Maximilian Janisch (15): «Bis jetzt war alles sehr angenehm an der Uni»

Mitte September ist Maximilian Janisch aus Meierskappel mit seinem Mathematik- und Informatikstudium in Zürich gestartet. Macht er in diesem Tempo weiter, eilt der 15-Jährige einem Rekord entgegen.

Larissa Haas
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Maximilian Janisch auf dem Campus Irchel der Uni Zürich. Im Hintergrund ist das Gebäude Y27 zu sehen, in dem Mathematik unterrichtet wird. (Bild: Roger Grütter (Zürich, 4. Oktober 2018))

Maximilian Janisch auf dem Campus Irchel der Uni Zürich. Im Hintergrund ist das Gebäude Y27 zu sehen, in dem Mathematik unterrichtet wird. (Bild: Roger Grütter (Zürich, 4. Oktober 2018))

Andere in seinem Alter sind gerade auf Lehrstellensuche oder starten allmählich mit den Vorbereitungen für die Maturaprüfung. Er will nächstes Jahr einen Bachelorabschluss erlangen und liebäugelt bereits mit dem Doktortitel: Maximilian «Maxi» Janisch, 15 Jahre alt, aus Meierskappel. Mitte September hat er sein Mathematik- und Informatikstudium an der Universität Zürich begonnen.

Vor etwa sechs Jahren ging die Geschichte von «Wunderkind» Maximilian durch die nationalen und internationalen Medien. Sein Vater Thomas Drisch, einstiger Professor für Mathematik, kämpfte zunächst vergeblich dafür, dass sein Sohn an einer Schweizer Hochschule zum Mathematikstudium zugelassen wird. In der Primarschule habe sich Maximilian immer gelangweilt, sagt Drisch. Man hätte ihn nicht seinen Fähigkeiten entsprechend fördern können. «Wie denn? Maximilian hätte in Mathe eher die Lehrpersonen unterrichten müssen», erinnert sich Drisch in einer Dokumentation über das Leben seines Sohnes.

Renommierter Mathematiker als Mentor

Deshalb hat Maximilian seine Schulzeit im Raketentempo absolviert: Nach drei Jahren an der Primarschule, kam er ans Gymnasium und nahm ein Jahr später an der Maturaprüfung in Mathematik teil – und schloss mit «Bestnoten» ab. Den Zugang zur ETH Zürich blieb ihm aber dennoch verwehrt. Die Universität Zürich bot ihm daraufhin ein auf ihn zugeschnittenes Förderprogramm an. Professor Camillo De Lellis, ein renommierter italienischer Mathematiker, der im Schulalter ebenfalls als mathematisches Wunderkind galt, wurde zu seinem Mentor. Der zehnjährige Maximilian pendelte daraufhin wöchentlich zu ihm nach Zürich, absolvierte parallel dazu ein Mathematik-Studium an der Universität Perpignan in Südfrankreich.

Nun darf das Mathe-Talent offiziell in den Schweizer Vorlesungssälen Platz nehmen. Die Studierenden aber, die links und rechts von ihm sitzen, sind in der Regel mindestens fünf Jahre älter als er. Maximilian ist dies egal. Und überhaupt, der Altersunterschied auf dem Campus sei nicht mehr so frappant wie damals, am Gymnasium, als er noch ein kleiner Junge unter lauter Pubertierenden war. Heute falle er auf dem Campus nicht mehr auf, sagt Maximilian.

Nicht nur kognitiv, auch rhetorisch ist der Fünfzehnjährige gewitzt. Seine Wortwahl und seine Art, Fragen zu beantworten, zeigen, dass er, verglichen mit Gleichaltrigen, einen gewaltigen Schritt voraus ist. Statt die Zeit mit anderem zu verplempern, hüpft er in seiner akademischen Karriere vom einen Meilenstein zum nächsten. So möchte er seinen Bachelor in Mathematik und Informatik an der Uni Zürich gerade einmal innerhalb eines Jahres absolvieren – das sind rund vier Semester weniger als bei seinen Mitstudierenden. Maximilian aber sieht dies gelassen: «Ich kann mir von meinem vorherigen Studium noch einige Vorlesungen anrechnen lassen. Es wäre deshalb seltsam, wenn ich länger daran arbeiten müsste.»

