Meggen
«Als Jude sollte man immer einen Koffer gepackt haben»: Ein Holocaust-Überlebender erzählt von der schlimmsten Zeit seines Lebens

Heute vor 83 Jahren markierte die Reichspogromnacht den Beginn des Holocaust. Zeitzeugen aus jener Zeit gibt es nur noch wenige – einer davon, ein gebürtiger ungarischer Jude, lebt mittlerweile in Meggen.

Livia Fischer Jetzt kommentieren
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Pal Vajna ist einer der letzten Überlebenden des Holocaust. Von seinen Erlebnissen erzählt er nur ganz selten. Er möchte anonym bleiben.

Pal Vajna ist einer der letzten Überlebenden des Holocaust. Von seinen Erlebnissen erzählt er nur ganz selten. Er möchte anonym bleiben.

Bild: Dominik Wunderli (Meggen, 2. November 2021)

Pal Vajna* ist ein guter Gastgeber. Schon vor dem Treffen stellte er die für ihn wichtigste Frage: Kaffee oder Tee? Nun bewegt er sich mit langsamen Schritten in seine Küche, setzt heisses Wasser auf und zeigt stolz seine Teesammlung. In seinem Küchenschränkchen finden sich alle möglichen Sorten. Er selbst trinkt nur Schwarztee. Manchmal mit Milch, manchmal ohne. Von Kräutertees will er nichts wissen, die hat er nur für Gäste bei sich stehen. «Mir ist das zu gesund», sagt der 91-Jährige und lacht verschmitzt. Er spült farbige Tassli aus und stellt sie zusammen mit der angerichteten Teekanne auf den Esstisch. Auch verschiedene Guetzli hat er extra gekauft. Das kommt ihm aber erst nach dem Gespräch wieder in den Sinn.