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Maskierte Männer stürmen in Luzern mit Softgun-Pistole in falsche Wohnung

Zwei Männer wollen in der Stadt Luzern einen Dealer bei ihm zu Hause ausrauben – doch sie stürmen die falsche Wohnung. Am Dienstag standen sie vor dem Kriminalgericht.
Sandra Monika Ziegler

Zwei Männer – ein Plan: Um an Stoff und Geld zu kommen, wollten sie einen Marihuanadealer in seiner Wohnung ausrauben. Die Männer, ein 24-jähriger Portugiese, der in der Schweiz aufgewachsen ist und ein 40-jährigen Pole, der seit 2014 in der Schweiz lebte und arbeitete, stürmten im April 2017 vollmaskiert in der Stadt Luzern eine Wohnung.

Sie waren mit einem Teleskopschlagstock und einer Softgun-Pistole bewaffnet, beide gelten laut Gesetz als Waffen. Nur: die Täter irrten sich in der Wohnung. Anstatt der Dealer öffnete ihnen eine Frau. Sie drängten die Frau in die Wohnung zurück auf das Sofa und dort drückte der Pole ihr ein Kissen auf den Kopf. Sein Komplize durchsuchte derweil die Wohnung. Als sie nichts fanden, wurde ihnen klar, dass sie sich in der falschen Wohnung befanden.

Polizeihunde führten schnell zur Verhaftung

Sie liessen die Frau verängstigt zurück und klingelten beim Nachbarn. Der Portugiese stand Wache, der Pole schlug einen Bewohner nieder, bedrohte den anderen und forderte Geld und Drogen. Sie erbeuteten über 3300 Franken, 65,5 Gramm Marihuana und 12 Gramm Haschisch. In der Zwischenzeit wurde die Polizei alarmiert. Die Täter flüchteten und versteckten sich. Doch die Polizeihunde hatten ihre Spur längst in der Nase, sie wurden gefasst und verhaftet. Beide sind geständig.

Ihnen wird Raub, Nötigung und mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Für den Portugiesen wird eine unbedingte Strafe von 2,5 Jahren ohne Landesverweis, für den Polen eine unbedingte Haftstrafe von 3,5 Jahren mit 10 Jahren Landesverweis gefordert. Am Dienstag standen sie vor dem Luzerner Kriminalgericht.

Die erste Verhandlung galt dem Portugiesen. Er wuchs mit seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern in der Zentralschweiz auf. Besuchte hier die Schule und machte seine Ausbildung. Mit dem Gesetz in Konflikt geriet er erst einmal. Dies, als er in einem fahrunfähigen Zustand erwischt wurde. Er hat seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz, ist familiär, sozial und sprachlich integriert, zur Heimat Portugal hat er keinen Bezug. Auf einen Landesverweis wurde deshalb aus Härtefallgründen verzichtet, obwohl dies beim Delikt Raub normalerweise ausgesprochen wird.

Zur Diskussion stand an der Verhandlung, ob ein Aufschub der Strafe zu Gunsten einer ambulanten Massnahme angezeigt wäre. Gleich zu Beginn sagte der Angeklagte, dass er zu dem stehe, was er gemacht habe und er das Urteil annehmen werde. Er habe seine Drogenprobleme und seine attestierte Persönlichkeitsstörung erkannt. Mit harten Drogen habe er aufgehört, Marihuana habe er das letzte Mal vor 2,5 Wochen geraucht. Er wolle aber einen Weg ohne Marihuana gehen. Seine alten Freundschaften habe er beendet, lebe bei seinen Eltern und halte bewusst Distanz zur Szene.

Trotz Zweifel gibt es eine letzte Chance

Die Richter glauben nicht an seine Motivation, auch wirklich etwas ändern zu wollen. Dies auch, weil er einige Therapietermine nicht wahrgenommen habe und vor Gericht einen lethargisch abwesenden Eindruck mache. Nach der Beratung verkündete das Gericht, dass es trotz all seiner Bedenken dem Urteilsvorschlag zustimme, die Strafe zu Gunsten einer Therapie aufzuschieben.

Der Richter betonte, dass dies seine letzte Chance sei. Falls er wieder Termine sausen lasse und Unterlagen nicht vorlege, sei es vorbei mit der Freiheit. Die «Schwelle sei sehr tief, wenn es nicht klappt, gebe es keine Milde mehr». In Begleitung ihrer Mutter war auch die Frau im Saal, die «irrtümlich» überfallen wurde. Da beide Täter maskiert waren, wollte sie das Gesicht des Portugiesen sehen. Den Polen kannte sie, weil er ihr gut eine Woche nach der Tat einen Brief schrieb und sich für sein Verhalten entschuldigte und sich als Hauswart zu erkennen gab.

Die junge Frau ist immer noch geschockt und kann nachts oft aus Angst nicht schlafen. Mit ihrer Anwesenheit wolle sie endlich mit «der Geschichte» abschliessen. Vor Gericht sagte der Pole, dass er die Therapie vorzeitig angetreten habe, weil er sein Leben ändern wolle. Der bereits vorbestrafte 40 Jahre alte Mann, der im Ausland auch schon einsass, will mit seiner Freundin und der gemeinsamen 11 Jahre alten Tochter in Polen neu beginnen.

Gefängnis und Therapie als Chance

Der Angeklagte wirkte konzentriert, gab an, dass er seit einem Jahr drogenfrei lebe und er durch Strafe und Therapie endlich etwas bekommen habe, das ihm half. «Ich hatte bisher keine Chance, die letzten Jahre waren eine. Dafür will ich danken», so der Beschuldigte, der seit 879 Tagen im Gefängnis sitzt.

Das Gericht bestätigte die 3,5 Jahre unbedingte Haftstrafe und den Landesverweis. Dank guter Führung kann er nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe das Gefängnis bald vorzeitig verlassen. Für sein Schlusswort steht er auf und dreht sich zur Frau im Saal und entschuldigt sich nochmals. Die beiden Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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