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Interview

Mattenhof-Architekt: «Diese Grösse sind wir uns nicht gewohnt»

Der neue Mattenhof, das selbsternannte urbane Zentrum von Luzern-Süd, polarisiert in der Bevölkerung. Architekt Mauritius Carlen sagt, warum – und wieso Geduld angebracht ist.
Roman Hodel
Architekt Mauritius Carlen auf einer der Dachterrassen des Quartiers, die allen Bewohnern offen stehen. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)

Architekt Mauritius Carlen auf einer der Dachterrassen des Quartiers, die allen Bewohnern offen stehen. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)

Zu wuchtig, zu städtisch – hört man sich in der Bevölkerung um, so polarisiert der Mattenhof. In der Politik wird er teils gar als abschreckendes Beispiel für Stadtentwicklung genannt. Schmerzt Sie das als Architekt des Ensembles?

Mauritius Carlen: Das Projekt wurde über zehn Jahre zusammen mit vielen Fach- aber auch politischen Gremien erarbeitet und ist Teil der gesamten Entwicklung von Luzern-Süd. Die Dichte aber auch die Übergänge werden kontrovers diskutiert. Es geht dabei aber weniger um die Architektur, sondern um den Massstabssprung. Der Mattenhof ist der erste realisierte Baustein dieser Entwicklung in einer Grösse, die wir uns so nicht gewohnt sind.

Müssen wir uns daran gewöhnen?

Zur Allmend wird der Übergang so bleiben. Gerade mit der neuen Musikhochschule aber auch der geplanten Pilatusarena integriert sich der Mattenhof in die neue Stadtsilhouette. Diese Art von Übergang ist ein weit verbreitetes städtebauliches Element, welches in zahlreichen Städten weltweit zu finden ist. Eine Entwicklung wie Luzern-Süd aber hat es so in den letzten Jahren in unserer Region nicht gegeben und es ist daher etwas Aussergewöhnliches.

Warum aussergewöhnlich?

Bislang wuchsen die Orte hier entlang von Strassen, angrenzend an bestehende Quartiere. Bei Luzern-Süd handelt es sich aber um eine grössere zusammenhängende Entwicklung an der Peripherie. Davor haben die Leute Respekt.

Zur Peripherie passt: Steht man mitten im Mattenhof, hat man zwar ein Gefühl von Urbanität. Doch schon ein paar Schritte daneben ist man von Autogaragen und Gewerbebetrieben umgeben – wie soll da echtes Stadtfeeling aufkommen?

Die Transformation eines Quartiers braucht immer Zeit und Geduld. Entsprechend gibt es Schnittstellen, manchmal über Jahre.

Bedeutet dies auch, dass man als Architekt auf die Zähne beissen muss, wenn Mieter es mit Dekorieren zu gut meinen? Der Barockbrunnen in der Gartenwirtschaft eines Gastrobetriebs im Mattenhof etwa will nicht so recht zur strengen Optik des Platzes passen.

Damit muss man leben können. Als Architekt kreiert man Räume für verschiedene Nutzer, doch es sind nur Rahmenbedingungen. Wir befinden uns nicht in einem Museum, wo alles perfekt inszeniert ist. Letztlich zeigen solche Dekorationen eine gewisse Individualität – ob sie einem gefallen oder nicht.

Manche Soziologen sagen, viele Leute in der Agglo wollen gar keine Urbanität. Warum braucht es hier überhaupt ein Stück Stadt?

Die Frage ist, wie man Agglomeration definiert. Hier wird ein Gewerbegebiet in ein Stück Stadt transformiert, wo bisher kaum gewohnt wurde. Der Mattenhof ist nicht zuletzt ein Brückenpfeiler zwischen den Städten Luzern, Kriens und der Gemeinde Horw.

