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Luzerner geht nach Streit in eine Bar – und landet in einer Zelle

Einem Luzerner wird vorgeworfen, zwei Polizisten angegriffen zu haben. Es war grade umgekehrt, sagt dieser. Der zuständige Richter lässt es sich nicht nehmen, bei den Polizisten ganz genau nachzufragen – was bei diesen zu gewissem Unmut führt.
Lena Berger
Als er im Polizeiauto abgeführt wurde kam es zu wüsten Beleidigungen und einer Spuckattacke gegen die Polizeibeamten. (Symbolbild: Philipp Schmidli)

Als er im Polizeiauto abgeführt wurde kam es zu wüsten Beleidigungen und einer Spuckattacke gegen die Polizeibeamten. (Symbolbild: Philipp Schmidli)

Der Mann tat an jenem Sonntag, was wohl noch so mancher Mann tut, wenn er Krach mit der Freundin hat: Die Wohnung verlassen, einen Kumpel anrufen, in die nächste Bar sitzen und Fussball gucken. Wie der Abend geendet hat, das hätte er sich allerdings nicht träumen lassen: in einer Zelle nämlich, mit einem abgesplitterten Zahn und Schürfwunden an den Händen.

Jetzt könnte man denken, der Mann habe seinen Beziehungsfrust vielleicht an der Möblierung der Bar ausgelassen oder sich an einer Kneipenschlägerei beteiligt. Tatsächlich ist es aber so, dass er sich absolut nichts hatte zu Schulden kommen lassen, als zwei Polizisten ihn an jenem Abend aus seinem Stammlokal holten.

Unwirsche Reaktion auf kritische Fragen

Wie kann das sein? Dazu muss man wissen, dass der Mann zu der Zeit wegen eines Burn-outs krankgeschrieben war. Und als er nun einfach für mehrere Stunden verschwand und auch auf Anrufe nicht reagierte, begann sich die Freundin daheim Sorgen zu machen. Was, wenn er sich etwas antut? In ihrer Verzweiflung holte sich die Frau Rat bei der Polizei. Die Einsatzzentrale beauftragte daraufhin eine Patrouille, den möglicherweise suizidalen Mann zu suchen.

Die beiden Polizisten klapperten daraufhin die Beizen ab und fanden ihn schliesslich. Der Mann fiel aus allen Wolken. Die Polizisten wollten ihn nach Hause bringen. Das lehnte der Mann jedoch ab: Was sollten denn die Nachbarn denken, wenn er im Polizeiauto vorgefahren wird? Vor dem Lokal gab es eine längere Diskussion. Der Mann lenkte schliesslich ein und versicherte, er würde jetzt nach Hause laufen. Das wiederum konnten die Polizisten nicht verantworten. Was, wenn er sich doch etwas antun würde?

Was danach geschah, ist umstritten und wurde am Bezirksgericht Luzern während rund sieben Stunden an zwei Verhandlungstagen intensiv diskutiert. Der Mann behauptet, die Polizisten hätten ihn plötzlich zu Boden gerissen, in Handschellen gelegt und in eine Ausnüchterungszelle gebracht. Die Polizisten sagen, der Mann sei so betrunken gewesen, dass man ihn – in Anbetracht der Vorgeschichte – nicht habe alleine lassen können. Er habe das aber partout nicht einsehen wollen und immer wieder versucht, zurück in das Lokal zu kommen. Als sie deshalb beschlossen hätten, ihn mitzunehmen, habe er sich extrem gewehrt und sich dabei verletzt. Zudem habe er die Polizisten beleidigt und angespuckt.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Die Glaubwürdigkeit von Polizisten werten die Gerichte in der Regel sehr hoch. Zu Recht. Handelt es sich doch um Unbeteiligte, die nur ihren Job machen und keinen Grund haben, andere zu Unrecht zu beschuldigen. Der zuständige Richter nahm sich aber Zeit, die Polizisten intensiv zu befragen und sogar die Verhandlung zu unterbrechen, um noch einen weiteren Zeugen hören zu können. So viel Aufwand für ein Strafbefehlsverfahren zu betreiben, ist ungewöhnlich. Der Richter fragte so kritisch nach, dass einer der Polizisten zwischenzeitlich ausrief, dass nicht er es sei, der auf der Anklagebank sitze. Der Richter liess sich davon aber nicht beirren. Es sei seine Aufgabe sich gemäss dem Unmittelbarkeitsprinzip selber ein Bild zu machen, sagte er. Wie dieses aussieht, wird sich zeigen. Das Urteil steht noch aus.

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