«Chaotische Anordnung der Gebäudekomplexe»: Maximilian Janisch in einem Gebäude des Campus Irchel. (Bild: Roger Grütter (Zürich, 4. Oktober 2018))

«Chaotische Anordnung der Gebäudekomplexe»: Maximilian Janisch in einem Gebäude des Campus Irchel. (Bild: Roger Grütter (Zürich, 4. Oktober 2018))

Im Vorlesungssaal mit Fünfsemestrigen

Nun pendelt Maximilian während vier Tagen von Meierskappel nach Zürich. Redet man mit ihm über sein Leben in der Schweizer Grossstadt, gleichen Frage und Antwort einem Ping-Pong-Spiel: «Wie hast du dich mittlerweile eingelebt?» «Sehr gut, ich habe mich darauf gefreut.» «Wie hast du dir das Studium vorgestellt?» «Genau so, wie es jetzt ist.» «Was hat dich überrascht?» «Eigentlich nichts.» «Und was hat dich überfordert?» «Bis jetzt war alles sehr angenehm.» «Arbeitsaufwand?» «Ist zu verkraften.»

«Hier löse ich mit Abstand die schwierigsten Aufgaben dieses Semesters. Mit solchen Sachverhalten habe ich mich bisher noch nicht befasst.»

Redet man mit Maximilian aber über den Inhalt seines Studiums, über das, was ihn am meisten interessiert – die Mathematik – nimmt nicht nur Inhalt, sondern auch die Komplexität seiner Sätze zu. Es gibt einige Vorlesungen, die er mit Erst- und Zweitsemestrigen besucht. Hier werden Grundlagen behandelt, mit denen er seine «Lücken» aus dem ersten Studium in Frankreich schliessen will. Seine liebste Vorlesung sei die Funktionalanalysis. Dieser Zweig der Mathematik befasst sich mit «unendlichdimensionalen normierten Vektorräumen sowie linearen Funktionalen beziehungsweise Operatoren auf ihnen. Algebra, Analysis und Topologie werden miteinander verknüpft», erklärt Maximilian. Kurz: Stoff für Mathematikstudenten im fünften Semester, Maximilian fühlt sich aber dafür gewappnet.

Hier werde er richtig gefordert, weil dieser Themenbereich noch Neuland sei für ihn: «Hier löse ich mit Abstand die schwierigsten Aufgaben dieses Semesters. Mit solchen Sachverhalten habe ich mich bisher noch nicht befasst», sagt er. Neu ist für ihn auch der Campus Irchel, einer der vier Standorte der Universität Zürich, wo auch einige seiner Lehrveranstaltungen stattfinden. Zunächst sei die «chaotische Anordnung der einzelnen Gebäudekomplexe» etwas verwirrend gewesen. Doch wenn man das System der Stockwerk-Gebäude-Zimmernummer-Formel einmal verstanden habe, sei auch das kein Problem.

Bald der jüngste Doktorand der Welt?

Viele nennen Maximilian ein «Wunderkind», er selbst würde sich aber nicht so bezeichnen: «Ich bin in der Mathematik und Informatik einfach interessierter als andere und habe das Glück, von den richtigen Menschen richtig gefördert zu werden», erklärt Maximilian. Dennoch: Der Werdegang des Fünfzehnjährigen gleicht tatsächlich einem Wunder: Nach seinem Bachelorabschluss möchte er nächstes Jahr an der Universität Princeton – einen kurzen Fussmarsch des renommierten Institute for Advanced Study, wo sein Mentor De Lellis forscht, entfernt – promovieren.

Damit dürfte er vielleicht mit sechzehn – oder vielleicht siebzehn – Jahren einer der jüngsten Doktoranden werden. Was er danach machen will, ist allerdings noch unklar – so weit möchte Maximilian gar noch nicht denken. Zuerst müsse er ja das jetzige Studium absolvieren. Oder etwa die Übungsaufgaben, die er für die nächsten Stunden noch zu erledigen hätte, lösen: «Das Studium gibt ja schon zu tun, so ist es ja nicht.»