MEDIEN: Jugendkultursender Radio 3fach wird 15

Radio 3fach ging als erster Jugendkultursender der Schweiz am 17. Oktober 1998 auf Sendung. Die Gründung war ein Murks. Doch das Schülerexperiment ist geglückt. Der Luzerner Lokalsender brachte einigte Radiotalente hervor, veranstaltet Konzerte und fördert Bands.

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Freuen sich über das Jubiläum: Radio 3fach Mitarbeiter Angela Meier und Dani Glur im Studio in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Freuen sich über das Jubiläum: Radio 3fach Mitarbeiter Angela Meier und Dani Glur im Studio in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Das werbefreie Radio aus Luzern richtet sich an 16- bis 25-Jährige aus der Region. Es wird auch von Jugendlichen dieses Alters produziert. Die Macher improvisieren oft und verzichten nach eigenen Angaben auf "kommerzielles Hitparadengedudel".

Stattdessen sind allabendlich Sendungen etwa zu Metal-, Hip Hop-, Indie-, und Schweizer-Musik zu hören. Das Programm umfasst auch Hintergrundsendungen wie "Krass Politic" oder das "Campus Radio", die sich vor allem jugendpolitischen Themen annehmen.

Sprungbrett für Medienleute

Der freche Sender mit dem Beinamen "Kick Ass Radio" brachte bereits mehrere Talente hervor, darunter etwa SRF3-Moderatorin Anic Lautenschlager und Entertainer Dominic Deville.

Gemäss den Verantwortlichen gibt es ein klares Erfolgsrezept: "Unsere Altersguillotine", sagt Radio 3fach-Geschäftsleiter Mike Walker (24) gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Beim Sender dürfen Jugendliche bis 25 hinters Mikrofon. Wer älter wird, muss weg.

"Wir machen nicht nur Radio für Junge. Wir sind auch selber jung", sagt Walker. Durch die Alterslimite kämen kontinuierlich neue Leute ins Team. Und diese würden stets für frische Ideen sorgen.

22'000 tägliche Hörer

Gemessen am Publikum blieb der Sender stets ein Lokalradio. Die letzte Berechnung von RadioControl 2011 ergab 22'000 tägliche Hörer.

Daneben machte sich der Sender weitherum auch einen Namen als Veranstalter der "Funk am See"-Musikfestivals, als Verleiher des jährlichen Nachwuchsbandpreises "Kick Ass Award" oder als Betreiber der Sommerbar Volière in Luzern.

Radio 3fach wurde für sein Engagement in der Kulturszene und für die Jugend mehrfach ausgezeichnet. 2012 erhielt es etwa den Anerkennungspreis der Stadt Luzern.

Sechs Jahre langer Kampf

Die Ehre musste sich "3fach" hart erkämpfen. Gründer Attila Revesz bemühte sich während sechs Jahren um das Projekt. Er startete dieses 1993 als 16-jähriger Kantonsschüler.

Nach mehreren Gesuchen erteilte der Bund schliesslich 1997 eine definitive Konzession. Gründer Revesz hatte sich zuvor mit der Radiokonkurrenz darauf geeinigt, dass "3fach" auf kommerzielle Werbung verzichtet. Dafür erhielt der Jungendsender bis 2004 jährlich 230'000 Franken von den Privatradios Pilatus und Central.

"3fach" nahm als erstes lokales Jugendkulturradio der Schweiz am 17. Oktober 1998 um 12 Uhr seinen Betrieb auf. Gesendet wird seitdem über die Frequenz 97,7 und später auch über 96,2 aus dem Studio an der Zürichstrasse 49 in Luzern.

Gründer beging Suizid

Zum Schock kam es 2003: Radio-Gründer Attila Revesz beging Suizid. Schwere Zeiten machte der Sender auch 2006 durch, als er in argen Finanznöten steckte. Moderatoren und Festangestellte mussten zeitweise mehrere Monate auf ihren Lohn warten.

Finanziert wird "3fach" vor allem aus Gebührengelder des Bundes sowie Sponsoringbeiträgen. Heute zählt der Sender vier Festangestellte sowie über 40 freie Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter und Fans feiern das 15-Jahr-Jubiläum in der Woche vom 14. bis 20. Oktober 2013 mit mehren Anlässen. So setzen sich etwa ehemalige Moderatoren unter der Woche wieder hinters Mikrofon. Und am 17. Oktober geben die Radiomacher zum Geburtstag ein Buch über den Sender heraus.

Radio 3FACH veröffentlicht Buch

Zum aktuellen Jubiläum veröffentlicht 3FACH ein Buch. Die Publikation mit dem Titel "15 Jahre 3FACH" erzählt die teilweise harte Geschichte des ersten Jugendradios Europas. Das Buch wird am 17. Oktober, am Geburtstag von 3FACH vorgestellt und ist ab dem 18. Oktober in verschiedenen Buchhandlungen für 30 Franken erhältlich.

sda/pd