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MEDIZIN: Grippesaison war heftig und lang

Die Intensität der Grippe variiert von Jahr zu Jahr. Heuer mussten markant mehr Patienten wegen des Virus auf der Intensivstation behandelt werden – zuweilen wurden gar die Betten knapp.
Yasmin Kunz
Auffällig häufig an Grippe erkrankten in den vergangenen Wochen 30- bis 40-Jährige. (Bild: Christina Sabrowsky/Keystone)

Auffällig häufig an Grippe erkrankten in den vergangenen Wochen 30- bis 40-Jährige. (Bild: Christina Sabrowsky/Keystone)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Ein Ende ist jetzt in Sicht. Dies bestätigt auch Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie am Luzerner Kantonsspital (Luks). «Die Zahl der mit Influenza infizierten Grippe-Patienten nimmt dieser Tage ab.» Überdurchschnittlich lange habe die aktuelle Grippesaison gedauert. Während sie in der Regel rund zehn Wochen anhält, hat sie heuer Anfang Januar einen ersten Höchstwert und Ende Februar einen zweiten Peak erreicht. Auch Anfang März war die Zahl der Grippefälle noch sehr hoch.

Dass die Influenza, wie die Krankheit im Fachjargon heisst, noch einen weiteren Höhepunkt erreichen wird, sei nicht zu erwarten, so Rossi. Die Grippe-Saison war allerdings nicht nur lang, sondern auch ziemlich heftig. Das Luzerner Kantonsspital mit den Standorten Luzern, Wolhusen und Sursee registrierte bisher mehr als 600 Grippefälle. In der letzten Saison 2016/17 waren es etwa halb so viele.

Die Heftigkeit der Grippe bestätigt auch Lukas Brander, Chefarzt des Zentrums für Intensivmedizin am Luzerner Kantonsspital. «Diese Saison wurden rund 60 Personen mit Influenza auf den Intensivstationen der Luks-Standorte Luzern, Wolhusen und Sursee betreut. Das sind deutlich mehr als vergangene Saison.» Sieben bis zehn Tage dauerte im Schnitt die Behandlung der Grippe-Patienten auf der Intensivstation. Die Zahl der Todesfälle, die mit Grippe in Zusammenhang gebracht werden können, liegt gemäss Intensivmediziner wie im Vorjahr bei ungefähr 10 Prozent. Influenzaviren befallen in der Regel vorwiegend die oberen Atemwege. «Bei einigen Patienten ist es darüber hinaus zu einer viralen Infektion der Lunge gekommen, was in schweren Fällen zur Reduktion der Sauerstoffaufnahme und demzufolge zu Atemnot geführt hat», erklärt der Mediziner. «Solche Patienten müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Teilweise war gar vorübergehend eine künstliche Beatmung nötig.»

Platzknappheit während der Grippesaison

Die Grippeviren bringen nicht nur die Patienten ans Limit, sondern auch die Spital-Angestellten. «Wir stossen praktisch in jeder Grippesaison an unsere Leistungsgrenzen.» Dies, weil mehr Patienten eingeliefert werden, der Aufwand zum Schutz der Patienten massgeblich steigt und auch das Personal nicht vor der Grippe gefeit ist. So komme es während dieser Zeit auch vermehrt zu Personalausfällen und als Folge davon zu einer Mehrbelastung derjenigen, die nicht erkrankt sind. «Ärzte und Pflegepersonal sind dann bis an ihre Grenzen gefordert. Während dieser Zeit hätten wir uns etwas mehr Ressourcen gewünscht.» Bei so vielen zusätzlichen Patienten werde auch der Platz auf der Intensivstation zuweilen knapp, so Lukas Brander.

Das Zentrum für Intensivmedizin wurde vergangenen Sommer im ersten Stock des Neubaus in Betrieb genommen. Die zweite Etage ist aktuell noch unbenutzt. Zurzeit würden jedoch betreffend Erweiterung der intensivmedizinischen Kapazitäten Abklärungen laufen, bestätigt der Arzt.

Im Gegensatz zu den Vorjahren haben die aktuellen Influenza-Viren auffällige viele 30- bis 40-Jährige krankgemacht. Also grundsätzlich gesunde Menschen, die über ein gutes Immunsystem verfügen und nicht zu den Risikopatienten gehören. Einige von ihnen waren schwer oder gar lebensbedrohlich betroffen. Über die Gründe, warum gerade diese Altersgruppe stark betroffen war, kann Marco Rossi nur spekulieren: «Eine Vermutung ist, dass diese Personen bezüglich dieses Virus’ nicht über ein immunologisches Gedächtnis verfügen.» Will heissen: Der Körper hat das Virus noch nie oder nur in einer stark abgeänderten Version gesehen und kann darum auf keine Abwehrstrategie zurückgreifen. Dennoch: Am meisten von der Grippe heimgesucht wurden die über 65-jährigen Personen, die aufgrund ihres Alters gemäss dem Bundesamt für Gesundheit der Risikogruppe zugeteilt werden.

Impfrate beim Personal erneut gestiegen

Diese Grippesaison zeigte noch eine weitere Neuheit: Während in den Vorjahren bei den meisten Grippe-Patienten ein Influenza A-Virus festgestellt wurde, waren nun mehr Patienten mit dem B-Virus infiziert, dem bis dato schwächeren der beiden Viren. «Dass sich derart viele Patienten mit einem Influenza B-Virus angesteckt haben und gar hospitalisiert werden mussten, ist aussergewöhnlich», sagt Marco Rossi.

Die Grippeimpfung, eine von vielen Schutzmassnahmen, hatte nach ersten Berechnungen in Europa eine Wirksamkeit zwischen 25 und 50 Prozent. Trotz eher geringer Wirksamkeit trägt sie dennoch einen wichtigen Teil zum Schutz bei, in Kombination mit den übrigen Massnahmen wie Händehygiene, Tragen von Masken oder Information von Besuchern. Zur besseren Umsetzung dieses Massnahmenbündels hat das Team der Spitalhygiene und des personalärztlichen Dienstes dieses Jahr mit ­sogenannten «Champions» zusammengearbeitet. Das sind Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen, die den Grippeschutz in den eigenen Abteilungen zum Thema gemacht haben.

Auch wenn der Erfolg in Zahlen nicht direkt messbar ist, sind die Verantwortlichen dennoch zufrieden, wie der Chefarzt der Infektiologie sagt: «Wir haben von den Abteilungen durchwegs positive Rückmeldungen erhalten.» Immerhin: Rund 15 Prozent des Pflegefachpersonals hat sich diese Saison impfen lassen. Im Vorjahr lag die Impfrate bei 12, einige Jahre zuvor sogar nur bei 6 Prozent. Mit 59 Prozent liegt die Impfrate bei den Ärzten deutlich höher. Gesamthaft liess sich heuer jeder fünfte Luks-Mitarbeiter gegen Grippe impfen. Die steigende Tendenz überzeugt Marco Rossi, auch weiterhin auf die Champions zu setzen.

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