Mauritiusheim
Besondere Aktion: In Schötz wurde ein Gebäude um 27 Meter verschoben

Für die Erneuerung des Alters- und Pflegeheims Mauritiusheim wurde ein Gebäudeteil auf eine 27 Meter lange Reise geschickt. Es sei die erträglichste Variante für die Bewohnerinnen und Bewohner – und die kostengünstigste.

Fabienne Mühlemann
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Es ist eine Aktion mit Seltenheitswert in der Region: Für die Erneuerung des Mauritiusheims ist der neuere Gebäudeteil des Alters- und Pflegeheims dorfwärts um 27 Meter verschoben worden, um einem Neubau Platz zu machen. Wenn dieser fertig ist, wird das verschobene Gebäude abgerissen, so der Plan.

Auf Verschiebbahnen geht das Gebäude auf eine 27 Meter lange Reise.
12 Bilder
Hier ist bereits etwas mehr als die Hälfte geschafft.
Rollen auf den Verschiebbahnen.
Mehrere Hydraulikpressen schieben das 2450 tonnenschwere Gebäude um rund fünf Meter pro Stunde vorwärts.
Das Gebäude wurde vom anderen Gebäudeteil getrennt.
Drohnenaufnahmen der Gebäudeverschiebung
Drohnenaufnahmen der Gebäudeverschiebung
Drohnenaufnahmen der Gebäudeverschiebung
Drohnenaufnahmen der Gebäudeverschiebung
Die Vorbereitungen dauerten rund 4 Monate.
Die Verschiebung dauert rund sieben Stunden.

Auf Verschiebbahnen geht das Gebäude auf eine 27 Meter lange Reise.

Bild: Dominik Wunderli (Schötz, 03. Februar 2021)

Das Spezielle daran: Während der Verschiebung, die am Mittwoch um 9 Uhr gestartet war, kamen die Bewohnerinnen und Bewohner im anderen Trakt unter und konnten aus dem Fenster des Essraums beobachten, wie ihr Heim rund fünf Meter pro Stunde vorwärtsgeschoben wurde. Um 14 Uhr befand sich das Gebäude tatsächlich auf der anderen Seite. Sanitär und Elektriker schlossen dann noch die Leitungen an. Und nach dem Znacht konnten die Bewohnenden wieder in ihre Zimmer zurück – als ob sich nichts geändert hätte.

Stefan Wülser

Stefan Wülser

Bild: Dominik Wunderli

Zum Hintergrund: Im September 2017 hatten sich die Stimmbürger dafür ausgesprochen, dass das Pflegeheim am Standort im Gebiet Biffig bleiben und nicht ins Dorf zügeln soll. Denn beim Heim besteht ein hoher Sanierungsbedarf. Daraufhin hat der Verwaltungsrat verschiedene Varianten geprüft, wie die Erneuerung vonstattengehen soll. «Wir haben bei der Entscheidung insbesondere auf die Bewohnenden, die Mitarbeitenden und die Kosten geachtet», erklärt Stefan Wülser, Geschäftsführer des Mauritiusheims, vor Ort. Er sei stolz, aber auch etwas nervös, gab er um die Mittagszeit zu. «Es läuft richtig gut, doch natürlich ist auch eine gewisse Anspannung da», so Wülser.

Zeitraffer der Verschiebung

Quelle: PilatusToday

Kosten belaufen sich auf 31 Millionen Franken

Ähnlich ging es auch Verwaltungsrätin Ruth Bachmann. Doch sie ist überzeugt, dass die Verschiebung die richtige Lösung war. «Die Variante kommt den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner am nächsten. Sie müssen nicht in ein Wohnmodul oder an einen anderen Standort zügeln, sondern können während der ganzen Bauphase in ihrer angestammten Umgebung bleiben. So haben sie es sich in verschiedenen Umfragen immer wieder gewünscht», so Bachmann.

Ruth Bachmann

Ruth Bachmann

Bild: PD

Auch den Mitarbeitenden biete diese Variante Vorteile. So müssen sie nicht mit anderen Arbeitswegen rechnen, sondern können ihren jetzigen Platz im gewohnten Umfeld behalten. Tatsächlich sei die Verschiebung auch die kostengünstigste Variante. Die Kosten des Gesamtprojektes belaufen sich auf 31 Millionen Franken, davon macht die Verschiebung 1,9 Millionen Franken aus.

Blick von oben auf die Verschiebung des Gebäudes.

Blick von oben auf die Verschiebung des Gebäudes.

Bild: PD

Für die Gebäudeverschiebung war die Firma Iten AG aus Oberägeri zuständig. Das Unternehmen hat bereits Industriegebäude, Brücken, Bahnhöfe, Kirchen und Wohngebäude erfolgreich von A nach B gerückt. So zum Beispiel ein Backsteinhaus in Oerlikon im Jahr 2012 oder auch das alte Tramhüsli in Emmenbrücke.

Für die Verschiebung in Schötz wurde das Bauwerk innert vier Monaten auf ein tonnenschweres Gerüst aus Stahlträgern montiert und auf Rollen und Verschubbahnen gestellt. Überall, wo es nötig war, wurden kräftige Holzstämme installiert, welche die Statik unterstützten. Mehrere Hydraulikpressen schoben dann am Mittwoch das 2450 Tonnen schwere Gebäude auf den Verschubbahnen vorwärts.

Hydraulikpressen schieben das Gebäude vorwärts.

Hydraulikpressen schieben das Gebäude vorwärts.

Bild: Dominik Wunderli (Schötz, 3. Februar 2021)

Bauvorhaben soll im Winter 2023 abgeschlossen sein

Geschäftsführer der Iten AG, Kurt Brülhart, war ebenfalls vor Ort und sichtlich stolz über das Geschaffte. «Die grosse Herausforderung war insbesondere die Vorbereitung, welche mit vier Monaten eher kurz ausfiel. Während wir unten gebuddelt und laute Fräsarbeiten durchgeführt haben, lebten die Bewohnenden oben im Heim normal weiter.» Auch Ruth Bachmann gibt zu, dass sie Sorgen hatte, dass die Vorbereitungsarbeiten für die Bewohnenden zu laut und zu mühsam ausfallen werden.

«Doch erstaunlicherweise waren es die Bewohnenden gewesen, welche den Mitarbeitenden immer wieder Mut gemacht haben und ihnen gut zugesprochen haben. Das war sensationell.»

Und wie geht es nun weiter? «In den nächsten Tagen wird mit dem Bau des neuen Trakts begonnen», so Bachmann. Ist das neue Pflegezentrum bezogen, erfolgt als letzte Etappe der Umbau des ältesten Altersheimteils, in welchem 14 Wohnungen mit Assistenz eingerichtet werden. Dieser darf nämlich aus baurechtlichen Gründen nicht abgerissen werden.

Das ganze Bauvorhaben soll im Winter 2023 abgeschlossen sein. Der Neubau wird 60 pflegebedürftigen Personen ein neues Zuhause bieten. Zusätzlich entsteht ein öffentliches Bistro. Und die Spitex wird zusammen mit dem Altersheim eine integrierte Gesundheitsversorgung für die ganze Region anbieten.