Massen-Wohnungskündigung in Kriens – jetzt nimmt die Eigentümerin Stellung

Wegen einer «umfassenden Sanierung» müssen 94 Mieter auf Ende Juni ihre Wohnungen verlassen. Die Eigentümerin verspricht ein «Paket an Lösungen» – trotzdem wollen sich viele Betroffene wehren.

Roman Hodel
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Die Krienser Überbauung Brunnmattstrasse soll saniert werden.

Die Krienser Überbauung Brunnmattstrasse soll saniert werden.

Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 05. Februar 2020

Als «führende Schweizer Vorsorgeeinrichtung mit «Servicequalität auf höchstem Niveau» – so beschreibt sich Previs, Pensionskasse der Berner Gemeinden, auf ihrer Webseite. Solch nette Worte haben die 94 Mieter der Siedlung Brunnmattstrasse 18 bis 18b und 20 bis 20a in Kriens wohl momentan nicht für die Eigentümerin ihrer Wohnungen übrig. Denn alle haben letzte Woche die Kündigung auf Ende Juni erhalten, weil die Häuser saniert werden.

Darunter sind viele langjährige Bewohner, die zum Teil seit dem Erstbezug 1979 dort leben. Dave Büttler, dessen Mutter Josy seit 2016 hier wohnt, sagt:

«Es gibt sogar solche, die erst letzten Dezember eingezogen sind, das ist besonders schockierend.»
Dave Büttler (mit roter Jacke) setzt sich für die betroffenen Mieter ein.

Dave Büttler (mit roter Jacke) setzt sich für die betroffenen Mieter ein. 

Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 05. Februar 2020

Laut Christoph Stäger, Immobilienverantwortlicher der Previs, handelt es sich bei Letzterem um einen von «einzelnen» Härtefällen: «Der Vermietungsstopp wurde Ende November verhängt, da war jener Mietvertrag bereits unterzeichnet.» Grundsätzlich sei Previs mit dem Aussprechen der Kündigungen nicht zu knapp dran: «Das Mietrecht gibt drei Monate vor, wir sind bei fünf.»

Stäger versteht aber die Betroffenheit der Mieter und verspricht «ein Paket an Lösungen». So werde man allen Mietern bei der Suche nach einer neuen Wohnung helfen. Auch komme man ihnen mit einer einmaligen Verlängerung des Mietverhältnisses entgegen. Wieviele Monate diese beträgt, will er allerdings nicht sagen. «Über das und die weiteren Details wollen wir am 11. Februar zuerst die Mieter informieren», so Stäger. Nur soviel: Die Sanierung geschieht in zwei Etappen. Die erste soll Ende Jahr starten – sofern alles rund läuft. Denn es drohen Verzögerungen, wenn sich Mieter gegen die Kündigung wehren. Stäger ist jedoch überzeugt:

«In persönlichen Gesprächen mit den Mietern lässt sich vieles lösen – wir hoffen, der Gang vor die Schlichtungsbehörde wird nicht nötig sein.»

Diesen Gefallen wird Hatun Huber (39) ihrem Vermieter nicht tun: «Ich und viele andere Mieter wenden uns an die Schlichtungsbehörde.» Sie mache es für ihre Tochter und andere Kinder im Haus. «Wegen der Kündigung droht ihnen ein Schulwechsel.» Und nicht nur das: «In den Häusern helfen wir einander und sind für einander da, wie in einer Familie – das alles würden wir verlieren.»

Mieterverbands-Geschäftsleiter Cyrill Studer Korevaar begrüsst, dass sich die Mieter wehren: «Wie realistisch ist ein Baubeginn ab Juli? Gibts Einsprachen gegen das Projekt? Solche Fragen müsste die Schlichtungsbehörde bei ihrem Entscheid, ob die Kündigungen rechtens sind, beleuchten.» Theoretisch sind Mieterstreckungen von bis zu vier Jahren möglich. Studer kritisiert solche Massenkündigungen wegen Totalsanierung generell:

«Eine solche ist oftmals auch in bewohntem Zustand möglich, wie das Beispiel Sentihof Luzern zeigt.»

Dass die Häuser gemäss Previs «umfassend saniert» werden müssen, wundert ohnehin viele Bewohner. Balkone, Fassaden, Isolation und Fenster wurden laut «Blick» 2008 modernisiert. Dies bestätigt Stäger: «Das müssen wir auch nicht erneuern – doch Flachdach, Haustechnik, Leitungen, Küchen, Badezimmer sind 40-jährig.» Im Gegensatz zum früheren Eigentümer, ebenfalls eine Pensionskasse, fahre man eine andere Strategie: «Durch die umfassende Sanierung sind die Gebäude wieder fit für 40 Jahre.» Weil Grundrisse angepasst würden, sei es nicht möglich, die Arbeiten in bewohntem Zustand durchzuführen.

Der Plan ist laut Stäger barrierefreies, altersgerechtes Wohnen – die Siedlung liegt neben dem Altersheim Zunacher. Und am Ende schaut mehr Rendite raus? Stäger sagt: «Es muss wirtschaftlich sein.» Momentan kostet eine 4,5-Zimmer-Wohnung je nach Dauer des Mietverhältnisses zwischen 1250 und 1800 Franken. Wie hoch die Mietzinse künftig sein werden, will er nicht sagen. Auch das sollen zuerst die Mieter erfahren.

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