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MEDIZIN: Studium für 40 angehende Ärzte

Schon ab Herbst 2017 dürfte die Uni Luzern einen weiteren Studiengang anbieten – jedoch kleiner als geplant. Die Ausbildung findet vorwiegend in Spitälern statt.
Yasmin Kunz
Blick ins Universitätsspital Lausanne: Angehende Ärzte sollen in eineinhalb Jahren auch in Luzern ihre medizinische Ausbildung absolvieren können. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Blick ins Universitätsspital Lausanne: Angehende Ärzte sollen in eineinhalb Jahren auch in Luzern ihre medizinische Ausbildung absolvieren können. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Yasmin Kunz

Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, könnte die Universität Luzern bereits im Herbstsemester 2017/18 die dreijährige Masterausbildung in Humanmedizin anbieten. Dabei soll Luzern mit der Universität Zürich kooperieren – der schweizweit grössten medizinischen Fakultät. Vorbehalten sei noch die Zustimmung der Luzerner und Zürcher Regierungen, wie Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) auf Anfrage erklärt. Das dürfte eine Formsache sein. Würden diese dem Medizinmaster zustimmen, bräuchte es voraussichtlich auch noch einen Kantonsratsentscheid.

Kosten dürften sinken

Bisher war geplant, dass dereinst rund 200 Studenten in Luzern den Master in Medizin absolvieren können. Gemäss Wyss ist jetzt die Idee, nur mit 40 Studenten zu starten. Wie unsere Zeitung weiss, dürfte die kleinere Studentenzahl auch die in der Machbarkeitsstudie festgehaltenen jährlichen Kosten von 8 Millionen Franken um mehr als drei Viertel auf etwa 2 Millionen senken. Geplant, aber noch nicht bestätigt, ist zudem, dass die Studenten bereits einen Teil der Bachelorausbildung in Luzern absolvieren können. Das Studium der Humanmedizin dauert insgesamt sechs Jahre: drei für den Bachelor, drei für den Master.

Die Lage der medizinischen Grundversorgung in Luzern ist prekär. 57 Prozent aller Hausärzte stehen kurz vor dem Pensionsalter. Der Nachwuchs, der diese Stellen besetzen soll, ist nicht vorhanden. Der Master könnte dabei Abhilfe schaffen. Reto Wyss: «Die Studenten sollen unsere Spitäler kennen lernen. Schön wäre es, wenn sie nach Abschluss in der Region praktizieren würden», sagt Wyss dazu.

Das Institut für Hausarztmedizin im Kanton Luzern verfolgt ebenfalls das Ziel, angehenden Ärzten die Hausarztmedizin schmackhaft zu machen (siehe Kasten). Die Studenten werden die meiste Zeit ihrer Masterausbildung in den Kliniken verbringen. Es sei deshalb auch nicht nötig, das Universitätsgebäude auszubauen, wie Wyss erklärt. Weil an der Infrastruktur nichts geändert werden muss, könnte man auch schon im Herbst 2017 mit dem Studiengang loslegen. Der Bildungsdirektor würde sich über diesen Erfolg freuen. «Der Kantonsrat hat von der Regierung verlangt, Massnahmen zur Rekrutierung von medizinischem Fachpersonal zu prüfen. Ich denke, wir würden hier eine Lösung mit Potenzial umsetzen.»

Bundesgelder beantragt

Ende April haben die Unis Luzern und Zürich ihr Kooperationsprojekt fristgerecht bei der Schweizerischen Hochschulkonferenz eingereicht. Damit bewerben sie sich für die Gelder des Bundes. Dieser sprach im Februar einen Betrag von 100 Millionen Franken für die Jahre 2017 bis 2020, die zur Anschub­finanzierung für zusätzliche medizinische Ausbildungsplätze eingesetzt werden. Wie viele Millionen man sich aus dem Bundestopf erhofft, sagt Reto Wyss nicht.

Bei der Universität Luzern äussert man sich zum geplanten Master nicht. Dave Schläpfer, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung, sagt: «Es handelt sich um ein Geschäft der Regierung und des Bildungsdepartements, daher liegt dort auch die Federführung bei der Kommunikation.» Die Uni stehe mit dem Kanton in Kontakt und werde in die Arbeiten und Überlegungen mit einbezogen. Das Luzerner Kantonsspital, welches ebenfalls mit einbezogen wird, kann sich aktuell auch nicht zum Medical Master äussern.

