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MASTERSTUDIUM: Medizin: Zürich soll Luzern assistieren

Wird die Uni Luzern bald selber Ärzte ausbilden? Recherchen zeigen: Eine Zusammenarbeit mit der Uni Zürich ist in Planung.
Niels Jost
Die Uni Luzern will in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich einen Medizinmaster einführen. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Die Uni Luzern will in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich einen Medizinmaster einführen. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Schon lange steht die Idee im Raum: In Luzern soll eine Ausbildung zum Medizinmaster entstehen. Darüber, ob und wie der neue Studiengang eingeführt werden soll, hat der Kanton bereits im Jahr 2012 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben (siehe Kasten). Diese steht nun in der zweiten Phase, vertiefte Abklärungen müssen noch getroffen werden. Im ersten Quartal 2016 sollen die Resultate vorliegen, sagte Karin Pauleweit, Leiterin der kantonalen Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, am 19. Dezember gegenüber unserer Zeitung.

Recherchen zeigen bereits jetzt: Sollte dereinst ein Medizinmaster angeboten werden, wird dieser wohl in Zusammenarbeit mit einer anderen Universität zu Stande kommen. Dass die Universität Luzern und der Kanton das Projekt selbstständig in Angriff nehmen, ist eher unwahrscheinlich. Grund: die Finanzen.

8 Millionen Franken pro Jahr

Die jährlichen Kosten für den Masterstudiengang würden sich mindestens auf rund 8 Millionen Franken belaufen – viel Geld für einen Kanton, der sich im Sparmodus befindet. Diese Schätzung machte der Luzerner Regierungsrat im Jahr 2012 anhand von Berechnungen, die der Kanton Tessin für ein ähnliches Projekt tätigte. Hinzu kämen Kosten für die Infrastruktur. Zudem müsste der Kanton Luzern wohl noch Beiträge an jene Universitäten zahlen, die ihr Angebot für Medizinstudenten im Bachelor ausbauen, die dann für ihr Masterstudium nach Luzern wechseln.

Deshalb sei gemäss einer sicheren Quelle ein sogenannter Joint Master geplant. Dabei handelt es sich um einen Studiengang, der zusammen mit einer anderen Universität in Luzern durchgeführt wird. Ähnliche Angebote gibt es bereits im Masterstudiengang Religion, Wirtschaft, Politik – die Uni Luzern arbeitet dort mit den Unis Basel und Zürich zusammen. Durch den Joint Master könnten Synergien mit der Partner-Uni genutzt und Kosten eingespart werden.

Zürich hat grösste Medizinfakultät

Für die Zusammenarbeit mit einer anderen Universität kämen fünf Kantone in Frage, die über eine vollständige Medizinfakultät verfügen: Bern, Basel, Genf, Waadt – und Zürich. Dass es sich beim Partner um Letzteren handeln wird, davon ist der Quelle zufolge auszugehen. Die Zürcher Bildungsdirektion bestätigt auf Anfrage, dass gewisse Vorhaben im Gange seien. Allerdings geschehe dies nicht auf regierungsrätlicher Ebene, weshalb auf die medizinische Fakultät Zürich verwiesen wird. Dort, bei der Universität Zürich, heisst es, dass seit einiger Zeit Gespräche mit anderen Universitäten geführt werden, wie die Zahl der Ausbildungsplätze in der Medizin erhöht werden könne. Für konkretere Aussagen sei es aber noch zu früh.

Eine Zusammenarbeit mit der Universität Zürich wäre auch deshalb naheliegend, weil sie die grösste medizinische Fakultät beherbergt. Rund 3000 Studenten und über 700 Dozenten zählt die Fakultät.

Zum Medizinmaster und über eine allfällige Zusammenarbeit mit der Uni Zürich möchte der Kanton Luzern zurzeit noch keine Stellung nehmen. Erst wenn die Resultate der Machbarkeitsstudie vorlägen, also im Frühling 2016, werde die Öffentlichkeit informiert. «Mögliche Szenarien – auch Kooperationslösungen – werden Gegenstand unserer Studie sein», sagt Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, auf Anfrage.

Ziel: Neue Ärzte für die Region

Sollte der Medizinmaster in Luzern Tatsache werden, könnte damit dem Ärztemangel – vorwiegend dem Hausärztemangel – entgegengehalten werden. Absolvieren Studenten ihr Medizinstudium in Luzern, werden sie später auch in der Region arbeiten, so die Hoffnung der Regierung. Bereits jetzt fördert der Kanton den Hausärztenachwuchs mit dem Praxisassistenzprogramm. Seit dem Jahr 2012 haben rund 50 junge Ärzte ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Luzerner Hausarzt absolviert. Zudem wurde Anfang 2014 das Institut für Hausarztmedizin und Community Care gegründet.

Die Idee eines Medizinmasters ist nicht neu: Der Kanton Tessin hat bereits jetzt beschlossen, ab 2018 ein Masterprogramm für Medizin zu starten. Gleiches wird derzeit auch in den Kantonen Freiburg und St. Gallen geprüft. Zudem haben die bestehenden fünf Fakultäten die Zahl ihrer Studienplätze bereits erhöht: Im Jahr 2014/15 studierten schweizweit rund 9500 Personen Humanmedizin, fünf Jahre zuvor waren es noch 1470 weniger. Abgeschlossen haben diesen Studiengang letztes Jahr rund 900 Studenten – gemäss Bund werden schweizweit allerdings 1200 bis 1300 neue Ärzte benötigt. Denn die Nachfrage nach medizinischer Versorgung nimmt aufgrund der demografischen Entwicklung immer stärker zu. Zudem braucht es auch deshalb mehr Fachkräfte, weil Ärzte immer öfter Teilzeit arbeiten und die Zuwanderung anhält. Somit braucht es trotz der ausgebauten Studienplätze auch künftig noch Fachkräfte aus dem Ausland.

Planung seit 2012

Vor knapp vier Jahren, Anfang 2012, war erstmals vom Medizinstudium in Luzern die Rede. Ein vollständiges Studium mit Bachelor und Master sei aber zu teuer, kam die Regierung Mitte 2012 zum Schluss – auch deshalb, weil die Einführung der Wirtschaftsfakultät priorisiert wurde. Seither wird nur das Angebot eines Masterstudiums geprüft. Anfang 2015 kam nach einer Anfrage von Kantonsrat Herbert Widmer (FDP, Luzern) wieder Schwung in die Diskussion, sodass die ersten Resultate der Machbarkeitsstudie nun vom Regierungsrat eingesehen werden. Genehmigt er die Studie, soll sie in den nächsten Monaten an den Kantonsrat überwiesen werden. Der Bericht soll unter anderem klären, ob und wie Kooperationsverträge mit anderen Universitäten über die Aufnahme von zusätzlichen Bachelorstudenten abgeschlossen werden können.

Niels Jost

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