Massenkündigung in Kriens: So geht es für die Mieter an der Brunnmattstrasse weiter

Die 94 Mieter an der Krienser Brunnmattstrasse können im einen Gebäude bis Ende Oktober 2020, im anderen gar bis Ende Juli 2021 wohnen bleiben. Doch für viele Betroffene ist das immer noch zu knapp.

Roman Hodel
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Einige der betroffenen Mieter versammeln sich vor dem einen Mehrfamilienhaus.

Einige der betroffenen Mieter versammeln sich vor dem einen Mehrfamilienhaus.

Bild: Corinne Glanzmann,
(Kriens 5. Februar 2020)

Der Fall Brunnmattstrasse in Kriens hat für Schlagzeilen gesorgt: 94 Mieter müssen bis Ende Juni ihre Wohnungen verlassen, weil die Eigentümerin Previs die beiden Gebäude sanieren will (wir berichteten). Am Dienstag um 18 Uhr hat die Pensionskasse die Mieter wie angekündigt im benachbarten Stadion Kleinfeld über das weitere Vorgehen informiert – und an einem separaten Anlass zuvor auch die Medien. Bereits in der Einladung zur Medienkonferenz machte Previs in fetter Schrift klar: «Bitte beachten Sie, dass die Medien zur anschliessenden Mieterinformation nicht zugelassen sind.» Es gab eine Eingangskontrolle.

Dass Mieter und Medien separat informiert wurden, hat man laut Markus Mürner, Leiter Asset Management Immobilien bei Previs bewusst gemacht:

«Wir wollten verhindern, dass sich gewisse Leute profilieren.»

Dass sie überhaupt eine Medienkonferenz einberufen hätten, sei ungewöhnlich. «Das Medienecho hat uns schon sehr überrascht», sagte er. Sie hätten dieselben Pläne schon bei diversen Siedlungen vor allem im Raum Bern «problemlos» umgesetzt. «Offenbar tickt der Berner da anders», sagte Mürner und betonte, dass die Journalisten haargenau dieselben Informationen erhielten, wie die Mieter. Die Wichtigsten:

  • Die 42 Mieter im Gebäude Brunnmattstrasse 20/20A erhalten eine einmalige Mieterstreckung um vier Monate bis Ende Oktober 2020. Danach wird dieses Gebäude bis Juni 2021 saniert.
  • Die 52 Mieter im Gebäude Brunnmattstrasse 18/18B können sogar einmalig bis Ende Juli 2021 bleiben. Danach wird dieses Gebäude ebenfalls saniert. 

Mürner betonte, dass diese Erstreckung immer geplant gewesen sei. Zudem könnten Mieter, die auch nach der Sanierung hier wohnen wollen, von Übergangswohnungen in der Siedlung profitieren. «Das ist dank der Etappierung möglich, weil ja nicht in beiden Gebäuden gleichzeitig gebaut wird.» Weiter helfe man den Mietern bei der Wohnungssuche extern und lege «ein gutes Wort» ein. Und man stelle Zügelmaterial zur Verfügung.

Klar sind nun auch die künftigen Mietzinse: Eine 4,5-Zimmer-Wohnung wird je nach Grösse, Lage und Stockwerk zwischen 1840 und 2130 Franken brutto kosten. Heute beträgt die Spannbreite 1250 bis 1800 Franken. Er habe die Preise in Kriens verglichen:

«Selbst mit unseren neuen Mietzinsen befinden wir uns immer noch im unteren Drittel - und das für eine Wohnung im Neubaustandard.»

Die Previs-Verantwortlichen betonten erneut, dass die 17 Millionen Franken teure Sanierung in bewohntem Zustand unmöglich sei: «Die Eingriffe sind zu gross.» So würden alle Leitungen ersetzt und drei der fünf Häuser altersgerecht und rollstuhlgängig ausgebaut. Mürner machte ein Beispiel: «Heute beträgt der Niveauunterschied zwischen Wohnung und Balkon 12 bis 14 Zentimeter, künftig Null.» 

Vielen jetzigen Mietern wird das allerdings nichts nützen: «Ich bin IV-Rentnerin, bezahle jetzt 1000 Franken für 3,5 Zimmer - ich kann mir doch die neuen Zinse gar nicht mehr leisten», sagte eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, nach der Mieterinformation. «Die Leute sind alle erbost, es ist auch alles sehr schlecht rübergekommen von der Eigentümerin», sagte Rolf Gautschi, der seit 40 Jahren dort lebt. Er habe Verständnis, dass man sanieren müsse,

«aber man hätte das in mehr als zwei Etappen ausführen und uns viel früher informieren können.»

Laut Gautschi haben alle 94 Mieter für eine Eingabe bei der Schlichtungsbehörde unterschrieben. Ob man sich auf diesem Weg wehre, werde man am Freitag entscheiden.

Cyrill Studer Korevaar, Geschäftsleiter des Mieterverbands Luzern, hat bei der Mieterinformation reingehört. Er sagt: «Wir unterstützen die Mieter bei allfälligen rechtlichen Schritten, müssen aber aufpassen, keine falschen Hoffnungen zu wecken.» Die Erfahrung zeige, dass die Schlichtungsbehörde selten die maximale Erstreckung von vier Jahren spreche. «Ideal wäre, dass durch genug öffentlichen Druck die Kündigungen zurückgezogen würden. Dann fänden Mietzinserhöhungen aufgrund der bestehenden Verträge statt und würden viel tiefer ausfallen.»

Im Kleinfeld zugegen war auch der Krienser Stadtrat Matthias Senn (FDP). «Das Vorgehen ist schon speziell», sagte er. Zuerst erhielten alle Mieter die Kündigung, dann würden sie informiert und erst danach werde das Baugesuch eingereicht. «Vor allem aber müssten die Leute mehr Zeit erhalten.» Diese sei hier sehr kurz bemessen. Senn sagt:

«Wir werden im Rahmen des Baubewilligungsverfahren an die Eigentümerin appellieren, den Zeitrahmen nochmals zu überdenken.»

Trotz Widerstand in der Bewohnerschaft und einer Interpellation der FDP im Einwohnerrat hält Previs an ihren Plänen fest, das Baugesuch wird am Mittwoch eingereicht. «Unser Vorgehen ist fair», sagte Mürner. Sie hätten in den letzten Jahren bei ähnlichen Sanierungen rund 400 Kündigungen ausgesprochen, «wir mussten nie vor die Schlichtungsbehörde - ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier für alle Lösungen finden.»

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