MEDIZIN: Idee eines Spitalneubaus überrascht in Sursee

Der Surseer Stadtrat wünscht sich, dass der Spitalrat einen Ausbau am heutigen Standort vorrangig prüft. Ob dieser Folge leistet, ist offen.

Evelyne Fischer
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Bleibt das Luzerner Kantonsspital am heutigen Standort in Sursee? Konkrete Angaben will der Spitalrat in rund einem Jahr machen. (Bild Boris Bürgisser)

Bleibt das Luzerner Kantonsspital am heutigen Standort in Sursee? Konkrete Angaben will der Spitalrat in rund einem Jahr machen. (Bild Boris Bürgisser)

Diese Strategie gibt zu reden: Das Luzerner Kantonsspital in Sursee braucht aufgrund des starken Bevölkerungswachstums mehr Platz. Um diesen zu finden, prüfen die Verantwortlichen nicht nur eine Erweiterung vor Ort, sondern halten in der ganzen Region Sempachersee Ausschau nach möglichen Standorten (Ausgabe von gestern).

«Keine Freude an Wegzug»

Der Spitalrat hat den Stadtrat Sursee vor rund zwei Monaten darüber informiert, dass die 130 Betten auf dem 35 000 Quadratmeter grossen Areal nicht mehr ausreichen. «Dass auch ein Neubau ausserhalb von Sursee geprüft wird, hat uns überrascht», sagt Stadtpräsident Beat Leu auf Anfrage. «An einem Wegzug des Spitals hätten wir keine Freude. Ein bedeutender Arbeitgeber ginge verloren.» Aufgrund der kurzen Distanzen in der Region Sempachersee rechne er zwar damit, dass die Angestellten nicht von Sursee wegziehen würden. «Doch die Stadt würde an Attraktivität einbüssen.» Der Stadtrat sei der Meinung, dass eine Erweiterung in Sursee sinnvoll wäre. «Wir wünschen uns, dass der Spitalrat diese Variante vorrangig prüft.» Ob die Verantwortlichen dieses Anliegen erfüllen, ist offen. «Im Rahmen der Vorabklärungen wird sowohl der Ausbau am heutigen Standort als auch die Verlagerung an einen neuen Ort in Sursee oder in der Region Sempachersee geprüft», sagt Spitaldirektor Benno Fuchs. Stadtpräsident Leu hofft, «dass der Stadtrat beim Ausarbeiten der Varianten miteinbezogen wird. Wir bieten gerne Hand und schlagen mögliche Standorte vor.» Konkrete Beispiele will er keine nennen.

Bereits heute mehrere Standorte

Aus Platzmangel musste das Luzerner Kantonsspital Sursee bereits Alternativen suchen: Die Abteilung für Nierenkranke (Nephrologie) befindet sich im Buchenhof in Bahnhofsnähe, die medizinische Onkologie für Krebspatienten im Haus für Pflege und Betreuung Seeblick neben dem Spital. Für das Venen- und Wundzentrum wird künftig eine benachbarte Parzelle zugemietet. Auf die Frage, ob dort eine Erweiterung möglich wäre, sagt Spitaldirektor Fuchs: «Für Aussagen über konkrete Optionen ist es schlicht zu früh.» Keine Angaben gibt es auch zur benötigten Fläche oder zur Variante, die zwei Parkplätze – einer gehört zur Hälfte der Stadt Sursee, der Rest ist im Besitz des Kantons – zu überbauen. Diese umfassen mit Grünfläche 3000 respektive 2500 Quadratmeter. Kriterien für einen möglichen Standort seien etwa «die Lage, die Erreichbarkeit mit öffentlichen und individuellen Verkehrsmitteln, die Erweiterungsmöglichkeit sowie die Kosten».

Sempach hätte viel Platz

Da der Spitalrat einen Neubau in der Region Sempachersee prüfen will, könnte Sempach zum Handkuss kommen. «Mit dem Areal Honrich, das der Kanton als strategisches Arbeitsgebiet definiert hat, könnte Sempach die nötigen Flächen bereitstellen», sagt Stadtpräsident Franz Schwegler. «Auch punkto Verkehrsanbindung wäre dieser Standort eine gute Wahl. Fraglich ist jedoch, ob ein Gesundheitszentrum der beabsichtigten Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben entspricht.» Grundsätzlich würde es ihn jedoch überraschen, «wenn der Spitalrat nicht in erster Linie eine Erweiterung vor Ort ins Auge fasst. Sonst hätte man all die Investitionen in Sursee umsonst getätigt.» Noch 2012 wurde ein neues Parkhaus für rund 7 Millionen Franken gebaut. 2007 wurde das Spital für 28 Millionen Franken saniert. Für eine Erweiterung in Sursee spreche auch ein Treffen, das der Stadtrat Sempach letzte Woche mit Vertretern der kantonalen Wirtschaftsförderung abhielt. «Ein allfälliger Neubau des Spitals war kein Thema.»

Als Variante läge es auch auf der Hand, Nottwil in die Überlegungen miteinzubeziehen. Mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum befindet sich eine bedeutende medizinische Einrichtung vor Ort. Auch hierzu sagt Spitaldirektor Fuchs: «Für Aussagen über konkrete Optionen ist es schlicht zu früh.» Die Gemeinde wäre der Anfrage nicht abgeneigt: «Wir könnten uns vorstellen, dass der Standort Nottwil geprüft wird», sagt Gemeindepräsident Walter Steffen. «Das Luzerner Kantonsspital arbeitet bereits intensiv mit dem Paraplegiker-Zentrum zusammen. Für Nottwil wäre ein weiteres Gesundheitszentrum eine grosse Bereicherung.» Doch auch Steffen glaubt, dass das Spital vorläufig in Sursee bleibt. «Die dort getätigten Investitionen hätten sonst wenig Sinn gemacht.» Dazu sagt Fuchs: «Vorinvestitio­nen sind ein Thema der Evaluation.»

Evelyne Fischer