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MEDIZIN: Junge Hausärzte dringend gesucht

Ein Drittel der medizinischen Grundversorger im Kanton ist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Die Nachfolgeregelung bereitet der Regierung Sorgen. Hoffnung setzt sie auf den geplanten Medizin-Master.
Cyril Aregger
Dem Kanton Luzern mangelt es an jungen Hausärzten. (Symbolbild Keystone)

Dem Kanton Luzern mangelt es an jungen Hausärzten. (Symbolbild Keystone)

Cyril Aregger

Die Schweiz braucht Hausärzte. Der Kanton Luzern bildet da keine Ausnahme. «Am meisten Sorgen bereitet mir die ärztliche Grundversorgung», meinte beispielsweise der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf anlässlich des Zentralschweizer Ärzte-Forums im Frühling. Denn in absehbarer Zeit müssen viele Hausarztstellen neu besetzt werden: Von den rund 430 Grundversorgern (Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin, praktische Ärzte und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin) im Kanton ist fast ein Drittel zwischen 50 und 60 Jahre alt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sind jedoch enorm: 2014 waren im Entlebuch gleich 61 Prozent der Grundversorger älter als 60. In der Stadt Luzern sind es hingegen bloss 25 Prozent (siehe Grafiken).

«Nicht wie in einem Kloster»

Zwar sei es nicht «wie einem Kloster, wo man wegen des hohen Durchschnittalters befürchten muss, dass das Kloster verschwinden werde», sagt Graf. «Wenn jeder Arzt ersetzt werden kann, reicht das in der Regel. Das Alter spielt dabei keine Rolle.» Ein Versorgungsproblem gebe es allerdings dann, wenn abtretende Ärzte keine Nachfolger mehr finden oder die Nachfolger nicht mehr bereit sind, das gleiche Pensum zu leisten.

Relevant ist in dieser Hinsicht auch die Frauenquote bei den Ärzten: Von den insgesamt 34 348 Ärzten in der Schweiz (Stand 2014) sind rund 40 Prozent Frauen, ihr Anteil steigt seit 25 Jahren. Diese an sich erfreuliche Tatsache hat aber auch ihre Kehrseite: Arbeiten Ärzte im ambulanten Bereich durchschnittlich 8,9 Halbtage pro Woche, sind es bei den Ärztinnen 6,8. Das bedeutet: Es braucht in Zukunft mehr Ärztinnen und Ärzte, um die abtretenden – häufiger Vollzeit arbeitenden – Kollegen zu ersetzen.

Assistenzprogramm läuft gut

Hoffnungen setzt Graf auf das vor gut zweieinhalb Jahren im Kanton Luzern eingeführte Praxisassistenzprogramm. Dieses wurde ins 2014 neu gegründete Institut für Hausarztmedizin überführt. Es bietet Assistenzärzten die Möglichkeit, ein halbes Jahr in einer Hausarztpraxis tätig zu sein. 49 Ärztinnen und Ärzte haben bis im Frühling am Programm teilgenommen, 13 von ihnen sind nun als selbstständige Hausärzte im Kanton Luzern tätig.

Auch ein Masterstudiengang Medizin an der Universität Luzern könnte die Situation entschärfen, ist Graf überzeugt. Er setzt sich für eine Einführung dieses Angebots ein, das die Regierung derzeit im Auftrag des Kantonsrates prüft (siehe Kasten). In seiner Antwort auf die Motion von Thomas Willi (FDP, Emmen) erwähnte der Regierungsrat damals auch «attraktive Ausbildungsangebote im Bereich ‹Hausarztmedizin›». Voraussichtlich bis Ende Jahr sollen vertiefte Abklärungen abgeschlossen sein. Ein Zwischenbericht liegt dem Regierungsrat bereits vor (Ausgabe vom 29. Januar).

Beat Sottas ist als externer Experte im Auftrag des Kantons beteiligt an der Erarbeitung des Berichts. Der Gesundheitsexperte befasst sich seit Jahrzehnten mit der Gesundheitsversorgung und -politik in der Schweiz. Persönlich ist er der Meinung: «Wenn Luzern ein Masterstudium anbieten würde, sollte der Fokus stark auf eine generalistische Ausbildung gelegt werden. Die Studentinnen und Studenten sollten auch viel mehr am Patientenbett stehen, angeleitet von erfahrenen Ärzten.» Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen – zum Beispiel Spitex, Physiotherapeuten oder Sozialarbeitern – sollte besser gelernt werden, weil gerade bei Menschen mit chronischen Krankheiten die Nachsorge und die Wiederherstellung von Lebensqualität zentral sind.

Mehr Zeit für die Patienten

Sottas ist überzeugt, dass ein solcher Studiengang bei Studierenden Anklang finden würde: «Die Mehrheit der jungen Leute will heute nicht mehr Einzelpraxen übernehmen. Sie wollen in Teams mit anderen Fachleuten eng zusammenarbeiten und mit Patienten diskutieren. Die Vorstellung, ein Wartezimmer mit 60 Patienten pro Tag quasi im Akkord abzuarbeiten, ist für viele abschreckend.» Auch für die Patienten seien solche Gruppenpraxen ein Vorteil: «Durch die verschiedenen Fachleute ergibt sich ein ganzheitlicherer Blick. Gerade bei älteren Menschen mit chronischen Leiden, starken Einschränkungen oder offenen Wunden kann eine andere Fachperson die geeignetere Ansprechperson sein – und Ärzte haben mehr Zeit für anspruchsvolle medizinische Probleme.»

Erfahrungen aus den anderen Universitäten zeigen, dass die Ausbildung auf Masterstufe pro Jahr und pro Student über 100 000 Franken kostet. Darin sind aber auch namhafte Kosten für die medizinische Forschung enthalten. Sottas glaubt, dass sich die Ausbildung deutlich günstiger realisieren liesse. Dies sei durchaus möglich, bestätigt auch Karin Pauleweit, Leiterin der kantonalen Dienststelle Hochschulbildung und Kultur. Dies zeigt das Beispiel Tessin, welches der Luzerner Regierungsrat in seiner Antwort auf den Vorstoss von Thomas Willi zitierte: Auch dort ist ein Medizinmaster geplant. Die Rede war von einem Netto-Aufwand von rund 8 Millionen Franken pro Jahr – basierend auf einer Studentenzahl von 210 Studenten (70 pro Studienjahr). Die Kosten pro Student beliefen sich bei den Tessiner Berechnungen auf rund 70 000 Franken jährlich. Für ein medizinisches Masterstudium in Luzern sind die Berechnungen noch in Arbeit. Die Kosten dürften auch davon abhängen, wie die (teure) Forschung organisiert wird. Heute zahlt Luzern gegen 12 Millionen Franken pro Jahr für seine rund 250 Medizinstudenten, die in anderen Universitätskantonen im Bachelor oder Master studieren. 2013/2014 waren knapp 190 Luzernerinnen und Luzerner auf Masterstufe im Bereich Humanmedizin eingeschrieben.

Maximal 70 Studenten pro Jahr?

Karin Pauleweit von der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur geht zurzeit davon aus, dass in einem möglichen Medizinstudiengang in Luzern nicht mehr Studienplätze angeboten würden als im Tessin. Tendenziell dürfte das Luzerner Angebot gar eher auf weniger Studenten ausgerichtet werden.

Bild: Quelle Kanton Luzern / Grafik Neue LZ

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Bild: Quelle Kanton Luzern / Grafik Neue LZ

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