Interview

Martin Merki (FDP) will Luzerner Stadtpräsident werden – das sind seine Beweggründe

Die Luzerner Stadtratswahlen werden immer spannender: Auch Martin Merki (FDP) will «Stapi» werden.

Robert Knobel
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Martin Merki, Stadtrat FDP, will Luzerner Stadtpräsident werden.

Martin Merki, Stadtrat FDP, will Luzerner Stadtpräsident werden.

Dominik Wunderli

Am Dienstag treffen sich die Mitglieder der FDP Stadt Luzern zur Parteiversammlung. Dabei soll Martin Merki zusätzlich zur Wiederwahl als Stadtrat neu auch als Stadtpräsident nominiert werden. Dieser Entscheid zwischen Merki und der Parteileitung ist erst vor kurzem gefallen – auch der Gesamtstadtrat wurde erst am Sonntagabend über die Absichten der FDP informiert. Wir sprachen mit Martin Merki über seine Beweggründe.

Weshalb wollen Sie Stadt­präsident werden?

Martin Merki: Ich kann zuhören, bin pragmatisch, überlegt und sachorientiert. Und ich sehe mich als Brückenbauer. Das ist insbesondere wichtig für die Beziehungen zum Kanton: Ich sehe, dass die aktuelle Politik der Stadt Luzern auf viel Unverständnis bei Kanton und Agglomerationsgemeinden stösst. Dank meinem bürgerlichen Umfeld wäre ich besser in der Lage, Brücken zum bürgerlich regierten Kanton zu schlagen. Ich könnte einen wichtigen Beitrag für ein besseres gegenseitiges Verständnis leisten.

Etwas, was der amtierende Stadtpräsident Beat Züsli (SP) nicht genügend tut?

Meine Kandidatur richtet sich nicht gegen Beat Züsli als Person. Aber ich möchte den Wählerinnen und Wählern eine Auswahl bieten und bin wie gesagt überzeugt, dass ein bürgerlicher Stadtpräsident besser in der Lage wäre, die aktuellen Blockaden zu lösen.

Als Stadtpräsident müssten Sie aber weiterhin die Haltung des Gesamtstadtrats vertreten – und diese weicht insbesondere in der Verkehrspolitik stark von der Haltung des Kantons ab.

Stadt und Kanton müssen in der Mobilitätspolitik einen gemeinsamen Nenner finden. Es gibt dazu gar keine Alternative. Man muss deshalb überlegen, wie man sich in diesem und anderen wichtigen Dossiers gegenseitig unterstützen kann.

Wie würden Sie zum Beispiel bei der Spange Nord einen gemeinsamen Nenner mit dem Kanton suchen?

Die Stadt hat ihre endgültige Haltung zur Spange Nord noch nicht festgelegt. Gleichzeitig hat der Kanton einen Schritt auf die Stadt zugemacht und signalisiert, dass er offen für Gespräche ist. Diesen Spielraum müsste die Stadt jetzt nützen, um einen Schritt weiter zu kommen.

Andere Parteien haben ihre Positionen und Strategien für den 29. März längst festgelegt. Wieso haben Sie mit Ihrer Kandidatur so lange gewartet?

Mit dem Gedanken, als Stadtpräsident zu kandidieren, habe ich mich schon seit Längerem auseinandergesetzt. Den Ausschlag gegeben haben einerseits viele motivierende Stimmen in meinem Umfeld – nicht nur innerhalb der Partei – und andererseits die immer klarere Erkenntnis, dass wir innerhalb des Kantons den Weg einfach nicht finden. Der jüngste Konflikt um die Carparkplätze in Kriens lässt grüssen.

Mit Ihrer Kandidatur treten Sie gegen Ihren Stadtrats­kollegen Beat Züsli an. Haben Sie keine Angst, dass dies die Zusammenarbeit künftig erschwert?

Nein, wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis innerhalb des Stadtrats. Alle Mitglieder können gut mit Belastungen umgehen. Hinzu kommt, dass es ja die SP war, die als erste eine Zweierkandidatur ankündigte und damit die Abwahl eines bisherigen Stadtrats in Kauf nimmt. Die SP sagt, sie wolle eine Auswahl bieten. Ich biete mit meiner Kandidatur nun dasselbe an und erwarte dieselbe Offenheit für eine sachliche Auseinandersetzung.

Sie sind heute Sozial- und Sicherheitsdirektor. Würden Sie im Falle einer Wahl zum Stadtpräsidenten die Direktion wechseln wollen?

Eine Rochade wäre möglich, aber nicht zwingend. Ich fühle mich wohl in der Sozial- und Sicherheitsdirektion und würde auch als Stadtpräsident gerne dort bleiben.

Hinweis
Martin Merki (57, FDP) ist seit 2012 Mitglied des Luzerner Stadtrats. Er steht der Sozialdirektion und seit der Departementsreform auch der Sicherheitsdirektion vor.

SVP ändert Strategie

Bis jetzt waren es zwei Kandidaten, die am 29. März zum Luzerner Stadtpräsidenten gewählt werden wollen: Beat Züsli (SP, bisher) und Silvio Bonzanigo (SVP). Mit der Kandidatur von Martin Merki ändert sich nun die Ausgangslage für die SVP. Die Parteileitung wird an der heutigen Versammlung beantragen, die Kandidatur von Bonzanigo zurückzuziehen und Merki zu unterstützen. Das bestätigt SVP-Präsident Dieter Haller. «Im Gegenzug erwarten wir von der FDP, dass sie Silvio Bonzanigo als Stadtrat unterstützt.» Sollte dies die FDP nicht tun, werde die SVP auf eine Wahlempfehlung für Merki verzichten. (rk)