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MATURANDENPORTRÄT: Er fordert sich täglich selbst heraus

Benjamin Imhof vom Gymnasium St. Klemens beschäftigt sich für seine Maturaarbeit mit der Frage, wie wir friedlich zusammenleben können. Er konzentriert sich dabei auf die Umsetzung von Freiheit und Verantwortung im Alltag.
Hat Prinzipien und bleibt ihnen treu: Benjamin Imhof. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 14. Juni 2017)

Hat Prinzipien und bleibt ihnen treu: Benjamin Imhof. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 14. Juni 2017)

«Verantwortung, der Schatten der Freiheit» – so lautet der Titel von Benjamin Imhofs Maturaarbeit. Keine leichte Kost. «Ich interessiere mich für gesellschaftliche Themen. Frage mich, warum gewisse Dinge – aus meiner Sicht – schieflaufen? Warum Menschen nicht einfach friedlich und zufrieden zusammenleben können?», erklärt der 20-Jährige.

Auch sein Umfeld ist engagiert: Benjamin Imhofs älterer Bruder ist etwa politisch aktiv. «Das ist, zurzeit jedenfalls, nicht mein Weg. Ich traue der Politik nicht so ganz und hätte auch Angst, nicht mich selber sein zu können», erklärt er. Der Horwer beschäftigt sich mit diesen Fragen lieber auf einer philosophischen und persönlichen Ebene: «Ich boykottiere Nestlé, trinke kein Wasser aus der Flasche, fliege nicht und lebe vegetarisch.»

«Mein Lebensstil hat sich verändert»

In seiner Arbeit hat Benjamin Imhof sich mit den Ansichten von Jean-Paul Sartre und Hanna Arendt zu Freiheit und Verantwortung auseinandergesetzt. Doch geht es ihm nebst Gedankenspinnereien vor allem auch darum, wie Freiheit und Verantwortung im Alltag umgesetzt werden. «Mein Lebensstil hat sich verändert. Mir wurde klar: Ich bin sehr frei. Und somit auch sehr verantwortlich. Einerseits gegenüber mir selber. Aber auch gegenüber dem Rest der Welt», betont der Maturand vom Gymnasium St. Klemens in Ebikon. Die Verantwortung gerade gegenüber den anderen Menschen ist ihm wichtig. «Ich gebe mir Mühe, jedem Menschen immer wieder aufs Neue eine Chance zu geben. Auch wenn ich jemanden erst nicht mag, kann es sein, dass ich und das Gegenüber sich verändern. Meine Denkweise im Umgang mit anderen hat sich verändert», erzählt Benjamin Imhof.

Jetzt ist die Matura durch. Ist der 20-Jährige jetzt freier? «Freier bin ich nicht. Die Situation und Umstände ändern sich, nicht die Freiheit. Ich habe mehr Entscheidungsmöglichkeiten, über die ich zu urteilen habe», betont er. Eine Entscheidung, die nach der Matura ansteht, ist: Wie geht es weiter? «Jetzt kommt erst mal der Zivildienst», sagt Benjamin Imhof. Er scheint fast erleichtert, dass er sich noch nicht für ein Studium entscheiden muss.

Erwartungen an seine Mitschüler

Nicht einfach zu tun, was von einem gesellschaftlich erwartet wird, sondern sich selber zu überlegen, was man will, das wünscht sich Benjamin Imhof von seinen Mitmenschen, gerade auch von seinen Mitschülern: «Wenn jemand in die Kanti geht, aber eigentlich keine Lust auf Schule hat, dann frage ich mich schon: Warum tust du das?» Obwohl auch er manchmal ganz bewusst einfach nur tut, was man von ihm erwartet. «Wenn ich heute wählen müsste, würde ich Mathematik und Philosophie studieren», sagt Imhof und erklärt: «Nicht, weil ich ein konkretes Berufsziel habe, sondern weil es mir Spass machen und mich menschlich weiterbringen würde. Beruflich könnte ich mir jetzt grad Lehrer vorstellen.» In seiner Freizeit spielt Imhof gerne Ultimate Frisbee und ist zudem Jungschar-Leiter.

Doch ob aus Benjamin Imhof dereinst tatsächlich ein Seklehrer wird, ist heute noch ungewiss. «Ich weiss nicht, wo ich in einem Jahr bin. Veränderungen akzeptieren und das Neue als positiv sehen, das möchte ich», erklärt der 20-Jährige selbstbewusst.

Natalie Ehrenzweig

kanton@luzernerzeitung.ch

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