MEGGEN: Chaos nach «Sunneziel»-Umzug

Vor einem Monat haben die Bewohner des Megger Seniorenzentrums Sunneziel ihre Provisorien bezogen. Nun zeigt sich aber, dass dort einiges im Argen liegt.

Yasmin Kunz
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Schöne Unterkünfte, aber schlechter Service: Die Bewohner der Residenz Siesta in Meggen (oben) fühlen sich im Stich gelassen. Und in den Weggiser Hotels Beau Rivage (unten links) und Central (unten rechts) ist die Infrastruktur den Bedürfnissen der Senioren nicht angepasst, das Essen lässt zu wünschen übrig. (Bilder Nadia Schärli, Dominik Wunderli, Corinne Glanzmann)

Schöne Unterkünfte, aber schlechter Service: Die Bewohner der Residenz Siesta in Meggen (oben) fühlen sich im Stich gelassen. Und in den Weggiser Hotels Beau Rivage (unten links) und Central (unten rechts) ist die Infrastruktur den Bedürfnissen der Senioren nicht angepasst, das Essen lässt zu wünschen übrig. (Bilder Nadia Schärli, Dominik Wunderli, Corinne Glanzmann)

Yasmin Kunz

Die Bewohner des Seniorenzentrums Sunneziel in Meggen sind Ende Oktober umgezogen. Grund: Das Seniorenzentrum wird bis Frühling 2016 saniert und erweitert. Für die nächsten rund eineinhalb Jahre sind die rund 100 Bewohner deshalb provisorisch im Luzerner Kurhotel Sonnmatt sowie in den Weggiser Hotels Beau Rivage und Central untergebracht (unsere Zeitung hat berichtet). Mehrere Wochen nach den Umzügen häufen sich die Klagen. Für eine namhafte Anzahl von Bewohnern bedeuten die vorübergehenden Lösungen vor allem eines: Nachteile.

Zimmer sind nicht rollstuhlgängig

Zwar handelt es sich bei den Hotels keineswegs um Billiglösungen. Auch ist es nicht etwa der Ausbaustandard der Häuser, der bemängelt wird. Vielmehr offenbaren sich gravierende Defizite bei der Organisation sowie in Sachen Altersgerechtigkeit der derzeitigen Unterkünfte: «Im Speisesaal im «Sonnmatt» kann nur ein Drittel der Bewohner speisen, der Rest muss auf dem Zimmer essen», berichtet eine Angehörige, die wie alle anderen Befragten anonym bleiben möchte. Die «Sunneziel»-Senioren würden zudem auf den Zimmern alleine gelassen auch wenn sie das Essen nicht selber einnehmen können. «Solche Zustände sind nicht tragbar», sagt die Angehörige weiter. Zudem sei das Zimmer in der «Sonnmatt» nicht rollstuhlgängig. «Wir mussten alle Möbel umstellen, damit sich unser Angehöriger um die eigene Achse drehen konnte», sagt sie weiter. «Und aus den Fenstern konnte er auch nicht schauen, da diese zu hoch waren für jemanden, der nur sitzen kann. So hat er den ganzen Tag die Wand angestarrt.» Im Kurhotel Sonnmatt in Luzern wurden vor allem Senioren untergebracht, die auf Betreuung angewiesen sind. Diese wurde aber nicht allen gewährleistet.

Kaum noch Betreuung

Kaum besser sieht es in der Residenz Siesta in Meggen aus. Das Gebäude ist nicht von den Umbauarbeiten betroffen, weshalb die Bewohner in ihren Wohnungen mit gehobenem Standard bleiben können. Doch auch das hat einen Haken. Die «Siesta»-Bewohner sind zwar mehrheitlich selbstständig. Eine dort wohnhafte Person sagt aber: «Seit dem Umzug haben wir niemanden mehr, bei dem wir jederzeit unsere Fragen deponieren können. Die Pflegedienstleitung kommt nur noch einmal in der Woche für ungefähr 45 Minuten das war es dann.»

Nach dem Umzug haben alle 100 Senioren eine Notfalluhr des Schweizerischen Roten Kreuzes erhalten. «Die Notfallknöpfe bei der Tür sind dafür ausser Betrieb», sagen die «Siesta»-Bewohner. Und dennoch: Alle 14 Bewohner zahlen nach wie vor jeden Monat 360 Franken für den Notfallservice und zusätzlich noch 60 Franken monatlich für die Notfalluhr. «Das ist einfach nicht fair», sagt eine Bewohnerin.

