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«Disney-Land» auf der Rigi gestoppt

Bis zu 60 Millionen Franken sollten in neue Attraktionen auf der «Königin der Berge» investiert werden. Nachdem sich Anwohner gewehrt haben, wurde nun eine Charta verabschiedet: Der Tourismus soll nur moderat wachsen. Ein Grossprojekt steht trotzdem bevor.
Niels Jost
850 000 Touristen besuchten die Rigi im vergangenen Jahr. (Bild: Boris Bürgisser (20. April 2018))

850 000 Touristen besuchten die Rigi im vergangenen Jahr. (Bild: Boris Bürgisser (20. April 2018))

Es war ein Rekordjahr für die Rigi. 2017 wurden 850000 Gäste auf die «Königin der Berge» befördert. Um die Attraktivität zu steigern, haben die Rigi Plus AG und die Rigi Bahnen AG im April 2016 einen Masterplan für die touristische Zukunft des Berges erstellt. Darin aufgeführt waren Ideen wie eine Besucherplattform auf dem Sendeturm, ein «Schwizer Bergdörfli» anstelle des heutigen Event-Zeltes auf Rigi Staffel mit einer Schaukäserei sowie eine Baumhüttenwelt auf Rigi Kaltbad oder ein Streichelzoo. Kosten: bis zu 60 Millionen Franken.

Die Ideen kamen bei einigen Anwohnern nicht gut an. Sie lancierten im vergangenen Herbst die Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World», welche von über 3100 Personen unterzeichnet wurde. Es folgten Gespräche am runden Tisch (wir berichteten).

Charta verpflichtet zu schonungsvollem Umgang

Nun haben unter anderem die Petitionäre, die IG Rigi, die Rigibahnen, Rigi Plus sowie die Gemeinden Vitznau und Weggis gemeinsam eine Charta «Rigi 2030» verabschiedet, wie sie auf Anfrage bestätigen. Darin festgehalten sind die Grundsätze, nach denen man sich künftig ausrichten und handeln möchte. «Die Charta verpflichtet zu einem schonungsvollen Umgang mit der Rigi», sagt Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident der Rigi Bahnen AG. «Wir streben eine moderate wirtschaftliche Entwicklung und eine hohe Lebensqualität an.» Dabei soll der Umwelt und Gesellschaft, aber auch der Wirtschaft gleichermassen Rechnung getragen werden. Wie kann das aufgehen? «Läuft es wirtschaftlich schlecht, leidet auch das Gesellschaftliche», nennt Bucher ein Beispiel. «Wir müssen zu allen Bereichen Sorge tragen.»

Konkrete Zahlen – etwa eine Obergrenze der Gästezahlen – wurden in der Charta bewusst nicht aufgeführt. Eine solche hatte René Stettler gefordert. Der in Rigi Kaltbad wohnhafte Kulturwissenschaftler ist Initiant der Petition. «Wichtig ist, dass alle Unterzeichner hinter den in der Charta festgehaltenen Grundsätzen stehen und sie gemeinsam umsetzen.» Stettler ist sich sicher: «Die Charta ist ein zukunftsgerichtetes und ressourcenschonendes Bekenntnis. Mit ihr haben wir die Basis für eine nachhaltige Zusammenarbeit aller Involvierten und die Zukunft der Rigi gelegt.»

«Wir wollen kein Disney-Land»

In einem Punkt sind sich Petitionäre und Rigibahnen einig: «Das ungebremste Wachstum der Touristenströme ist nicht nachhaltig», so Stettler. Ein solches sei auch nicht im Interesse der Rigibahnen, sagt Karl Bucher: «Wir wollen kein Disney-Land auf der Rigi. Das war nie unsere Absicht und wurde vielfach fehlinterpretiert.» Deshalb habe man sich in der Charta dazu verpflichtet, bei Projekten alle Beteiligten frühzeitig in die Planung miteinzubeziehen. Etwas, das beim Masterplan offensichtlich zu wenig der Fall war, wie Bucher gesteht: «Wir werden künftig unsere Ideen frühzeitig kommunizieren.»

Damit die Charta nicht zu einem Papiertiger verkommt, sind weiterhin viele Diskussionen nötig, betonen sowohl Stettler als auch Bucher. So gehen unter allen Beteiligten die Meinungen nach wie vor auseinander, wenn es um die eingangs erwähnten und mit wirtschaftlichem Wachstum verknüpften Event-Ideen wie die Besucherplattform oder den Streichelzoo geht.

Besucherzentrum auf Rigi Kulm in Planung

Ob man sich bei der Entwicklung des Angebots auf der Rigi tatsächlich einigen kann, wird sich bald zeigen. Denn ein erstes Grossprojekt ist bereits in Planung. So soll auf Rigi Kulm ein neues Besucherzentrum gebaut werden, da die Station für die Gäste alles andere als optimal ist, sagen Bucher und Stettler unisono. Beispielsweise fehlen sanitäre Installationen, Aufenthaltsräume für Gruppen, Platz für die Schlitten-Vermietung, eine behindertengerechte Bauweise und ein 365-Tage-Gastroangebot. «Zudem steht der Gast bei schlechtem Wetter buchstäblich im Regen, wenn er ankommt», sagt Karl Bucher.

Das neue Besucherzentrum soll bei der alten Remise am Ende der Gleise zu stehen kommen. Noch laufen dazu Gespräche mit der Swisscom, der Armasuisse, dem Hotel Rigi Kulm, der Korporation, der Gemeinde und weiteren Anspruchsgruppen. Ein Architekturwettbewerb wird demnächst lanciert. Das Gebäude soll sich optimal in die Landschaft integrieren – so, wie es die Charta-Grundsätze vorsehen. Laut Bucher ist für den Bau eine Zonenplanänderung notwendig. Zuständig hierfür ist die Gemeinde Arth. Die Abstimmung soll bereits im Herbst 2019 erfolgen.

Zurück zur Charta: Diese muss nun noch bis Mitte September von allen Anspruchsgruppen unterzeichnet werden. Für Petitionär René Stettler und Karl Bucher von den Rigibahnen ist bereits jetzt klar: Ihre Unterschrift wird auf dem Papier stehen.

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