Meditation in all seinen Facetten: In Luzern wird traditionsübergreifend entschleunigt

Bei «Luzern hält inne» in der Stadt Luzern kann ab 1. Dezember jeder täglich eine andere Art Meditation ausprobieren.

Natalie Ehrenzweig
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Bald ist der erste Advent, auch bis Weihnachten geht es nicht mehr lange. Aber statt sich zu besinnen und einen Gang runterzuschalten, hetzen viele durch die Läden und von Anlass zu Anlass. Mit der «Luzern hält inne»-Woche will LU-Spirit dieser Hektik etwas entgegensetzen. LU-Spirit ist nach eigenen Angaben ein «Netzwerk von unterschiedlichen Meditations- und Achtsamkeitswegen».

Nach der Premiere im letzten Jahr bieten sie «Luzern hält inne» auch heuer wieder an. Sie, das sind sieben Menschen, die sich alle auf ihre Art mit Spiritualität auseinandersetzen. Zusammen wollen sie in diesen dunklen Monaten und dieser hektischen Zeit andere Werte zugänglich machen. In Gesprächen über Buddhismus, das Christentum oder ein Leben ohne Gott habe sich rasch gezeigt: So stark sich die Richtungen auch unterscheiden würden, das Ziel aller Lehren oder Philosophien sei das Gleiche, sagt Rita Kaufmann von Vedanta Spirit. Gemeinsam pflege man das verbindende Element der Stille, das innere Schweigen, das Sein in der Meditation.

Engagieren sich für die Meditationswoche «Luzern hält inne» (von links): Othmar Wüest, Roman Grüter, Pascal Portmann, René Felix, Bettina Baumgartner und Rita Kaufmann. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 21. November 2019)

Engagieren sich für die Meditationswoche «Luzern hält inne» (von links): Othmar Wüest, Roman Grüter, Pascal Portmann, René Felix, Bettina Baumgartner und Rita Kaufmann. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 21. November 2019)

Interreligiöses Zusammenkommen

Es gehe nicht darum, zu konkurrieren, welche Lehre die richtige oder bessere sei. «Sondern darum, uns auf das Gemeinsame zu konzentrieren», sagt Othmar Wüest von Zendo am Fluss. Andrea Helfenstein, die bereits letztes Jahr teilgenommen hat, sagt: «Ich praktiziere schon länger Zen-Meditation und hatte von der LU-Spirit-Woche durch Pascal Portmann, einen der Initianten, gehört. Dieses interreligiöse Zusammenkommen über eine gemeinsame Praxis wie die Meditation hat mich sehr angesprochen. Ich empfand das Format und die Initianten sehr offen und inspirierend.» Sie habe authentische Menschen getroffen und bereichernde Inputs erhalten:

«Ich habe die Ruhe genossen, konnte während dieser Woche immer wieder innehalten, fühlte mich in der Gruppe getragen und trotzdem war ich ganz mit mir.»

Auch dieses Jahr wird Andrea Helfenstein wieder dabei sein. Sie hofft, dass sich die Woche zu einem festen Anlass etabliert.

Nach der Eröffnungszeremonie, für die man sich anmelden muss, gestalten die Vertreterinnen und Vertreter der entsprechenden Tradition vom 2. bis 6. Dezember je einen Tag. «Es gibt pro Tag sechs Inputs beziehungsweise geführte Mediationen und dazwischen Zeiten der Stille, die jeweils zur vollen Stunde anfangen und 40 Minuten dauern», sagt Othmar Wüest.

Am Empfang werde man begrüsst und über den Ablauf ins Bild gesetzt, so Rita Kaufmann. Gerade für Meditationsanfänger könne die Kraft der Gruppe und die Inputs der Traditionen den Einstieg erleichtern. Mit Blick auf das letzte Jahr sagt sie: «Es kamen ganz verschiedene Leute. Besonders gefreut hat mich, dass auch viele junge Menschen da waren.» Manchmal habe nur eine Person mitmeditiert, zu anderen Zeiten – der Raum der Stille ist dieses Jahr von 6 bis 21 Uhr geöffnet – hätten 20 und mehr Menschen teilgenommen.

Einkehr zur Stille als Ziel

Das Ziel der Initianten: «Wir möchten einen Beitrag zur Harmonie unterschiedlicher Traditionen leisten und das Interesse für die Einkehr zur Stille wecken», sagt Rita Kaufmann. Auch Geld verdienen stehe nicht im Vordergrund:

«Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Mögliche freiwillige Beiträge dienen zur Deckung der Unkosten.»

Die Organisatoren wurden bereits von anderen Institutionen angefragt, ob sie mitmachen könnten, sagt Kaufmann. «Wir möchten aber langsam wachsen, sind jedoch offen, weitere Traditionen in den Raum der Stille zu integrieren.»

Hinweis: «Luzern hält inne»: Zendo am Fluss, St. Karli Quai 7, Luzern. Infos unter www.lu-spirit.ch, Anmeldung für die Eröffnungszeremonie am 1. Dezember notwendig. Freiwillige Kollekte.