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Mäuse sorgen für grosse Ertragsausfälle

Die kritische Schwelle von 40 Mäusen pro Hektare wird im Kanton Luzern vielerorts massiv überschritten. Massnahmen wie Fallen sind kaum rentabel – hingegen hilft ein putziges Tierchen.
Susanne Balli
Ein Wiesel (Bild) frisst pro Tag ein bis zwei Mäuse. (Bild: Getty)

Ein Wiesel (Bild) frisst pro Tag ein bis zwei Mäuse. (Bild: Getty)

Schweizer Landwirte leiden unter einer Mäuseplage. Heuer ist die Situation besonders angespannt – auch im Kanton Luzern. «In vielen Wiesen wird die kritische Schwelle von 40 Wühlmäusen pro Hektare überschritten», sagt Heinrich Hebeisen, landwirtschaftlicher Berater am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. Allein die zahlreichen Erdhaufen, die zu Beginn des Frühjahrs sichtbar waren, hätten darauf hingedeutet. «Die einzelnen Mäusekolonien sind vielfach kaum mehr voneinander abgrenzbar.»

Grund für die Mäuseplage ist laut Hebeisen das schöne Frühjahr und der schöne Herbst des vergangenen Jahres. Dabei konnten sich die Wühlmäuse durch ein bis zwei zusätzliche Würfe stark vermehren.

Stefan Heller, Geschäftsführer Luzernern Bäuerinnen- und Bauernverband, sagt: «Bei den Mäusepopulationen gibt es zwar von Jahr zu Jahr natürliche Schwankungen. Wir stellen aber fest, dass die Peaks immer näher beieinanderliegen.» Das heisst, die Jahre mit grossen Mäusepopulationen liegen immer enger beieinander. Heller vermutet, dass die Ursache dafür in den milden Wintern liegt. Dabei könnten sich die Mäuse besser vermehren, die Verluste seien tiefer.

Malters: über 300 Mäuse pro Hektare

Die Grössen der Populationen können sich von Ort zu Ort stark unterscheiden. Laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID weisen schweizweit rund 80 Prozent der besuchten Schermausradar-Standorte mehr Mäuse auf als im letzten Jahr. Im Gebiet Luzerner- und Zuger Mittelland sind die Populationen an praktisch allen überwachten Standorten angestiegen und liegen mit einer Ausnahme über der kritischen Schwelle von 40 Mäusen pro Hektare. Dies zeigt der sogenannte Mäuseradar der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF), die langjährige und systematische Erhebungen zu den Mäusepopulationen macht. In Malters wurden im März 2018 über 300 Mäuse pro Hektare gemessen. In Cham waren es zirka 240 Mäuse, in Retschwil (Gemeinde Hitzkirch) leben knapp 200 Mäuse pro Hektare im Boden, in Alberswil zirka 125 und in Eschenbach (LU) knapp 40 Mäuse pro Hektare.

Die kleinen Nager fressen täglich etwa so viele Wurzeln, wie sie selber wiegen. Die Folgen sind zum Teil gravierend. «Es muss im Luzerner- und Zuger Mittelland mit grossen Flurschäden gerechnet werden», heisst es auf der Website des AGFF. Das heisst, es kommt zu Lücken im Pflanzenbestand, Ertragseinbussen, zu schlechterer Futterqualität und aufgrund der Erdhaufen zu erhöhtem Maschinenverschleiss. Heinrich Hebeisen vom BBZN sagt: «Im Wiesland bewegen sich die finanziellen Schäden durch Wühlmäuse wegen Ertragseinbussen und Massnahmen je nach Befallsstärke zwischen 110 und 1890 Franken pro Hektare. Sehr grosse Mäuseschäden oder gar einen Totalausfall gibt es bei über 200 Mäusen pro Hektare.» Das ist dann der Fall, wenn die Wiese zu rund der Hälfte mit Mäusehaufen bedeckt ist. Die Fläche muss dann neu angesät werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Mäuseschäden im Wiesland für Laien nicht mehr zu erkennen. Es ist buchstäblich wieder Gras darüber gewachsen – allerdings nicht mehr in derselben Qualität wie zuvor.

Im Ackerbau kommt es vor allem bei Raps und Kartoffeln zu Schäden und Lücken. Die Mäuse setzen aber auch Spezialkulturen zu. Vor allem Jungbäume sind gefährdet, da die Mäuse die Wurzeln fressen und die Bäume zum Teil ganz absterben und ersetzt werden müssen.

Hermelin und Mauswiesel fressen haufenweise Mäuse

Landwirte können den Mäusen mit unterschiedlichen Methoden zu Leibe rücken. Zum Beispiel durch Mausefallen, mit dem Einsatz von Benzinvergas-Apparaten oder durch das Aufstellen von engmaschigen Zäunen, die das Einwandern der Nager von benachbarten Feldern verhindern sollen. Allerdings: Solche Massnahmen sind zeitintensiv und ab einer Dichte von 40 Mäusen pro Hektare kaum rentabel. «Massnahmen können zur Zeit nur in Spezialkulturen empfohlen werden. In Wiesen beschränkt man sich in diesem Jahr vor allem auf Wiesensanierungsmassnahmen», sagt Hebeisen. Eine weitere Massnahme im Kampf gegen die Mäuse ist die Förderung natürlicher Feinde. Dazu gehören unter anderen Hermelin und Mauswiesel. Gemäss einem Bericht der NZZ setzen immer mehr Landwirte auf diese natürlichen Beutegreifer. Denn ein Wiesel frisst im Durchschnitt ein bis zwei Mäuse pro Tag. Damit bringt es ein weibliches Tier mit sechs Jungen auf zirka 100 Mäuse pro Woche.

Gefragt sind Hecken, Holzbeigen und Steinhaufen

Die putzigen Tierchen finden allerdings häufig keine geeigneten Lebensräume mehr. Dem will Win, eine Stiftung zur Förderung von Kleinkarnivoren, entgegenwirken. Seit 2012 fördert die Stiftung mit dem Projekt «Wiesellandschaft Schweiz» die Wieselpopulationen in elf regionalen Förderprojekten. So auch im Kanton Luzern. Laut Cristina Boschi, Geschäftsführerin der Stiftung Win Wieselnetz, ist das Wieselförderprojekt im Seetal zurzeit abgeschlossen. Das Projekt im Pfaffern-, Rot- und Wiggertal (AG, BE, LU) läuft weiter. Dabei geht es darum, den Wieseln geeignete und sichere Unterschlüpfe zur Aufzucht der Jungtiere zu bieten. «In erster Linie werden Kleinstrukturen angelegt, zum Beispiel Ast- oder Steinhaufen und Holzbeigen, aber auch einzelne Hecken, Gebüschgruppen oder Altgrasstreifen», erklärt Cristina Boschi. Insgesamt wurden im Rahmen des Win-Wieselnetz-Projekts seit 2012 schweizweit bereits mehrere hundert Massnahmen zur Förderung dieser natürlichen Mäusefeinde realisiert.

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