MEDIZINSTUDIUM: Uni Freiburg ist Luzern voraus

In Luzern prüft man einen Master in Medizin – Freiburg hat sich nun für dessen Einführung entschieden. Der Studiengang allein löst das Problem Ärztemangel aber nicht.

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In mehreren Kantonen gibt es Bestrebungen, das Bildungsangebot für Medizinstudenten auszubauen. Das Bild zeigt Ärzte des Spitals Flawil während einer Sitzung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

In mehreren Kantonen gibt es Bestrebungen, das Bildungsangebot für Medizinstudenten auszubauen. Das Bild zeigt Ärzte des Spitals Flawil während einer Sitzung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Yasmin Kunz

Der Hausarztmangel im Kanton ist regional bereits prekär. Auf dem Land sind 57 Prozent aller Grundversorger über 60 Jahre alt und stehen demnach kurz vor der Pensionierung. Die Stadt Luzern ist punkto Grundversorgung besser gestellt: Dort stehen nur 22 Prozent der Hausärzte kurz vor dem Rentenalter. Um dem Mangel an Medizinern entgegenzuwirken, wird eine Arbeitsgruppe Ende Jahr der Luzerner Regierung die Studienergebnisse zur Medizinausbildung präsentieren (Ausgabe vom 30. Juli).

Weitere Kantone prüfen Master

Die Federführung bei diesem Projekt liegt bei der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur. Miteinbezogen sind auch mögliche Interessenvertreter wie etwa die Universität, das Luzerner Kantonsspital, das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil und die Hirslanden-Gruppe.

Der Kanton Luzern ist nicht der einzige, der bei der Ausbildung von Ärzten eine Veränderung will. Im Kanton Freiburg hat der Staatsrat jetzt grünes Licht für einen Master in Medizin gegeben. Hier konnten Medizinstudenten bisher nur den Bachelor absolvieren. Im Kanton St. Gallen prüft man ebenfalls einen Medical Master.

Freiburg legt 2019 los

Mit der Machbarkeitsstudie zum Medizin-Master sei man auf Kurs, wie Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, sagt. Doch: Braucht es jetzt in Luzern noch ein solches Bildungsangebot, wenn man ab 2019 in Freiburg den Master absolvieren kann? «Uns war von Anfang an klar, dass auch andere Kantone planen, ihr Bildungsangebot für Medizinstudenten auszubauen», sagt Pauleweit. Dass die Umsetzung des Masters in Freiburg jetzt beschlossene Sache ist, sei in die Ergebnisse der Studie eingeflossen.

Pauleweit ist gespannt, wie die Entscheidung der Regierung ausfallen wird. «Der Master bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Letztlich liegt es an der Regierung, diese beiden abzuwägen.»

Abzuwägen gilt es auch, ob ein Masterstudium angesichts der finanziellen Situation des Kantons tragbar ist. Vor rund drei Jahren schätzte die Regierung die Kosten auf jährlich rund acht Millionen Franken. Die Kosten für einen Medizin-Master haben sich gemäss Karin Pauleweit im Laufe der Vertiefungsstudie jedoch geändert. Ob nach oben oder unten, will sie nicht sagen.

Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss nimmt zum geplanten Masterstudiengang keine Stellung. «Da dieses Geschäft einem kantonsrätlichen Auftrag entspricht und zuvor vom Regierungsrat behandelt werden muss, kann ich das nicht kommentieren», sagt Wyss auf Anfrage. Fest steht: Allein mit dem Master-Studium in Medizin wird das Nachwuchsproblem nicht gelöst. Karin Pauleweit: «Es ist wichtig, dass schweizweit in diesem Bereich noch weitere Angebote geschaffen werden. Aber ein Medizin-Master in Luzern ist ein guter Ansatz.»

Institut rekrutiert Hausärzte

Um im Kanton mehr Ärzte in der Grundversorgung zu rekrutieren, haben die Luzerner Hausärzte Christoph Merlo und Christian Studer 2014 unter dem Patronat der kantonalen Ärztegesellschaft das Institut für Hausarztmedizin aufgebaut. Dieses schafft in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital und der Luzerner Psychiatrie halbjährige Stellen in den Fachbereichen, die bei den Assistenten beliebt, aber rar sind. Wer davon profitieren will, muss sich bereit erklären, nach der Ausbildung in der Region als Hausarzt tätig zu sein.

Christoph Merlo sagt auf Anfrage, ein Master sei zwar «grundsätzlich sehr erwünscht». Es brauche aber noch Abklärungen und «insbesondere eine andere Schweizer Partner-Universität». Ein Luzerner Master-Studiengang sei eine Möglichkeit, dem Nachwuchsproblem in der Medizin zu begegnen. «Es braucht generell eine Erhöhung der Studienplätze in der ganzen Schweiz mit weiteren Master-Angeboten anderer Kantone und auch mehr Studienplätze an den bestehenden fünf Medizinfakultäten Basel, Zürich, Bern, Lausanne und Genf.» Mehr Studienplätze seien noch kein Garant dafür, dass mehr Hausärzte gewonnen werden können. Ein Drittel der ausgebildeten Mediziner arbeite heute nicht mehr als Arzt. Es brauche Massnahmen, um die Attraktivität der Hausarztmedizin zu fördern – wie die Schaffung von hausarztmedizinischen Instituten.