Blick von der Dachterrasse des Hauses Mattenhof 6 auf das neue Quartier. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)Blick von der Dachterrasse des Hauses Mattenhof 6 auf das neue Quartier. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
Der Brunnen auf dem Quartierplatz. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)Der Brunnen auf dem Quartierplatz. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
Hier gut zu sehen: Die Bürogeschosse heben sich optisch von den Wohngeschossen ab. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)Hier gut zu sehen: Die Bürogeschosse heben sich optisch von den Wohngeschossen ab. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
Der Mattenhof liegt direkt bei der Allmend. Das eingerüstete Hochhaus gehört zum Teilprojekt mit dem Namen Matteo. Es ist im Gegensatz zum Mattenhof selber nicht (mehr) in Besitz der Immobiliengesellschaft Mobimo, sondern der CSA Real Estate Switzerland. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)Der Mattenhof liegt direkt bei der Allmend. Das eingerüstete Hochhaus gehört zum Teilprojekt mit dem Namen Matteo. Es ist im Gegensatz zum Mattenhof selber nicht (mehr) in Besitz der Immobiliengesellschaft Mobimo, sondern der CSA Real Estate Switzerland. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
Blick in eine Musterwohnung im Hochhaus. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)Blick in eine Musterwohnung im Hochhaus. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
Im Erdgeschoss sind unter anderem Gastrobetriebe eingemietet – beispielsweise Jack's Cevap House . (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 29. August 2019)Im Erdgeschoss sind unter anderem Gastrobetriebe eingemietet – beispielsweise Jack's Cevap House . (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 29. August 2019)
Auch die Migros ist mittlerweile geöffnet. (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 29. August 2019)Auch die Migros ist mittlerweile geöffnet. (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 29. August 2019)
Blick in ein Zimmer des Hotels Holiday Inn Express. (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 8. Mai 2019)Blick in ein Zimmer des Hotels Holiday Inn Express. (Bild: Boris Bürgisser, Kriens 8. Mai 2019)
Der Asphalt im Quartier hat ein Geheimnis... (Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)Der Asphalt im Quartier hat ein Geheimnis... (Bild: Philipp Schmidli, Kriens 27. Juli 2019)
...wer sich am Boden betrachtet, erhält einen Heiligenschein. Dies sofern man sich in der Sonne befindet - oder eine künstliche Lichtquelle wie eine Handy-Taschenlampe nutzt. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)...wer sich am Boden betrachtet, erhält einen Heiligenschein. Dies sofern man sich in der Sonne befindet - oder eine künstliche Lichtquelle wie eine Handy-Taschenlampe nutzt. (Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)
10 Bilder

Ein Streifzug durch den neuen Krienser Mattenhof

Ihr Büro entwirft normalerweise einzelne Gebäude, beim Mattenhof nun erstmals ein ganzes Quartier – was ist anders?

Ein Grossteil der Aufgabe besteht darin, übergeordnete Strukturen zu entwerfen. Bei einem Einzelgebäude ist rasch klar, wo die einzelnen Elemente anzuordnen sind. Hier hingegen ist alles viel grösser und wegen der diversen Nutzungen komplexer. Das macht es dafür umso spannender. Alle Gebäude sind auf Grund der Nachhaltigkeit auf einem Grundraster aufgebaut, trotzdem hat jedes seinen eigenen Charakter.

Im Raum Zürich existieren bereits mehrere solcher neuen Stadtteile – etwa in Dietikon oder Schlieren. Für Laien sieht das alles ähnlich aus: Eine Ansammlung grosser, hoher, dicht aneinander gebauter Gebäude. Warum die Uniformität?

Wir befinden uns in einer bestimmten Epoche und entsprechend ist die Architektur vom Zeitgeist geprägt, wie man mit Raum und Formen umgeht. Abgesehen davon finde ich, dass sich die genannten neuen Stadtteile sehr wohl voneinander unterscheiden. Es gibt unterschiedliche Typologien von Häusern. In Dietikon etwa setzt man auf die Blockrandbebauung, in Schlieren hingegen führt eine Baum-Allee mitten durchs Quartier.

Wie machen Sie Skeptikern denn nun den Mattenhof schmackhaft?

