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MARTINIVATER: In Hochdorf geht es an der Fasnacht rund zu und her

Gerhard Kunz führt durch die Hochdorfer närrischen Tage. Unter seiner Regentschaft soll die Fasnacht «e rondi Sach» werden. Dabei helfen ihm nicht nur seine Frau Barbara, sondern auch die Seilzieher.
Ernesto Piazza
Das Martinipaar Gerhard und Barbara Kunz macht die Manege frei für die Hochdorfer Fasnacht. (Bild: Pius Amrein (29. Januar 2018))

Das Martinipaar Gerhard und Barbara Kunz macht die Manege frei für die Hochdorfer Fasnacht. (Bild: Pius Amrein (29. Januar 2018))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Noch stehen Martinivater Gerhard Kunz (49) und seiner Barbara (48) die absoluten Höhepunkte der «rüüdigen» Fasnachtstage von Hochdorf bevor. Trotzdem sind sie von der Wahrnehmung in der Bevölkerung «überwältigt». «Am Hochdorfer Markt beispielsweise – kurz nachdem ihr Ehemann die Inthronisation erleben durfte – sei sie von Menschen spontan umarmt worden, erinnert sich die Martinimutter. «Nach meinen sechs Jahren im Zunftrat habe ich zwar gewusst, was in etwa auf mich zukommt, solch spontane Momente bewegten aber sehr», so Gerhard Kunz.

Dass ihn der Fasnachtsvirus infiziert hat, kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Vater bekleidete dieses Amt. Er betätigte sich früher auch als Wagenbauer. Ebenfalls früher «kübelte» Sohn Gerhard mit seinem Bruder Markus und einem Nachbarn mit einem Blechkessel durchs Dorf. Oft wurde die kleine Gruppe sogar von seiner Schwester Beni orchestriert. Nach einer kleineren Pause hatte ihn das fasnächtliche Fieber mit der Aufnahme in die Zunft im Jahre 2005 endgültig gepackt. Dies war auch für Martinimutter Barbara das ultimative Signal, sich fortan ebenfalls intensiv diesem Brauch zu widmen. «Denn uns gibt es nur im Doppelpack», stellt die gebürtige Wolfenschiesserin in ihrem unüberhörbaren Nidwaldner-Dialekt klar. Und ihr Mann pflichtet ihr schmunzelnd bei. «Ob im Geschäft oder beim Hobby: Wir sind am liebsten gemeinsam unterwegs.»

Der Ur-Hochdorfer ist Inhaber des Busbetriebs Seetal-Freiamt AG. Dass er einmal das Geschäft seines Vaters übernimmt, war naheliegend. «Ich bin mit dem Betrieb aufgewachsen, habe oft am Mittwoch- und am Samstagnachmittag Busse geputzt.» Am 15. Dezember 2002, just auf den Fahrplanwechsel hin, sei es so weit gewesen, erinnert er sich noch genau. Im Büro arbeitend, hält ihm die Martinimutter administrativ den Rücken frei. Wobei sie lachend festhält: «Er ist der Chef.» Gerhard Kunz sagt: «Ich bin eigentlich 365 Tage erreichbar.» Daher erstaunt nicht: Die Freizeit, «mehr als 10 Tage Ferien am Stück liegen kaum drin», so Barbara Kunz, geniessen sie.

Anfrage liess sie grübeln und führte zu Stürzen

Vor allem mit Biketouren halten sie sich fit. Zuweilen lassen sie auch die Seele baumeln. Wie kürzlich in der Toscana gewollt: Doch die Anfrage von Alt-Martinivater René Sidler im Vorfeld hatte sie ins Grübeln gebracht. Der anstehende Entscheid hinterliess vor allem bei Gerhard Kunz bei drei Bike-Stürzen einige, jedoch nicht gravierende körper­liche Spuren. Nach dem erstin­stanzlichen «Nein» seiner Frau kam sie auf ihren Entscheid zurück. Ich sagte mir: «Wenn nicht jetzt, wann dann?» Und ihr Ehemann fügt an: «Wenn schon ja, dann mit allem Drum und Dran.»

Und so rollt der Martinivater mit seiner Barbara von Termin zu Termin. Rund 60 offizielle Anlässe werden es letztlich sein. Wie zum Beispiel am letzten Samstag beim Zunftball mit dem Motto «Manege frei»: Sie seien förmlich getragen worden. «Die Emotionen schwappten über, speziell am Schluss», so die Martinimutter. Bei abgedunkeltem Saal sang die Gesellschaft um zwei Uhr nachts die erste Strophe das Liedes «Ech ghöre es Glöggli». Die zweite wurde gesummt, dann ging das Licht wieder an – Schluss wars.

Apropos «rollen»: Überlegt und, wer die beiden kennt, naheliegend ist ihr Fasnachtsmotto «E rondi Sach, d Fasnacht z Hofdere, die macht Spass». Die Räder von Bike und Bus sind rund, wie die Manege des Zunftballs es war. Speziell freut sich die Martinimutter auf den Kinderumzug am Schmutzigen Donnerstag mit dem Motto «Pippi Langstrumpf und die Seeräuber». Denn als Pippi wollte sie schon lange mal an die Fasnacht. «Jetzt habe ich es selber in der Hand», freut sie sich – fast genauso wie ein Kind.

Immunstärkende Vitamine gegen zufliegende Viren

«Wir lassen uns von allem, was kommt, überraschen», sagen sie. Gerade diesbezüglich weiss der Martinivater, dass die Seilzieher in Lieli für ihn einen Wagen bauen. Den Verein gibt es zwar praktisch nicht mehr, «doch für mich ziehen sie nochmals am selben Strick», freut sich Gerhard Kunz. Ein Vorteil der beiden ist sicherlich auch, sie brauchen nicht viel Schlaf. Dazu werden sie nämlich nicht gross kommen. Den Alkoholkonsum wollen sie ebenfalls einschränken, «obwohl wir jeweils abgeholt und wieder nach Hause chauffiert werden», sagt Barbara Kunz. Krankwerden wäre ein Supergau und ist daher verboten. Mit immunstärkenden Vitaminen will die Martinimutter eventuell zufliegenden Viren erfolgreich begegnen.

Zeit zum Verarbeiten wird das Martinipaar später bekommen. «Im Moment befinden wir uns wie im Flow.» Und das eine oder andere zusätzliche Pfund wird wieder runterpurzeln. Die sportlichen Aktivitäten – dazu gehören auch Joggen und Spinning – bekommen nachher erneut ihren Platz. Vorerst gilt ihre grosse Freude der Hofderer Fasnacht 2018. Diese soll «fröhlich und farbig werden», so der Wunsch von Gerhard und Barbara Kunz.

Hinweis

Alles zur Hochdorfer Fasnacht unter: www.okfasnacht.ch.

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