Maskenpflicht
Mehrere Prozesse am Bezirksgericht Luzern – 24-Jähriger wehrt sich gegen Geldstrafe

Der junge Mann zog sich den Jackenkragen über Mund und Nase, als er den Bahnhof Luzern passierte. Doch das reichte nicht. Weil er den Strafbefehl von 280 Franken nicht akzeptierte, stand er vor Gericht.

Sandra Monika Ziegler
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Das Bezirksgericht Luzern.

Das Bezirksgericht Luzern.

Bild: sam

Rund 1000 Strafbefehle verzeichnete die Staatsanwaltschaft Luzern im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Widerhandlungen gegen die Covid-19-Vorschriften. Davon betreffen etwa 14 Prozent das Nichttragen einer Schutzmaske. Einer davon ist der junge Mann, der am Dienstag vor dem Bezirksgericht Luzern stand. Der 24-Jährige trug letzten November kurz vor drei Uhr Nachmittag im Bahnhof Luzern keine Schutzmaske, als Mitarbeiter der Transportpolizei auf ihn aufmerksam wurden.

Im Januar bekam er Post von der Staatsanwaltschaft. Der Mann legte Einspruch ein und es folgte im Februar ein zweiter Strafbefehl: 100 Franken Busse und 180 Franken Verfahrenskosten. Auch das akzeptierte der Beschuldigte nicht und legte erneut Einsprache ein. So landete der Fall am Bezirksgericht Luzern. Es ist der erste von insgesamt vier Fällen, die diesen Monat wegen der Verletzung der Maskenpflicht verhandelt werden.

Der junge Mann sass bereits fünfzehn Minuten vor der Verhandlung im Gerichtsgebäude – mit FFP2-Maske, aber ohne Anwalt. Im Gerichtssaal wollte der Richter wissen, ob er Fragen zum Verfahren habe. «Ja, wie lange geht das etwa?» Doch darauf konnte der Richter keine exakten Angaben machen, das hänge von seinen Antworten ab.

Der Beschuldigte schilderte seine Version. Er erzählte, dass er schnell durch den Bahnhof gehen wollte. Weil er keine Maske dabei hatte, habe er sich den Jackenkragen über Nase und Mund gezogen. Er sei von der Transportpolizei aufgehalten und auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht worden. «Ich hatte ja den Kragen über Nase und Mund gezogen, das ist doch der bessere Schutz», sagte er dem Richter.

Jackenkragen ersetzt die Maske nicht

Der Transportpolizei genügte das aber nicht. Die Beamten nahmen die Personalien des Mannes auf. Nun wird ihm vorgeworfen, er habe sich der Aufforderung der Transportpolizei widersetzt. Das will der Beschuldigte allerdings nicht gelten lassen. Schliesslich habe er Abstand gehalten sowie Nase und Mund bedeckt. «Das schützt besser als keine Maske zu tragen. Nicht so wie die, die Rauchen. Die haben keine Maske an und halten nicht einmal den Abstand ein.» Warum er denn keine Maske dabei hatte, wollte der Richter wissen. «Ich habe keine vom Bund bekommen und konnte so auch keine tragen.»

Es habe an diesem Nachmittag sehr wenig Leute im Bahnhof gehabt, fügte er an. «Ich wollte eigentlich schnell durch den Bahnhof, wurde aber aufgehalten, deshalb blieb ich stehen.» Äusserst knapp fiel sein letztes Wort aus: «Es ist wichtig, dass es jetzt abgeschlossen ist und ich nichts mehr machen muss, wenn ich hier rausgehe.» Vorerst trifft das tatsächlich zu: Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Wochen schriftlich zugestellt.

Der Mann, der die nächsten sechs Monate vom Verein Grundeinkommen unterstützt wird und zurzeit auf Jobsuche ist, reichte nach der Verhandlung eine Karte mit QR-Code. Darauf steht, dass er am See Abfall sammle. Zudem will er eine Weiterbildung im Naturschutz über Spenden finanzieren. Die FFP2-Maske, die er am Gericht trug, habe er übrigens gratis bei einer Onlinebestellung bekommen.