. Bei der SVP etwa zweifelt man daran, dass der Ansatz, die Spielgruppen und Kitas einzubinden, wirklich funktioniert.

Elternbeiträge als Knackpunkt?

Die SP sorgt sich derweil, ob die vorgesehenen Elternbeiträge auch wirklich ausreichen. Zwar beteiligt sich die Stadt an den Kosten für Kita oder Spielgruppe - die Eltern müssen aber auch einen Beitrag leisten, dessen Höhe hängt vom Einkommen ab. Wie kann sichergestellt werden, dass kein Kind mit Sprachdefiziten aus finanziellen Gründen durch die Maschen fällt? Dies gelte es genau zu beobachten, forderte auch die Sozialkommission. Denn die Erfahrungen aus anderen Städten würden zeigen, dass die Höhe der Elternbeiträge der entscheidende Faktor sei beim Entscheid, eine Spielgruppe zu besuchen oder nicht.

Sozialdirektor Martin Merki versicherte, dass man das Projekt auch wissenschaftlich begleiten lasse. Sollte sich zeigen, dass die städtischen Beiträge an die Eltern nicht ausreichen, werde man selbstverständlich reagieren.

Den vollständigen Bericht&Antrag «Frühe Sprachförderung» finden Sie hier

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