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MEDIKAMENTENTESTS: Tausende Fälle schon aufgedeckt

Nicht nur in St. Urban wurden Medikamente an Patienten ohne deren Wissen und Einverständnis getestet. In mehreren Schweizer Kliniken hat es in der Vergangenheit derlei Versuche gegeben – so beispielsweise an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel. Dort wurden zwischen 1953 und 1980 Medikamente an über 1000 Patienten getestet. Die Pharmaindustrie stellte damals die Medikamentenpräparate gratis zur Verfügung. Im Gegenzug lieferte die Klinik die Testergebnisse.

Ein weiteres Kapitel in der Geschichte von Medikamententests in psychiatrischen Einrichtungen stammt aus dem thurgauischen Münsterlingen: Von 1950 bis Mitte der 1970er-Jahre testete Klinikleiter Roland Kuhn Dutzende nicht zugelassene Medikamente an seinen Patienten. Besonders beschäftigte er sich mit der Wirkung von Antidepressiva. In einem Interview mit dem «Beobachter» sagte Psychiater René Bloch, der Ende der 60er-Jahre unter Kuhn Assistenzarzt war: «Professor Kuhn stellte die Diagnose Depression viel zu häufig.» Zudem gab er an, dass zu dieser Zeit viel zu wenig Ärzte in Münsterlingen wirkten: «Bei rund 300 Patienten bestand das Team lediglich aus Roland Kuhn, seiner Frau, einem Oberarzt und einigen Assistenzärzten.» (kük)

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