Hoffen auf Hausärztenachwuchs

Bei der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern kündigt sich ein Aufatmen an. Präsident Aldo Kramis: «Ich bin sehr froh über das geplante neue Angebot. Die Spitäler in Luzern und in der Innerschweiz verfügen über ein breites Angebot im Bereich der Medizin. Zudem gibt es viele Ärzte, die ideale Voraussetzungen besitzen, ihr klinisches Wissen weiterzugeben.» Kramis ist überzeugt, dass dieses vielseitige Angebot vor allem für Studenten, die sich in der Grundversorgung ausbilden möchten, sehr attraktiv ist. Und das ist auch das Ziel. Mit dem Master will man nämlich prioritär die Grundversorgung in den Spitälern und bei den Hausärzten sicherstellen. Kramis ist überzeugt, dass dies gelingen könnte. «Im Kanton gibt es viele engagierte Hausärzte, welche Ausbildungsplätze schaffen würden.» Beim Präsidenten der Ärztegesellschaft keimt Hoffnung auf. «Wir brauchen mehr angehende Ärzte für die Hausarztmedizin. Mit diesem Master können wir Studenten hoffentlich dafür begeistern.»

Nicht nur dem Kanton Luzern dient die Masterausbildung, sondern auch den Universitätsspitälern: «Die Ausbildungsplätze an den Unikliniken sind rar. Deshalb sind sie darauf angewiesen, dass sich auch grosse Kantonsspitäler aktiv bei der Ausbildung beteiligen.»

Schweizweit mehr Studienplätze

Wo die rund 40 Studenten eine Anstellung erhalten, ist noch unklar. Fakt ist: Bei der Machbarkeitsstudie zum Medical Master wurden mögliche Interessenvertreter wie etwa das Luzerner Kantonsspital, das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil und die Hirslanden-Gruppe mit einbezogen. Auch in St. Gallen wird es voraussichtlich ab 2020 einen Medical Master geben. Die Kantone Tessin und Freiburg weiten ihr Angebot ebenfalls aus: Hier wird ab 2019 auch der Master-Studiengang angeboten.

Institut für Hausarztmedizin kommt gut an

Grundversorgung kuy. Um im Kanton Luzern mehr Ärzte für die Grundversorgung zu rekrutieren, haben die Luzerner Hausärzte Christoph Merlo und Christian Studer 2014 unter dem Patronat der kantonalen Ärztegesellschaft das Institut für Hausarztmedizin aufgebaut. Dieses schafft in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital, der Luzerner Psychiatrie und der Orthopädischen Klinik Luzern, St. Anna, halbjährige Stellen in jenen Fachbereichen, die bei den Assistenten beliebt, aber rar sind, wie etwa in der Dermatologie. Diese Fachgebiete seien wichtig für die Hausarztmedizin, so Merlo. Wer davon profitieren will, muss sich bereiterklären, nach der Ausbildung in der Region als Hausarzt tätig zu sein. Aktuell absolvieren drei angehende Ärzte ihre Assistenzzeit, ab Juli sind alle sieben Stellen besetzt.

33 Studenten bis 2018

Die Nachfrage ist gross: Für die Jahre 2016 bis 2018 haben sich bereits 33 Studenten dafür verpflichtet, wie Christoph Merlo auf Anfrage sagt. Er würde sich freuen, wenn die Uni Luzern ein Masterstudium in Humanmedizin anböte. «Das würde unsere Idee des Instituts bestätigen und bestärkt uns darin, dieses weiter auszubauen.» Das Studium sei eine Möglichkeit, dem Nachwuchsproblem in der Medizin zu begegnen. Das Problem fehlender Hausärzte ist damit aber noch nicht gelöst. Laut Merlo arbeiten schätzungsweise 20 Prozent der Mediziner nicht mehr als Arzt. «Es braucht Massnahmen, um die Attraktivität der Hausarztmedizin zu fördern.»

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