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MEDIZIN: Engpässe bei Kinderimpfungen

Schweizweit können derzeit nicht alle Impfstoffe geliefert werden. Dadurch können Impflücken entstehen. Ein Problem auch für die Luzerner Bevölkerung.
Yasmin Kunz
Ein einjähriges Kind erhält beim Kinderarzt eine Impfung. (Bild: Getty)

Ein einjähriges Kind erhält beim Kinderarzt eine Impfung. (Bild: Getty)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Bei 14 Impfstoffen bestehen landesweit aktuell Versorgungsengpässe. Dies teilte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) kürzlich mit. Betroffen ist beispielsweise der Impfstoff gegen Starrkrampf – eine vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfohlene Basisimpfung für Säuglinge und Kinder. Seit März 2016 werden solche Engpässe, die voraussichtlich länger als 14 Tage dauern, vom BWL publiziert. Daneben informieren unter anderem auch Herstellerfirmen über Lieferengpässe und deren voraussichtliche Dauer.

Die Ursachen dafür sind vielfältig und können beispielsweise in der Herstellung oder auch in einer gesteigerten Nachfrage begründet sein, wie Roger Harstall, Luzerner Kantonsarzt, auf Anfrage erklärt. Er macht ein Beispiel: «Die Herstellung eines Impfstoffs benötigt in der Regel Wochen bis Monate und erfolgt in grösseren Chargen. Kommt es beim Herstellungsprozess zu einer Störung, wird in der Regel eine ganze Charge an Impfstoffen zurückgenommen, was folglich zu einem Lieferengpass führen kann.»

Hersteller müssen Vorräte bereithalten

Kann man also von einer Impfstoffknappheit sprechen? Roger Harstall: «Ein Lieferengpass geht nicht zwingend mit einer Impfstoffknappheit einher. Wie stark sich ein solcher Engpass auswirkt, hängt von den Lagerbeständen bei den Verteilern und Impfenden ab.» Die Hersteller werden gemäss Bundesverordnung ausserdem dazu verpflichtet, eine gewisse Menge an Impfstoffen im Sinne einer Vorratshaltung bereitzuhalten, fügt Harstall an. Auch wenn es auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar scheint, dass die Schweiz mit ihrem hohen Versorgungsstandard von Engpässen betroffen ist, kommen solche gemäss Kantonsarzt immer wieder vor. «Die Schweiz stellt hier keine Insel dar. Auch in Europa und weltweit kommt es zu solchen Lieferengpässen.»

Aldo Kramis, Präsident der kantonalen Ärztegesellschaft, sagt dazu: «Solche Versorgungsengpässe sind unter Umständen nicht ganz harmlos. Vor allem bei Kindern ist es wichtig, das Impfschema einzuhalten.» Wird ein Impfstoff knapp, könne es vorkommen, dass eine oder zwei Dosen der Impfung nachgeholt werden müssten. Das Problem dabei: «Oftmals – bedingt durch eine längere Pause bis zur Wiederverfügbarkeit des Impfstoffes – geht die Nachimpfung beim Patienten vergessen.» Folglich können Impflücken entstehen. Diese können sich sowohl auf die betroffene Person als auch auf die Durchimpfung der Bevölkerung negativ auswirken, fügt Kramis an.

Impflücken können zu Infektionen führen

Die Durchimpfungsrate misst den Anteil der Personen, die pro Impfstoff entweder vollständig oder teilweise geimpft sind. Ein Beispiel: Ein Kind soll gemäss Impfempfehlung des BAG im Alter von zwölf Monaten und zwischen dem 15. und 24. Lebensmonat gegen Masern-Mumps-Röteln geimpft werden. Es benötigt für den Schutz also zwei Impfdosen, idealerweise im besagten Zeitintervall. Hat das Kleinkind diese erhalten, ist es vollständig geimpft und daher optimal geschützt. Laut BAG können Impfungen nachgeholt werden. Harstall weist darauf hin, dass Impflücken dazu führen können, dass in der Zwischenzeit kein oder nur ein eingeschränkter Impfschutz besteht. Das Risiko für eine Infektion hängt jedoch von mehreren Faktoren ab – wie etwa dem Erreger, dem Alter der Person oder dem Impfstatus – also, wie viele Dosen zu einem früheren Zeitpunkt verabreicht wurden.

Es gibt aber gemäss Harstall auch Alternativen. Er erklärt: «Bei einem Lieferengpass kann etwa auf ein Impfstoff-Kombipräparat zurückgegriffen werden, wobei jeweils der Arzt eine Risikoabwägung macht, ob die Impfung zu diesem Zeitpunkt wirklich notwendig ist oder zugewartet werden kann, bis der reguläre Impfstoff wieder lieferbar ist.»

Punkto Durchimpfung steht die Schweiz generell nicht schlecht da, wie Roger Harstall bestätigt. «Wir haben landesweit relativ hohe Durchimpfungs­raten. Demzufolge hat sich aufgrund von Engpässen bisher auch keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung manifestiert.» Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sei eine gute Durchimpfung entscheidend, betont der Kantonsarzt.

Aktuell läuft vom Bundesamt für Gesundheit eine Erhebungsperiode zur Durchimpfung. Die nationalen Durchimpfungsquoten werden voraussichtlich dieses Jahr verfügbar sein.

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