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«Der Fluch auf der Schrattenalp»: Entlebucher Maturandin schreibt eine Kurzoper

Selina Wyrsch aus Schüpfheim hat als Maturaarbeit eine Kurzoper über eine Entlebucher Sage komponiert – am Freitag kommt es zur Doppelaufführung. Die 21-jährige Kantonsschülerin spricht über ihr Werk, Habgier und die Leidenschaft zur Musik.
Stephan Santschi
Die Maturandin Selina Wyrsch bei der Probe zu ihrer Kurzoper «Der Fluch auf der Schrattenalp». Bild: Philipp Schmidli (Schüpfheim, 18. September 2018)

Die Maturandin Selina Wyrsch bei der Probe zu ihrer Kurzoper «Der Fluch auf der Schrattenalp». Bild: Philipp Schmidli (Schüpfheim, 18. September 2018)

Selina Wyrsch, sind Ihnen Geld und Schmuck das Wichtigste?

Selina Wyrsch: (lacht). Nein, mir sind andere Dinge wichtiger, wie etwa die Familie oder die Musik.

In Ihrer Kurzoper «Der Fluch auf der Schrattenalp» singen Sie als Sopran die Rolle der Sennentochter Rösi, für die materieller Besitz über allem steht. Was halten Sie von ihr?

Sie ist Teil einer Sage, die von positiven und negativen Personen geprägt wird – das macht die Geschichte spannend und interessant. Aus meinen Auftritten in Musicals und Theatern bin ich es gewohnt, in andere Rollen zu schlüpfen. Rösi zu interpretieren, ist nicht sehr schwierig, weil wir die Oper als Konzert ohne Inszenierung aufführen.

Es gibt verschiedene Entlebucher Sagen. Weshalb haben Sie sich für diese entschieden?

Sie liefert eine Erklärung für die Furchen auf der Schrattenalp und hat mich schon als Kind fasziniert. Es ist nicht so, dass uns die Eltern solche Sagen vor dem Einschlafen erzählt hätten; doch in der Primarschule haben wir ab und zu eine gelesen oder uns wurde eine vorgetragen. Als ich eines Tages mit meinem Hund spazieren ging und an die schönen Berge um mich herum hinaufschaute, wusste ich, dass ich unsere Landschaft zum Thema meiner Maturaarbeit machen will.

Weshalb eine Kurzoper?

Weil ich sehr musikinteressiert bin. An der Kantonsschule Schüpfheim besuche ich die Talentklasse Musik im Gymnasium Plus. Ich komponiere sehr gerne, habe für eine Kollegin auch schon ein Geburtstagslied erstellt.

«Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt, weil man an einer solchen Oper jahrelang arbeiten könnte.»

Wie haben Sie den «Fluch auf der Schrattenalp» verarbeitet?

Da es eine grosse Arbeit ist, glaubte ich zunächst, nicht viel komponieren zu können, drei Lieder vielleicht. Nun sind es acht geworden (lächelt). Ich bin im Verlauf immer zu mehr inspiriert worden. Nach einer Ouvertüre werden die Figuren Rösi, Jost, Hannes und der Knecht vertont, auch der Teufel hat seinen grossen Auftritt. Zwischendurch trägt Richard Portmann die ganze Sage in Erzählform vor, unverändert, so wie sie überliefert ist. Die Musik ist von mir, die Melodien widerspiegeln meine Art.

Wie gelangen Sie zu den Melodien?

Gewisse habe ich plötzlich in meinem Kopf, auf dem Schulweg oder während eines Spaziergangs zum Beispiel. Dann singe ich die Melodie und nehme sie auf mein Handy auf, oder ich schreibe sie in mein Musikbüchlein. Für andere Arien habe ich keine konkrete Idee, dann wird es schwieriger, dann habe ich nicht auf Knopfdruck das, was mir gefällt. Für den Hannes beispielsweise war ich erst mit der dritten Komposition zufrieden. Ich habe viel Material, dass ich für diese Aufführung gar nicht verwende.

Wie lange haben Sie sich mit dieser Kurzoper beschäftigt?

Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt, weil man an einer solchen Oper jahrelang arbeiten könnte. Ich begann im letzten November zu komponieren. Es folgte die Auswahl der Interpreten, die ich unter meinen Schulkollegen in Schüpfheim, an der Musikhochschule in Luzern oder bei Freunden von Freunden fand. Achtmal haben wir geprobt, am letzten Dienstag erstmals mit Erzähler Richard Portmann. Alle haben sich toll eingebracht, es macht riesig Spass. Erfreulicherweise gab es für den Freitag sehr viele Anmeldungen, deshalb machen wir an diesem Abend gleich noch eine zweite Aufführung.

Eine Oper als Maturaarbeit – sind Sie ein Musikgenie?

(lacht). Nein, Genie würde ich nicht sagen. Die Musik ist meine grosse Leidenschaft, die Arbeit an einer Oper ist kein Muss, sondern eine grosse Freude. Es braucht Talent und viel Übung.

Wie sieht Ihre Zukunft nach der Matura aus?

Ich werde im Frühling die Aufnahmeprüfung für die Musikhochschule in Luzern machen. Ich möchte Klassik studieren und möglicherweise auch Komposition miteinbeziehen. Ich war früh im Kinderchor, nehme seit der vierten Primarklasse Gesangsunterricht und spiele Klavier. Für mich war schon als Kind klar, dass ich Gesangslehrerin werden will.

Muss ein Mann, der um Ihre Gunst buhlt, den Schibengütsch hinaufklettern, wie es Rösi verlangt?

(lacht). Nein, nein. Ich lege mehr Wert auf den Charakter, auf einen Mann, mit dem ich mich gut verstehe, der meine Leidenschaft akzeptiert und sie mit mir teilt.

Die Sage: Erbstreit lockt Teufel herbei

«Der Fluch auf der Schrattenalp» ist eine Entlebucher Sage. Dort, wo einst eine schöne Wiese lag, befinden sich heute nur noch Steinfurchen, die durch die Krallen des Teufels entstanden sein sollen. Auslöser: ein Erbstreit zweier Brüder, wovon der eine blind (Jost) und der andere habgierig (Hannes) war.

Hannes überliess nach dem Tod der Eltern Jost die kargen Stellen der Wiese und beanspruchte für sich selber die saftigen. Auch verschob er regelmässig die Grenzmarken zu seinen Gunsten. Rösi, Hannes’ Tochter, war so raffsüchtig wie ihr Vater und liess um sie buhlende Männer als Liebesbeweis den Schibengütsch hinaufklettern, von wo sie zu Tode stürzten.

Eines Tages erfährt Jost von den Machenschaften seines Bruders,und stellt ihn zur Rede. Hannes aber entgegnet nur: «Der Teufel soll kommen, wenn ich Dich nur einmal beschissen habe.» Daraufhin erscheint der Beelzebub tatsächlich, versenkt Hannes und Rösi in einer tiefen Höhle und reisst Wiese und Erde von der Schrattenfluh bei Sörenberg. (ss)

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