MEGGEN: Eine starke Frau wird hundert

Sie hat den Rosengarten beim Schloss Heidegg mitgestaltet. Nun feiert Maria Boesch-Ineichen ihren 100. Geburtstag und blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Dominik Weingartner
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Die Rosen sind immer noch Teil ihres Lebens – Maria Boesch-Ineichen feiert heute ihren 100. Geburtstag. (Bild Philipp Schmidli)

Die Rosen sind immer noch Teil ihres Lebens – Maria Boesch-Ineichen feiert heute ihren 100. Geburtstag. (Bild Philipp Schmidli)

Heute ist ihr grosser Tag. Genau vor einem Jahrhundert ist Maria Boesch geboren worden. Für sie ist das nichts Spezielles. «Die anderen sind deswegen viel aufgeregter als ich», sagt sie lächelnd und fügt hinzu: «Ich bin ganz ruhig.» Die wache Frau, bei der man viel Schalk in den Augen erkennen kann, erfreut sich trotz ihres Alters bester Gesundheit. Einzig die Beine machen nicht mehr so mit, wie sie sollten. Das Laufen falle ihr schwer, sagt sie. Seit sechseinhalb Jahren wohnt Maria Boesch im Megger Seniorenzentrum Sunneziel. Zuvor war sie bis ins hohe Alter hinein sehr selbstständig. «Autonomie ist mir sehr wichtig», betont Maria Boesch. Im Seniorenzentrum erhält sie regelmässig Besuch von ihren drei Kindern, den vier Grosskindern und den sieben Urgrosskindern. Ein achtes Urgrosskind ist auf dem Weg.

Aufgewachsen ist Maria Boesch auf einem Bauernhof in Gerliswil/Emmenbrücke. Sie war die Älteste von sechs Geschwistern. Nach der Sekundarschule verbrachte sie Sprachaufenthalte in Estavayer und Venedig, bevor sie am Institut in Heiligkreuz in Cham das Hauswirtschaftsseminar besuchte und dieses mit zwei Diplomen abschloss – als Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin. Danach arbeitete sie als Lehrerin in Emmenbrücke. Dort hat sie auch den Zweiten Weltkrieg miterlebt, an den sie sich noch gut erinnern kann. «Wir mussten jeweils die Fenster mit schwarzen Tüchern abdunkeln, wenn die deutschen Kampfflieger über die Schweiz flogen», erzählt sie. Auch auf ihre Arbeit hatte der Krieg Einfluss: Die Schüler mussten jeweils Lebensmittelmarken in den Hauswirtschaftsunterricht mitbringen, damit man etwas kochen konnte.

Heirat und Umzug nach Heidegg

Bereits im Jahr 1935 lernte Maria Boesch ihren späteren Mann Gottfried in einem Ferienlager in Engelberg kennen. Zunächst habe er ihr nicht gefallen. «Auf einer Wanderung auf den Titlis hat es dann aber gefunkt», fügt sie schmunzelnd hinzu. Nachdem Gottfried Boesch an der Universität Freiburg seinen Doktortitel in Geschichte erworben hatte, heirateten die beiden im Jahr 1945 und bezogen eine Wohnung in der Stadt Luzern. Aufgrund der Heirat musste Maria Boesch jedoch ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Im Kanton Luzern durften verheiratete Frauen damals nicht unterrichten. 1946 wurde Tochter Angelika geboren, im Jahr 1949 folgte Sohn Reinhard. Im gleichen Jahr bekam Gottfried Boesch das Angebot, das Museum auf dem Schloss Heidegg aufzubauen. Er sagte zu, und so zog die junge Familie in ein Haus neben dem Schloss. Dort konzipierten die Boeschs den berühmten Rosengarten, an dem Maria Boesch einen grossen Anteil hatte. Sie bestellte Rosen aus der ganzen Welt und koordinierte die Arbeiten im Garten. «Mein Mann war der Theoretiker, ich war immer die Praktikerin», erzählt sie lachend. Bis zum Tod von Gottfried Boesch 1983 lebte die Familie auf der Heidegg.

Bis ins hohe Alter sehr aktiv

Anschliessend zog Maria Boesch in eine Wohnung im Haus in Meggen, in dem ihre jüngste Tochter, die 1954 geborene Hildegard, wohnte. Der Umzug fiel ihr nicht schwer. «Die Heidegg war für mich immer mit viel Arbeit verbunden», sagt sie. Doch anstatt in den wohlverdienten Ruhestand einzutreten, übernahm Maria Boesch wieder neue Aufgaben. Sie führte für ihre älteste Tochter die Buchhaltung und half ihrer jüngsten Tochter im Krankenkassenbüro. Um diese Aufgaben meistern zu können, besuchte sie noch als über 80-Jährige einen Computerkurs an der Migros-Klubschule.

Maria Boesch ist bis heute sehr am Zeitgeschehen interessiert. Sie liest gerne Bücher, vor allem Sachbücher über Theologie und Krimis. Auch die «Neue Luzerner Zeitung» liest sie täglich mit grossem Interesse. Noch im hohen Alter hat sich Maria Boesch als Hörerin für Theologievorlesungen an der Universität Luzern angemeldet – mit über 90 Jahren besuchte sie Vorlesungen an der Uni.