Vielen kommen aufgrund der genannten Gründe mit einer vorsichtigen Haltung zum Mattenhof. Nach einem Besuch vor Ort sind Sie positiv überrascht. Sie merken, der neue Stadtteil lebt.

Aber nicht so sehr wie auf den Visualisierungen, wo ja das städtische Leben jeweils unglaublich pulsiert.

Wenn hier im Mattenhof alles vollvermietet sein wird, wage ich zu behaupten, dass mehr Leute unterwegs sein werden als auf den Visualisierungen. Dafür sorgen jetzt schon der kluge Mix aus Arbeitsplätzen – alleine 400 von der Swisscom –, Hotel, Restaurants, Läden und natürlich den Bewohnern.

Zur Person: Mauritius Carlen (geboren 1982) ist Partner bei Scheitlin Syfrig Architekten Luzern.

Eröffnungsfest am Samstag

Mit einem grossen Fest feiert die Arealeigentümerin Mobimo am Samstag von 10 bis 18 Uhr die Eröffnung des Mattenhofs. Unter anderem gibt es laut einer Medienmitteilung Gewinnspiele, ein Kinderparadies, Kulinarisches, einen Caipirinha-Workshop und vieles mehr. Von den 129 Wohnungen im Mattenhof sind aktuell 55 Prozent vermietet. In der benachbarten Matteo-Siedlung, die der Anlagegruppe CSA Real Estate Switzerland gehört, sind es 45 Prozent von 146 Wohnungen. Bei den kommerziellen Flächen beträgt der Vermietungsstand im Mattenhof 70 Prozent, in der Matteo-Siedlung 50 Prozent. Zu den Mietern, die bereits eröffnet haben, zählen beispielsweise das Hotel Holiday Inn Express mit 160 Zimmern, das Bergsportfachgeschäft Bächli, ein Migros-Supermarkt oder die Gastrobetriebe Nooch und Cevap House. (hor)

(Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)

(Bild: Pius Amrein, Kriens 10. September 2019)

Heiligenschein für jeden

Zu einem neuen Stück Stadt gehört auch ein Kunstwerk. Wer im Mattenhof allerdings eine Plastik sucht, wird nicht fündig. Denn das Kunstwerk ist nicht auf Anhieb zu sehen: «My Elastic Eye» heisst die Arbeit des Künstlers Raphael Hefti und ist dabei in die Strassen, Gassen und Plätze des neuen Quartiers eingelassen.

Konkret handelt es sich um mikroskopisch kleine Glasperlen, die auf einem speziell entwickelten Bodenbelag appliziert wurden. Normalerweise werden diese für die Strassenmarkierung verwendet, um die Leuchtkraft von Fussgängerstreifen oder Leitlinien zu intensivieren. In diesem Fall sorgen sie für einen holographischen Regenbogen, quasi einen Heiligenschein auf Kopfhöhe des Betrachters – und zwar dann, wenn man auf den Asphalt schaut. Voraussetzung ist allerdings eine Lichteinstrahlung – entweder natürlich durch die Sonne oder aber künstlich durch eine Handy-Taschenlampe oder den Fotoblitz. Spannendes Detail: Der Heiligenschein-Effekt ist immer nur für den Betrachter selber sichtbar – für allfällige Begleiter bleibt dieser verborgen.

Wer die Möglichkeit hat, in ein oberes Stockwerk der Siedlung zu gelangen, sieht auf dem Quartierplatz zudem die eigentliche Skulptur des Kunstwerks. Hierfür hat der 1978 geborene und in Zürich sowie London lebende Künstler die Glasperlen in konzentrischen Kreisbahnen angeordnet, welche sich über die ganze Fläche des Areals erstrecken. «Es ist ein sehr subtiles, wirklich wunderbares Werk, das sicher auch weniger kunstaffine Besucher erfreuen und erstaunen wird», so Marion Schihin, Sprecherin der verantwortlichen Immobiliengesellschaft Mobimo. (hor)

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