MATTENHOF: Wirbel um Zahl der Parkplätze

Die Gegner des Landverkaufs befürchten massiven Mehrverkehr durch die Grossüberbauung. Doch die Bauherrschaft will auf ÖV, Velos und Mietautos setzen.

Robert Knobel
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Auf dem Areal Mattenhof in Kriens ist eine grosse Überbauung geplant. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ (Archiv))

Auf dem Areal Mattenhof in Kriens ist eine grosse Überbauung geplant. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ (Archiv))

Im Krienser Mattenhof will die Immobilienfirma Mobimo AG eine Grossüberbauung mit Wohnungen, Büros, Läden, einem Hotel und eventuell sogar einem neuen Kantonsgericht realisieren. Zu diesem Zweck will die Firma ein Grundstück kaufen, das zurzeit der Stadt Luzern gehört. Über den Landverkauf wird am 30. November abgestimmt, da die Grünen dagegen das Referendum ergriffen haben. Die Grünen lehnen den Verkauf aus drei Gründen ab: Der Verkaufspreis von 3,3 Millionen Franken sei zu tief, zudem dürfe die Stadt das strategisch wichtige Grundstück nicht aus der Hand geben – und vor allem: Die geplante Grossüberbauung würde massiven Mehrverkehr verursachen. Doch genau bei diesem letzten Punkt gehen die Meinungen weit auseinander. Das Referendumskomitee schreibt, die Mobimo wolle im Mattenhof insgesamt 1200 Parkplätze realisieren. Tatsächlich schrieb der Luzerner Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation der Grünen vor einem Jahr, dass gemäss Gestaltungsplan 710 neue Parkplätze möglich seien – zusätzlich zu den 500 bereits bestehenden Parkplätzen in der benachbarten Sternmatt. Das ergibt zusammen also rund 1200 Parkplätze. Diese Zahl nennt das Referendumskomitee auch in seiner offiziellen Stellungnahme im aktuellen «Stadtmagazin» der Stadt Luzern.

«Auf die Hälfte reduziert»

Doch die Zahl ist inzwischen überholt. «Bei den 710 neuen Parkplätzen handelt es sich um die maximal mögliche Zahl gemäss Gestaltungsplan», sagt der Krienser Gemeindeammann Matthias Senn. Im Laufe der Planungen sei die Zahl inzwischen aber etwa auf die Hälfte reduziert worden. Das bestätigt Claudia Siegle, Projektleiterin Mattenhof bei der Mobimo AG. «Zu Beginn der Planungen wussten wir noch nicht genau, welche Nutzungen für die Überbauung vorgesehen ist.» Denn die Berechnung der nötigen Anzahl Parkplätze ist ziemlich komplex und abhängig von der geplanten Nutzungsart sowie der ÖV-Erschliessung. Und auch dort ist die Situation heute anders als vor ein paar Jahren. «Als wir mit den Planungen begannen, wurde die S-Bahn-Haltestelle Mattenhof bloss im Halbstundentakt bedient», sagt Siegle. Heute hält dort alle 15 Minuten ein Zug – das senkt die nötige Anzahl Parkplätze.

Förderung autoloser Haushalte

«Wir haben unser Verkehrskonzept überarbeitet mit dem Ziel, die Zahl der Parkplätze zu reduzieren», sagt Claudia Siegle. Im aktuellen Projekt sind noch 330 neue Parkplätze vorgesehen. Zusammen mit den bestehenden 500 im Parkhaus Sternmatt, das ebenfalls der Mobimo gehört, ergibt dies ein Total von 830 Parkplätzen für die Überbauung Sternmatt/Mattenhof. Das Mobilitätskonzept der Mobimo sieht zudem die Förderung autoloser Haushalte, einen Carsharing-Standort und einen Veloverleih vor. Und die Parkplätze sollen kostenpflichtig sein.

Marco Müller, Präsident der städtischen Grünen, sagt, dass die Reduktion der Parkplätze nicht freiwillig erfolgt sei, sondern dass der Kanton entsprechende Auflagen gemacht habe. Tatsächlich ist im Gestaltungsplan festgehalten, dass die endgültige Parkplatzzahl, «basierend auf der effektiven Nutzung, überprüft und gegebenenfalls reduziert wird».

Angst vor Verkehrskollaps

Doch für Marco Müller sind auch 830 Parkplätze «viel zu viel». Gerade weil das Gebiet vom ÖV gut erschlossen sei, brauche es nicht so viele Parkplätze. Er verweist zudem auf eine Stellungnahme des Stadtrats Anfang Jahr zur gesamten Entwicklung im Gebiet Luzern Süd. Der Stadtrat äussert darin seine Sorge, dass das bestehende Strassennetz schon heute seine Leistungsgrenze erreicht habe. Werde in Luzern Süd noch mehr gebaut, müsse mit noch mehr Stau gerechnet werden. Auch Marco Müller sagt: «Irgendwann kollabiert der Verkehr dort.» Müller weist auch darauf hin, dass die Überbauung Mattenhof längst nicht das einzige Grossprojekt in dem Gebiet sei. «In unmittelbarer Nähe werden die Projekte Schweighofpark, alter Pilatusmarkt und Hinter Schlund realisiert, und irgendwann wird wohl auch die zweite städtische Parzelle, Mattenhof II, überbaut.»

Sagen die Stadtluzerner am 30. November Ja zum Landverkauf, will die Mobimo umgehend das Baugesuch bei der Gemeinde Kriens einreichen – und dieses Baugesuch werde 330 neue Parkplätze umfassen, wie Claudia Siegle betont.