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MARBACH: Wenn der Campingplatz zum Zuhause wird

Das Entlebuch hat Exklusives zu bieten. Mitten im Biosphärenreservat findet sich einer der ganz wenigen Campingplätze in der Schweiz, die ganzjährig bewohnbar sind. Ein Besuch bei drei der Dauermieter auf dem Areal.
Thomas Heer
Wetterfeste Freundschaften: (von links) René Späni, André von Rohr und Peter Stadler. (Bild: Pius Amrein (Marbach, 4. Januar 2018))

Wetterfeste Freundschaften: (von links) René Späni, André von Rohr und Peter Stadler. (Bild: Pius Amrein (Marbach, 4. Januar 2018))

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Seine Herkunft kann René Späni definitiv nicht verleugnen. Der Dialekt hinterlässt beim Zuhörer keinerlei Zweifel, dass der 66-Jährige wirklich nicht aus dem Entlebuch stammen kann. So erzählt der Rentner denn auch wenig überraschend, dass er aus dem Kanton Zürich stammt. Während Jahren wohnte er im stadtzürcherischen Schwamendingen, später zog es ihn nach Dübendorf. Sein Arbeitsleben lang arbeitete er für die gleiche Firma. Und das als Berufshauswart, zuständig für bis zu 180 Wohnung, mehr als vier Jahrzehnte lang.

Seit rund eineinhalb Jahren lebt Späni nun schon zusammen mit seiner Gattin und der siebenjährigen Golden-Retriever-Hündin Alissa in der Gemeinde Escholz­matt Marbach zuhinterst im Entlebuch. Den Entscheid, seinen Wohnsitz ins Luzernische zu verlegen, hat der Pensionär bis heute noch nie bereut. «Das Ambiente hier gefällt mir sehr.» Auf dem Campingplatz hat er das gefunden, wonach er suchte. Ein Stück Freiheit mitten in der Natur. Kein anonymer Wohnsitz in irgendeinem Mehrfamilienhaus, wo sich die Bewohnerinnen und Bewohner, wenn überhaupt, nicht viel mehr zu sagen haben als «Grüezi und Ade», wie Späni beiläufig erwähnt.

Pro Monat fallen Mietkosten von 500 Franken an

Wer sich, von Escholzmatt kommend, auf der Hauptstrasse Richtung Marbach bewegt, kann ihn kaum übersehen, den Campingplatz Sternen. Ein Areal, das sich über rund 35 000 Quadratmetern erstreckt und auf dem sich 150 Jahresstandplätze verteilen. Mitte der 1970er-Jahre von der einheimischen Familie Glanzmann gegründet, verfügt der Camping unter anderem über gemeinsame Duschanlagen, eine Waschküche und die eigene Beiz. Und der Camping Sternen ist eine der ganz wenigen Einrichtungen dieser Art in der Schweiz, die ganzjährig bewohnbar ist. So hat auch René Späni seine Schriften von Dübendorf nach Escholzmatt Marbach verlegt und bezahlt somit auch seine Steuern dort.

Dass er im Entlebuch rund 50 Prozent mehr an den Staat abliefert, als er dies in Dübendorf tun müsste, kann Späni gut verkraften. Denn für seinen zirka 400 Quadratmeter grossen Standplatz bezahlt er pro Jahr 6000 Franken. Das entspricht monatlichen Kosten von 500 Franken, wofür er vielerorts in der Schweiz bestenfalls ein Kellerabteil mieten könnte.

Auf dem Sternen-Areal findet sich ein Art heile Welt

Spänis Domizil, das er für rund 170 000 Franken auf dem Gelände errichten liess, entspricht denn auch vielmehr einer gemütlichen Wohnung als einem beengten Campingwagen. Im Innern des Hauses findet sich vieles, was das Leben behaglich macht. Im Cheminée lodert das gelb-rötlich schimmernde Feuer und sorgt für eine angenehme Temperatur. Dusche, WC und ein TV-Gerät finden sich ebenso in Spänis Zuhause. Er sagt: «Das Haus hat ein Chassis, ist also ein Fahrnisgebäude.» Will heissen, auf einen Sattelschlepper geladen, könnte das Domizil an einen anderen Ort verlegt werden.

Am verregneten Nachmittag, als der Reporter René Späni besuchte, haben sich auch seine Freunde Peter Stadler und André von Rohr eingefunden. Von Rohr, heimatberichtigt in Egerkingen und Teilzeitaufenthalter auf dem Sternenareal, sagt: «Als ich das erste Mal hierher kam, hab ich mich sofort wohl gefühlt.» Er, der während Jahren als Bodyguard im In- und Ausland, Privat- aber auch Geschäftsleute begleitete, fühlt sich in Marbach gut aufgehoben und von den Einheimischen akzeptiert. «Wir nehmen auch an Anlässen im Dorf teil. Ich begegne den Leuten mit Respekt und werde auch entsprechend behandelt.» Von Rohr hat in Marbach das gefunden, wonach er lange Zeit suchte, nämlich eine Art «heile Welt», wie er sagt. Zusammen mit seinen zwei Freunden Späni und Stadler unternimmt er viel gemeinsam. Dazu gehören auch regelmässige Besuche im nahe gelegenen Schiesskeller, wie er sagt.

Auf dem Campingplatz schaut man zueinander

Seit 18 Monaten lebt auch Peter Stadler in Marbach. Er, der gebürtige Stadtluzerner, ist gelernter Bootsbauer und hat später bei einem grossen Baukonzern als Magaziner gearbeitet. Der heute 64-Jährige hat ein Faible für spezielle Wohnadressen. So liess er sich einst im Gebiet Wäldli beim Eigenthal nieder. Er sagt: «Ich suchte lange Zeit einen Campingplatz, wo ich das ganze Jahr über wohnen kann.»

Am Leben auf dem Gelände in Marbach behagt Peter Stadler das gute Einvernehmen mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern. Er sagt: «Gegenüber unseren Nachbarn sind wir hilfsbereit und schauen auch zueinander.»

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