MEGAPROJEKT: Für neuen Rundweg: Sempachersee soll Wasser lassen

Die sieben seeanstossenden Gemeinden wollen den Zugang zum Sempachersee verbessern. Der Seespiegel wird um 35 Zentimeter abgesenkt, damit ein Rundweg um den See realisiert werden kann. Kosten soll das Projekt 60 Millionen Franken.

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Vier Meter Land, dank 35 Zentimenter wneiger See: So soll der Uferrundweg um den Sempachersee aussehen. (Bild: Visualisierung/PD)

Vier Meter Land, dank 35 Zentimenter wneiger See: So soll der Uferrundweg um den Sempachersee aussehen. (Bild: Visualisierung/PD)

An einem Sonntag entlang um den ganzen Sempachersee spazieren – die Gemeinden Sempach, Neuenkirch, Nottwil, Oberkirch, Sursee, Schenkon und Eich wollen das endlich ermöglichen. Und zwar mit einem Projekt, das so einfach wie genial ist – und in der Region noch sehr viel zu reden geben wird.

Obwohl die Ufer gemäss Bundesgesetzgebung der öffentlichen Hand gehören, sind heute nicht alle Uferbereiche für die Bevölkerung erreichbar. Man steht vor grossen Herausforderungen, weil ein grosser Teil der angrenzenden Grundstücke in Privatbesitz ist. In den letzten Monaten habe man deshalb verschiedene Lösungen geprüft, wie Charly Freitag, Verbandspräsident des regionalen Entwicklungsträgers Sursee-Mittelland, anlässlich einer Medienkonferenz erklärte.

«Wir sind der Überzeugung, dass wir einen innovativen Weg gefunden haben: Wenn man den Sempachersee 35 Zentimeter absenkt, wird aufgrund der Topografie rund um den See herum ein 4 Meter breiter Streifen trockengelegt.» Darauf wolle man einen Seerundweg realisieren und der Bevölkerung so einen lang gehegten Wunsch erfüllen. «Im ersten Moment mag das ambitiös klingen», räumt Freitag ein. «Es ist aber so, dass der See schon dreimal abgesenkt wurde. Der Sempachersee bietet sich für so eine Lösung also an.» Bei den bisherigen Absenkungen zwischen 1479 und 1806 ist der Seespiegel um 2 Meter abgesenkt worden. «Da ist eine weitere Absenkung von 35 Zentimetern absolut verträglich und machbar», ist Freitag überzeugt.

Betreffend die Finanzierung – man rechnet mit Kosten von rund 60 Millionen Franken – sei ein Drittelsteiler zwischen Bund, Kanton und Gemeinden angedacht. Die Bundesmittel sollen aus dem Fonds zur Förderung von Gewässerzugängen kommen. Walter Steffen, Gemeindepräsident von Nottwil, rechnet vor: «Wir gehen davon aus, dass die Gemeinden rund einen Drittel – also 20 Millionen Franken – übernehmen müssten. In unserer Region leben 35000 Einwohner, das macht also pro Kopf etwa 570 Franken. Ich meine, aufgrund des deutlichen Mehrwerts für die Bevölkerung und den Tourismus müsste es uns das wert sein.»

«Ein Anrecht auf Aussicht gibt es nicht»

Das Vorhaben ist Teil der regionalen Entwicklungsstrategie 2020 und wird von den sieben Seegemeinden entsprechend mitgetragen. Franz Schwegler, Stadtpräsident von Sempach, verweist auf den bayrischen Chiemsee, wo genau so ein Projekt schon vor 100 Jahren umgesetzt wurde, um einen Seeweg zu realisieren. Für ihn ist klar: «Das Projekt ist eine Chance für viele. Und nur ganz wenige haben eine Einbusse. Deshalb sollten wir das umsetzen.»

Ins gleiche Horn bläst Kari Huber, Gemeindepräsident von Neuenkirch. «Wir sind uns bewusst, dass das Projekt private Seeanstösser nicht freuen wird. Wir sind aber der Meinung, dass der Weg das Privatgrundstück nicht tangiert, weil er ja aussen herum führt. Ein Anrecht auf Aussicht besteht nicht, die Betroffenen müssen das in Kauf nehmen.»

Bedenken gegenüber dem Projekt hatte anfangs der Surseer Stadtpräsident Beat Leu – weil seine Gemeinde wegen des Ausflusses der Sure direkt von der Absenkung betroffen sein wird. «Wir haben mit den Landschaftsverbänden Abklärungen vorgenommen, und die Berechnungen haben gezeigt, dass die verträgliche Limite zum Absenken bei 42,5 Zentimetern liegen würde.» Das heisst, mit 35 Zentimetern wäre man noch im grünen Bereich. «Wir haben zudem mit Freude festgestellt, dass unser Sprungturm mit dem Projekt auch noch an Höhe und damit an Attraktivität gewinnt.» Und das ist noch nicht alles: Auch die Sempachersee-Überquerung dürfte an Zulauf gewinnen. Durch die verkürzte Strecke wird diese für einen grösseren Teil der Bevölkerung sportlich machbar.

Absenkung auf 2020 geplant

Wie in Sursee sind auch in Schenkon mit dem Seebad und dem Seepark schon grosse Uferbereiche für die Bevölkerung frei zugänglich. Dennoch trägt auch der dortige Gemeindepräsident Patrick Ineichen das Projekt mit. «Für uns ist selbstverständlich, dass wir mithelfen, dass der Seezugang auch in anderen Gemeinden möglich wird.» Der See ziehe gerade an schönen Abenden viele Besucher an, die sich erholen und die Natur geniessen. «Wenn man zu Fuss und mit den Velos um den ganzen See spazieren und fahren kann, profitieren auch wir davon», sagt Ineichen.

Das schweizweite Pilotprojekt muss als Nächstes öffentlich aufgelegt werden. Die Projektgemeinden rechnen mit Einsprachen, stellen jedoch ein übergeordnetes öffentliches Interesse in den Vordergrund und sind zuversichtlich, die geplante Absenkung 2020 vornehmen zu können.

ber

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Aprilscherz der «Zentralschweiz am Sonntag». Hier gehts zur Auflösung »

Sempachersee

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