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MEGGEN: Er geht nach 21 Jahren Therapie in Pension

21 Jahre lang hat Felix Imboden als Leiter des Therapiezentrums Meggen mit Suchtkranken gearbeitet. Er spricht über seine traurigsten und schönsten Momente.
Andrea Schelbert
Felix Imboden vor dem Therapiezentrum Meggen. Dort werden Suchtkranke therapiert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Felix Imboden vor dem Therapiezentrum Meggen. Dort werden Suchtkranke therapiert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Eine Sucht ist immer eine Selbstzerstörung. In der Regel kommen Suchtkranke mit einem völlig angeschlagenen Selbstwertgefühl zu uns. Sie trauen sich nichts mehr zu und fühlen sich als totale Versager», sagt Felix Imboden. 21 Jahre lang hat der heute 65-Jährige das Therapiezentrum Meggen (siehe Box) geleitet. Ende Oktober ist der gebürtige Walliser in Pension gegangen und wurde durch Lorenz Martignoni abgelöst.

Imboden hat im Therapiezentrum Meggen viel Freud und Leid erlebt. «Das Traurigste ist, wenn die Therapie nicht greift», sagt der vierfache Familienvater. Besonders schlimm für ihn war, als ein Mann wenige Wochen nach Therapieende Suizid verübt hatte. Seine Frau habe ihn verlassen, sodass der Mann keinen Ausweg mehr gesehen habe. «Das ging mir sehr nahe. Solche Schicksale kommen in der Suchtarbeit vor.»

«Wer täglich trinkt, wird abhängig»

Suchtarbeit sei aber nicht einfach traurig, schrecklich und tragisch. «Mit suchtkranken Menschen zusammenzuarbeiten, ist sehr erfüllend. Zu erleben, wie sie aus der Sucht herauskommen und zu ihrer eigenen Persönlichkeit zurückfinden, ist sehr motivierend. Ihre Seele wird langsam wieder spürbar», erzählt Imboden. Diesen Prozess mitzuerleben, sei «wunderschön». So habe er beispielsweise einen Mann erlebt, der nach fünf Wochen Therapie zum ersten Mal mit den Kindern einen Zopf gebacken hat. Das war für mich sehr eindrücklich.» Dennoch sagt der frisch Pensionierte: «Suchtarbeit ist Sisyphusarbeit. Die Abmachung, ein Suchtproblem zu lösen, ist gewaltig. Es ist extrem schwierig, aus einer Sucht auszusteigen und sie in den Griff zu bekommen.»

Im Therapiezentrum Meggen werden keine Entzüge durchgeführt. Die Patienten kommen kurz nach ihrem Entzug hierher. Starke körperliche Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, Verwirrung, Unkonzentriertheit und Schlafstörungen sind einige der körperlichen Folgen nach einem Drogen- oder Alkoholentzug. Imboden hat sich auf Alkoholabhängigkeit spezialisiert. Er weiss: «Der Prozess, der in eine Abhängigkeit führt, ist schleichend. Sicher ist, dass wer über Jahre hinweg täglich trinkt, früher oder später körperlich abhängig wird. Sein Körper wird immer mehr Alkohol benötigen, um die gleiche Wirkung zu erreichen.» Wie aber erkennt man eine Abhängigkeit? «Bei uns gilt die Faustregel, drei Wochen lang keinen Alkohol zu trinken. Wenn dies Schwierigkeiten macht, ist es bereits kritisch», so Imboden.

Patienten sollen ehrlich sein

Felix Imboden verlässt das Therapiezentrum mit einem guten Gefühl. «Ich bin weder müde noch ausgelaugt. Der Glaube an das Gute im Menschen und die Überzeugung, sinnvolle Arbeit zu leisten, haben mir viel Kraft gegeben. Ich bin wunderbaren Menschen begegnet und durfte wahnsinnig viel von ihnen lernen.»

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