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MATURANDENPORTRÄT: Mittendrin statt nur dabei

Samuel Zbinden von der Kantonsschule Sursee bleibt bei den eingeführten Sparmassnahmen im Bildungsbereich nicht still. Um ein Zeichen zu setzen, hat er schon Tausende Schüler mobilisiert.
Weiss, wie man die Massen mobilisiert: Samuel Zbinden. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 19. Juni 2017)

Weiss, wie man die Massen mobilisiert: Samuel Zbinden. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 19. Juni 2017)

Eigentlich gilt Samuel Zbindens erste Liebe der Musik. Deshalb hat der heute 18-Jährige sie auch zu seinem Schwerpunktfach an der Kantonsschule Sursee gemacht. Zbinden ist jedoch auch ein Kind seiner Zeit. Und in seiner Zeit an der Kantonsschule fielen Ereignisse, die den Schüler Zbinden zunehmend politisierten. Konkret: die finanzielle Schieflage der Kantonsfinanzen und die damit verbundenen Sparpakete. «Seit meinem ersten Jahr an der Kanti kamen jedes Jahr neue Sparmassnahmen hinzu», sagt Zbinden rückblickend. «Es war jedes Jahr das gleiche: Dort wird ein Angebot gestrichen, da ein Wahlfach nicht mehr unterrichtet. Vergangenes Jahr kamen dann auch noch die sogenannten Zwangsferien hinzu.»

Für Samuel Zbinden wurde zunehmend klar, dass er nicht mehr passiv sein konnte: «Ich hatte das Glück, dass Serafin Curti ebenfalls die Kanti Sursee besuchte.» Curti ist Präsident des Verbandes der Luzerner Schülerorganisationen (VLSO). So wird Zbinden ebenfalls im Verband aktiv. Dieser sorgte vergangenen April schweizweit für Schlagzeilen, als er einen Protest gegen die Sparpolitik des Kantons organisierte. Rund 1000 Schüler fanden sich damals vor dem Regierungsgebäude zu Demo und Kundgebung ein.

Mobilisierung bis in einzelne Klassen

Auch in Zürich, Basel, Aarau und Genf fanden im Laufe des 5. April Kundgebungen statt. Als Leiter der Arbeitsgruppe, welche die Demonstration plante und umsetzte, war Samuel Zbinden nicht nur dabei, sondern mittendrin. «Es bedeutet vor allem auch viel Mobilisierungsarbeit», sagt er rückblickend. «Wir mussten die Leute auf die Strasse bringen – dafür klapperten wir allein an der Kanti Sursee jede einzelne Klasse ab.» Das Ziel von 1000 Schülern wurde erreicht, das breite mediale Echo auf die Demonstration überraschte aber auch Samuel Zbinden: «Es war schon erstaunlich, dass auf allen Kanälen darüber berichtet wurde.»

Zur breiten Aufmerksamkeit, welche die Demo generierte, trug nicht zuletzt dessen Motto «#KeLoscht» bei. Mit diesem Hashtag twitterten Teilnehmer über den Protest in Luzern wie auch über die Kundgebungen in den anderen Städten. Der Hashtag lief an diesem Tag heiss. Er ist eine Anlehnung an den bekannten TV-Auftritt von Bundesrat Ueli Murer. Dieser reagierte bei den Bundesratswahlen 2015 auf die Anfrage eines SRF-Journalisten für ein Interview mit den Worten: «Näi, kä Luscht.» Für Zbinden und seine Mitschüler drückte der Satz ihre Gefühle gegenüber den Sparmassnahmen bei der Bildung perfekt aus.

Langfristige Wirkung angestrebt

Hashtags in Ehren hofft Samuel Zbinden jedoch, dass der von ihm mitorganisierte Protest eine dauerhaftere Wirkung hat. «Allen, die den Protest organisierten, ist bewusst, dass die Aktion allein keinen Einfluss auf das Handeln der Regierung haben wird», sagt Zbinden. «Hoffentlich aber machte es eine ganze Generation von Schülern und auch deren Eltern und Grosseltern auf die Problematik des Abbaus bei der Bildung aufmerksam.» Zuversichtlich stimmt ihn, dass am Protest auch viele jüngere Schüler aus tieferen Klassen am Protest teilnahmen.

Zbinden wird nun seinen achtmonatigen Zivildienst antreten und in dieser Zeit auch seine Zukunft weiterplanen: «Es könnte in Richtung Sozialwissenschaften gehen – oder auch in Richtung Medien oder Politik.» Passiv bleibt er jedenfalls mit Bestimmtheit nicht.

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

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