MEDIZIN: Medical School als Alternative?

Bald liegt die Studie zum Medizin-Master in Luzern vor. Derweil steht eine weitere Idee im Raum – sie soll die Zahl der Medizinabsolventen stark erhöhen.

Roseline Troxler
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Kantonsspitäler könnten sich an einer künftigen Medical School beteiligen. Im Bild: Kontrolle in der Luzerner Frauenklinik. (Symbolbild Boris Bürgisser)

Kantonsspitäler könnten sich an einer künftigen Medical School beteiligen. Im Bild: Kontrolle in der Luzerner Frauenklinik. (Symbolbild Boris Bürgisser)

Die Schweiz braucht mehr Ärzte. Statt 900 pro Jahr sollen künftig 1300 ausgebildet werden. Der Bundesrat will dafür 100 Millionen Franken sprechen (Ausgabe vom 4. Februar). Können angehende Ärzte in Zukunft auch im Kanton Luzern studieren? Eine Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit eine Machbarkeitsstudie zum Medizin-Master (siehe Box).

Doch ein Masterstudiengang ist nicht die einzige Option, in Luzern Ärzte auszubilden. «Der Luzerner Arzt», das Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Zentralschweizer Kantone, bringt eine weitere Möglichkeit ins Spiel. FDP-Kantonsrat und Arzt Herbert Widmer hat den Medical Schools einen kürzlich veröffentlichten Artikel gewidmet. Er fordert, dass sich der Kanton im Vorfeld eines Entscheides über einen Medizin-Master mit dem Thema Medical Schools auseinandersetzt. Diese Ausbildung ist in Amerika und Grossbritannien verbreitet. Sie sieht vor, dass Absolventen eines naturwissenschaftlichen Bachelors eine dreijährige klinische Ausbildung an einer Medical School anhängen können. Dieses System ist, anders als bei uns, zweigeteilt. Es führt dazu, dass mehr Studenten ein klinisches Medizinstudium antreten können.

Beteiligung von Kantonsspitälern

Eine im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation erstellte Studie widmet sich der Ärzteausbildung und empfiehlt ein Studium in Form einer Medical School. Der ehemalige Rektor der Uni Basel, Antonio Loprieno, der die Studie verfasst hat, sieht bei der Errichtung einer Medical School Vorteile. So erhöhe sich die Zahl der medizinischen Abschlüsse, da mehr Bachelor-Zugänge eine medizinische Ausbildung ermöglichen. Ausserdem sei die Ausbildung vermehrt dem Wettbewerb ausgesetzt. Nebst Luzern laufen auch in Fribourg, St. Gallen und im Tessin Initiativen für eine Medizinausbildung. Laut Loprieno wäre es für diese Standorte lohnend, eine partnerschaftliche Beteiligung der dortigen Spitäler – etwa dem Luzerner Kantonsspital – an einer künftigen Medical School zu prüfen. Mit der Einbindung leistungsstarker Kantonsspitäler in das Ausbildungssystem der Medical School könnte dem Problem der beschränkten Zahl an Spitalbetten, die für die Forschung und Lehre zu Verfügung stehen, begegnet werden, führt Loprieno aus. In einem ersten Schritt schlägt er vor, eine Passerelle anzubieten, die nach einem naturwissenschaftlichen, pflegewissenschaftlichen oder medizintechnischen Bachelor den Zugang zu einem bereits bestehenden Medizin-Master sichert. Eine solche Swiss Premedical School könne an einem oder mehreren Standorten entstehen.

Am Aufbau einer Medical School arbeitet derzeit die ETH Lausanne mit den Universitäten Lausanne und Genf. Laut Madeleine von Holzen, zuständig für die Kommunikation der ETH Lausanne, sind zurzeit noch keine weiteren Informationen dazu erhältlich. «Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen – innerhalb der ETH Lausanne, vor allem aber auch mit den Partnerhochschulen.»

Beide Varianten zurzeit zu teuer

Obwohl Herbert Widmer das Thema Medical School aufgenommen hat, sagt er: «Ich gehe davon aus, dass in Luzern vorläufig weder ein vollständiger Medizin-Master noch eine Medical School in Frage kommen.» Die Kosten würden wahrscheinlich im Moment die finanziellen Möglichkeiten des Kantons übersteigen, so Widmer. Eine Zusammenarbeit mit einer anderen Uni stehe eher im Vordergrund. Widmer geht davon aus, dass die Option Medical School in der Arbeitsgruppe, welche die Machbarkeitsstudie erstellt, diskutiert wird. Er betont aber: «Ein naturwissenschaftliches Bachelorstudium allein ist als Grundlage für eine anschliessende Medizinausbildung nicht ausreichend.» Wie Loprieno fordert auch Widmer eine Swiss Premedical School. «Mit diesem Verbindungsjahr wären die Voraussetzungen für einen Übergang in das eigentliche Masterstudium Medizin gewährleistet.»

Karin Pauleweit, Leiterin Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, äussert sich zurzeit nicht zum Stand der Arbeiten rund um die Machbarkeitsstudie. Vor dem Regierungsentscheid könne sie zum Inhalt keine Auskunft geben. «Selbstverständlich sind uns die aktuellen Diskussionen rund um das Medizinstudium bekannt, und wir beziehen diese auch in unsere Überlegungen ein.»
 

Roseline Troxler