MARBACH: Strahler wird um Fund geprellt

Im neuen Stück des Theatervereins liegen Glück und Neid nahe beieinander. Der Vierakter ist spannend und dabei höchst unterhaltsam.

Yvonne Imbach
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Es wird viel geschwatzt im Dorf: Szene aus «D Kristallsaag». (Bild: Yvonne Imbach (Marbach, 15. Dezember 2016))

Es wird viel geschwatzt im Dorf: Szene aus «D Kristallsaag». (Bild: Yvonne Imbach (Marbach, 15. Dezember 2016))

Yvonne Imbach

kanton@luzernerzeitung.ch

Das Volkstheaterstück «D Kristallsaag» wurde von Autor Lukas Bühler extra für das Muotathaler Theater geschrieben und dort 2013 sehr erfolgreich uraufgeführt. Nun hat es der Theaterverein Marbach in rund 30 Proben zur Bühnenreife einstudiert. Seit letztem Wochenende dürfen die Zuschauer die spannende Geschichte rund um den Strahler Sämi (Willi Lötscher) erleben.

Sämi steht kurz vor einem ganz grossen Fund in der Kristallhöhe. Weil ein ungeschriebenes Gesetz es verbietet, den Fund eines anderen Strahlers zu bergen, erzählt Sämi dem ganzen Dorf von seinem Glück. Besonders Wirt Jakob (Lukas Stadelmann) und Bauer Melk (Andreas Aeschlimann) spitzen die Ohren, da beide Geldsorgen plagen. Als eine Gruppe Fahrende ins Dorf kommt, findet diese nicht bei allen offene Arme vor. Jakob und Melk plündern die Kristallkluft und lassen nichts unversucht, den Fremden die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.

Jakobs Ziehtochter Anna (Leandra Bieri) hat das Herz auf dem rechten Fleck und steht nicht nur für die Wahrheit ein, sondern knüpft zarte Liebesbande.

Zufällige Weihnachtsbotschaft

Träfe Sprüche und derbe Dialoge dürfen in diesem herrlichen Volksstück auch nicht fehlen: Das bewährte Duo Heinz Lötscher als Mauser Bänzli und Trudi Lötscher als Kräuterfrau Rosi sorgen für viele herzhafte Lacher. Auch das mannstolle Fräulein Gitzitanner (Corinne Lötscher) kitzelt die Lachmuskeln des Publikums.

Regie führte das Duo Lisbeth Lötscher und Heinz Lötscher. «Unsere Zuschauer wünschen sich ein Volkstheater mit Inhalt, das aber durchaus lustig sein darf. Eine ‹Türschletz-Komödie› ist nicht unser Ding», erklärt Lisbeth Lötscher. Im Stück steht das Dorf den Fremden skeptisch gegenüber, die Fahrenden sind schnell die Schuldigen. Wie sehr wollte man mit diesem Inhalt den aktuellen Zeitgeist in den Fokus stellen? Lisbeth Lötscher: «Das ist rein zufällig so. Aber wenn wir im Sinne einer Weihnachtsbotschaft auf mehr Toleranz aufmerksam machen können, ist das eine schöne Sache.»

Dialekt verleiht dem Stück Tiefgang

Ein Besuch im Theater Marbach ist auch visuell ein Genuss. Die Bühnenbilder sind mit viel Raffinesse und Fleiss entworfen worden, die Kostüme und Masken authentisch umgesetzt. Besonders reizvoll ist der wunderschöne Entlebucher Dialekt, welcher der ganzen Produktion zusätzlichen Tiefgang verleiht. Das eingespielte und erfahrene Ensemble wirkt keinen Moment so, als würde ein Text auswendig aufgesagt. Vielmehr wird hier eindrücklich gezeigt, wie flüssiges und mitreissendes Schauspiel funktioniert. Wer sich ein Stück mit Gesangseinlagen, erahnbarem Happy End und einer guten Portion Humor nicht entgehen lassen möchte, kümmert sich am besten sofort um Plätze.

Hinweis

Weitere Aufführungen: 26. und 30. Dezember sowie 1. Januar, ­jeweils 20 Uhr. Gemeindesaal Marbach. Reservation unter Telefon 079 156 97 62 (19 bis 21 Uhr).