MEGGEN: Chalet: Kanton überprüft Praxis

Um- oder Neubau? Beim umstrittenen Chalet in Meggen sei alles rechtens abgelaufen, sagt die Luzerner Regierung. Dennoch geht sie grundsätzlich über die Bücher.

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Kritiker sprechen von «Trickserei»: das aufgebockte Chalet im November 2014 in Meggen. (Archivbild Pius Amrein)

Kritiker sprechen von «Trickserei»: das aufgebockte Chalet im November 2014 in Meggen. (Archivbild Pius Amrein)

Rechtmässiger Umbau? Oder illegaler Neubau, wie Kritiker bemängeln? Die Rede ist von einem Vorgang, der in Meggen für viel Aufsehen sorgte und nun ein regierungsrätliches Nachspiel hat. Im Herbst 2014 wurde im Gebiet Moosmatthalde ein Holzchalet in Waldnähe auf fünf Stelzen aufgebockt.

Offiziell hiess es damals, das Chalet werde umgebaut und darunter eine Einstellhalle erstellt, die auch für einen daneben geplanten Neubau dienen sollte. Das Chalet ist verschwunden, dafür steht dort nun ein Betongebäude mit Flachdach (Ausgaben vom 10. November 2014 und 1. September 2015).

20 Meter Abstand zum Wald

Bei einem Abbruch des Chalets wäre ein Neubau an gleicher Stelle kaum möglich gewesen. Denn dafür wäre von Gesetzes wegen heute ein Mindestabstand von 20 Metern zum Wald nötig. Das Chalet jedoch stand direkt neben dem Wald. Für einen blossen Umbau des Chalets war der Mindestabstand zum Wald nicht notwendig. Deshalb also die aufwendige Aufbock-Aktion.

Von «Trickserei» war in der Nachbarschaft die Rede. Auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sprach von einer «verheerenden» Aktion. Beim Kanton stellte man sich aber schon damals auf den Standpunkt, es handle sich um einen Umbau, da das Volumen des Gebäudes unverändert bleibe (Bestandesgarantie). Entsprechend erteilte Meggen die Bau­be­wil­ligung.

Auf dem politischen Parkett löste die Aufbock-Aktion aber Wellen aus. SP-Kantonsrat Jörg Meyer reichte mit Fraktionskollegen beim Regierungsrat eine Anfrage zum Waldabstand beim «fragwürdigen Chalet-Umbau in Meggen» ein. Nun liegt die regierungsrätliche Antwort vor. Demnach lief das Baubewilligungsverfahren korrekt ab, die Bewilligung wurde zu Recht erteilt.

Flachdach rechtzeitig «ersichtlich»

Im öffentlich aufgelegten Baubeschrieb sei «ersichtlich» gewesen, dass das Erscheinungsbild des bestehenden Gebäudes «durch die geplanten Umbaumassnahmen verändert wird und eine moderne Flachdachbaute entsteht», so der Regierungsrat. Ein Umbau, eine Nutzungsänderung oder angemessene Erweiterung sei somit erlaubt gewesen – auch wenn das einst rechtmässig erstellte Chalet heutigen Bau- und Nutzungsvorschriften (20 Meter Waldabstand) widerspreche. Die Baubewilligungsbehörde habe in solchen Fällen ein «erhebliches Ermessen».

Verdichtetes Bauen sinnvoll

Dennoch: Aufgrund der Besonderheit des Falles will der Regierungsrat die Bewilligungspraxis «überprüfen». Was das konkret heisst, erläutert Erik Lustenberger, Leiter Rechtsdienst des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. Er betont: «Inhaltlich ist die Erneuerung und energetische Verbesserung der Bausubstanz richtig und entspricht der Stossrichtung der Raumplanungs- und Energiegesetzgebung.» Mit anderen Worten: Der Ersatz eines alten Holzchalets durch einen modernen Neubau soll im Sinn des verdichteten Bauens weiter möglich sein.

Lustenberger räumt ein, dass beim Prinzip Bestandesgarantie – wie der Fall Meggen zeige – die Frage nach der Abgrenzung zwischen Umbau, neubauähnlichem Umbau oder Ersatzneubaute «schwierig» sei. Es gelte deshalb, andere Bewilligungsformen heranzuziehen. Etwa die Festlegung von Baulinien in Zonenplänen, wie es in grossen Gebieten am Waldrand der Stadt Luzern der Fall sei.

«Unerwünschte Baulücke»

Wäre eine Überbauung ohne Unterabstand zum Wald nicht möglich, ist gemäss Lustenberger die Erteilung einer Ausnahmebewilligungen zu prüfen, um die zweckmässige Überbauung von Grundstücken mit eigentlich zu geringem Waldabstand zu ermöglichen. «Letztlich gilt es zu verhindern, dass eine aus raumplanerischer Sicht unerwünschte Baulücke auf einem seit Jahrzehnten eingezonten und überbauten Grundstück entsteht», so Lustenberger.

Hugo Bischof