Höherer Preis für weniger Auswahl

Das ist bei weitem nicht alles, was sich in der Residenz Siesta verschlechtert hat. Eine andere Person sagt: «Beim Essen haben wir keine Auswahl mehr, trotzdem ist der Preis für das Tagesmenü gestiegen. Gleichzeitig können wir die Infrastruktur wie Restaurant, Réception, Kapelle und Café vom ehemaligen Seniorenzentrum Sunneziel auch nicht mehr nutzen.» Ein anderer Bewohner bringt es so auf den Punkt: «Alles, was noch an eine Residenz erinnert, ist der Preis.» Er erklärt: «Das Tagesmenü kostet neu 31 Franken statt 28. Wenn ich mich abmelde, erhalte ich allerdings nur 15 Franken zurück. Wo gehen die restlichen 16 Franken hin?»

Neu ist zudem der Essenslieferant: Die Menüs, die von den Bewohnern als schlecht bewertet werden es gibt etwa Ebli und Fleischkäse –, werden vom Luzerner Kantonsspital gebracht. «Hätte ich vorher gewusst, dass es mal so weit kommen würde, hätte ich mich für ein gewöhnliches Altersheim entschieden», räumt ein Senior ein. Neben der Menüreduktion und der fehlenden Infra­struktur können die Bewohner des Seniorenzentrums Siesta auch an keinen Anlässen mehr teilnehmen – dies, obwohl das im Vertrag, der unserer Zeitung vorliegt, versprochen wird. Gemäss Bewohner zahlen sie nun 12 Prozent weniger, doch die Bewohner verlangen eine Reduktion von 20 Prozent.

Von Leitung zurechtgewiesen

Auch im Hotel Beau Rivage in Weggis ist man mit der jetzigen Situation unzufrieden. Eine Person sagt: «Wir hatten fast einen Monat lang keinen ausgebildeten Koch.» Das Essen sei miserabel, sagen die Bewohner. In einem Fall, welcher unserer Zeitung bekannt ist, hat sich eine Person bei der Pflegedienstleitung über einige Missstände beschwert. Die Leitung habe anschliessend die Schwiegertochter angerufen und diese für das Verhalten der angehörigen Person zurechtgewiesen. Wegen Vorfällen wie diesen haben die Bewohner auch Angst davor, öffentlich mit Namen genannt zu werden.

Persönliche Gegenstände fehlen

Das Essen ist auch im Hotel Beau Rivage in Weggis nicht der einzige Punkt, bei dem es hapert. Weiter beklagt sich eine Person, dass ihr noch persönliche Gegenstände fehlen, die beim Umzug verloren gegangen sind. «Auch nach mehrmaligem Nachfragen habe ich noch keine Ahnung, wo die Sachen sind.»

Im Hotel Central in Weggis läuft ebenfalls nicht alles wunschgemäss. So sind einige Hotelzimmer mit Badewannen ausgestattet. Für viele Betagte sind diese allerdings nutzlos, da diese nicht selber über den Badewannenrand steigen können. Wie unserer Zeitung berichtet wird, gibt es Bewohner, die seit dem Umzug nicht mehr geduscht hätten. Ausserdem stellen glatte Badezimmerböden (Rutschgefahr) sowie fehlende Haltegriffe weitere Hindernisse und Gefahren für Senioren dar. Seit kurzem kommt für die Bewohner des Hotels Beau Rivage noch ein weiterer Stolperstein hinzu. «Wir dürfen den Rollator nicht mehr in den Speisesaal nehmen», sagt eine Betroffene.

Trotz den Unannehmlichkeiten bezahlen die Bewohner aber nach wie vor den Betrag, den sie vorher im Seniorenzentrum Sunneziel bezahlt haben.

Antworten nur schriftlich

Hauptverantwortlich ist die Leitung des Seniorenzentrums Sunneziel. Unsere Zeitung hat Arthur Bühler, Stiftungsratspräsident des «Sunneziels», mit den Vorwürfen konfrontiert und die Fragen auf dessen Wunsch schriftlich formuliert. In seinen Antworten schreibt Bühler, dass es Zeit brauche, bis der Betrieb an den provisorischen Standorten wieder funktioniere (siehe Kasten). Den vollzogenen Umzug bezeichnet er seinerseits als Erfolg.