MEGGEN: Den Marsch spielen sie auch heute noch

Der Musikverein Meggen feiert heuer seinen 125. Geburtstag. Zeit, auf einige lustige Anekdoten zurückzuschauen.

Susanne Balli
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Oben: Der Musikverein Meggen bei einem Ausflug nach Obernau um 1925 herum. Unten: Einsatz am Weissen Sonntag vor zwei Jahren.

Oben: Der Musikverein Meggen bei einem Ausflug nach Obernau um 1925 herum. Unten: Einsatz am Weissen Sonntag vor zwei Jahren.

Zwölf junge Männer brachten den Stein ins Rollen. Am 4. Juni 1888 gründeten sie die Blechmusik Meggen mit dem Ziel, «die Pflege und Hebung des musikalischen Lebens» zu fördern und «an kirchlichen Feierlichkeiten teilzunehmen», wie es in der Festschrift zum 100-Jahre-Jubiläum heisst, das 1988 begangen wurde. Heuer feiert der Musikverein Meggen sein 125-Jahre-Jubiläum. Unter dem Motto «Thank you for the music» führt er diesen Freitag und Samstag jeweils ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm auf.

Auf den Boden spucken untersagt

Alte Protokolle der damaligen Blechmusik lassen einen schmunzeln, wurde doch zum Beispiel in einem Reglement des Gemeinderates 1899 festgehalten, dass im damaligen Probelokal im alten Schulhaus «das Rauchen nicht gestattet ist». Auch sei «das Verunreinigen des Bodens durch Wegwerfen von Gegenständen und Spucken untersagt». Die Blechmusik stellte darnach den Antrag, die Proben im Schulhauskeller durchführen zu können. Das wurde auch bewilligt, und zwar ohne Reglement.

Heute zählt der Musikverein, der seit 1901 diesen Namen trägt, 37 aktive Mitglieder im Alter von 15 bis 68 Jahren. Geprobt wird normalerweise einmal pro Woche in einem Raum des Gemeindehauses; natürlich rauchfrei. Dirigent ist der 60-jährige Marcel Sennhauser.

Frauenanteil von 40 Prozent

Seit der Gründung bis heute hat sich viel verändert. Während über 60 Jahren bestand das Korps ausschliesslich aus Männern, die in dunklen, militärähnlichen Uniformen auftraten. «Heute liegt der Frauenanteil im Verein bei fast 40 Prozent, und ein Drittel der Mitglieder ist unter 25 Jahre alt», sagt Präsident Walter Gloor (61). Er präsidiert den Musikverein Meggen mittlerweile seit 22 Jahren, spielt selber aber kein Instrument, sondern ist vor allem fürs Administrative zuständig. Was ihn besonders beeindruckt, «ist das Generationen übergreifende Musizieren». Nachwuchsmusiker fehlen dem Musikverein heute weniger als auch schon, eher mangelt es laut Gloor an der mittleren Generation. Zudem gebe es ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Registern. Während das Flötenregister mit neun Mitgliedern aussergewöhnlich gut bestückt ist, gibt es derzeit nur einen Posaunisten. Ein Waldhorn fehlt.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Musikverein eine reine Blechformation, die einen ganz anderen Musikstil als heute zum Besten gab, zum Beispiel Märsche und Walzer. «Heute sind wir eine Harmoniemusik und spielen vorwiegend Unterhaltungsmusik», so Gloor. Dies vor allem, weil man damit die jungen Musiker abholen könne. Beim Jubiläumskonzert stehen denn auch berühmte Stücke aus der Filmmusik auf dem Programm, zum Beispiel «Wild West» oder «Gonna Fly Now». Oder aber der südamerikanische Mambo «Sway» sowie das Stück «Music Box Dancer», bei dem die Megger Pianistin Corina Dreier am Flügel mitwirkt. «Wir spielen aber auch zwei Märsche. Das gehört dazu, man kann die Wurzeln der Blasmusik nicht einfach weglassen», sagt Gloor. Ausserdem kämen die Märsche beim Publikum sehr gut an. Modern sein heisst für den Musikverein Meggen nicht nur, moderne Stücke zu spielen. «Heute muss man Kompromisse eingehen, damit man für die Jungen attraktiv bleibt.» So müsse man beim Probenbesuch auch einmal ein Auge zudrücken können.

Wasserpanne und Liveauftritt

Nicht nur die Musik, sondern auch gemeinsame Erlebnisse verbinden die Mitglieder des Musikvereins Meggen. So erinnert sich Gloor schmunzelnd an einen Auftritt vor einigen Jahren, als der Tennisklub ein Jubiläum feierte. Der Platzwart hatte vergessen, die Platzbewässerung abzustellen. «Als diese los-ging und die Musikanten nass spritzte, spielten einige zuerst stoisch weiter, dann ergriffen aber alle die Flucht.» Ein besonderes Erlebnis sei auch der Empfang 2009 für die erfolgreiche Megger Kunstturnerin Ariella Kaeslin gewesen. Gloor: «Der Musikverein durfte das eigens dafür komponierte ‹Flying Ariella› zur Uraufführung bringen und kam dadurch sogar zu einem Liveauftritt im Schweizer Fernsehen.»

Hinweis

Das Jubiläums-Unterhaltungskonzert findet diesen Freitag und Samstag jeweils um 20.15 Uhr im Gemeindesaal Meggen statt. Ab 18.30 Uhr gibts ein Apéro im Foyer. Der Eintritt kostet 15 Franken (Jugendliche bis 16 Jahre gratis).