MEGGEN: «Es war ein schwieriges Jahr»

Beim Schloss Meggenhorn wurden weniger Trauben geerntet als im Vorjahr. Trotzdem werde der Wein gut, sagt ein Experte. Der Grund seien die 80 Helfer.

Christian Hodel
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Vorfreude aufs Endprodukt: 80 Freiwillige haben gestern beim Schloss Meggenhorn Weintrauben geerntet. (Bild Dominik Wunderli)

Vorfreude aufs Endprodukt: 80 Freiwillige haben gestern beim Schloss Meggenhorn Weintrauben geerntet. (Bild Dominik Wunderli)

Es ist Wümmet auf dem Schloss Meggenhorn. Die Gemeinde liess gestern auf dem eigenen 100 Are umfassenden Weingut Trauben ernten. Während die rund 80 Helfer bis am Abend gegen 8000 Kilo Trauben pflückten, brachte Gemeinderat Josef Scherer die vollen Bottiche mit dem Traktor in das wenige hundert Meter entfernte Keltergebäude. Hier werden die Trauben gepresst, gegoren, gelagert und schliesslich abgefüllt. «Wir rechnen bei diesem Jahrgang mit 6000 bis 8000 Flaschen», sagt Scherer. Bis im April bleiben die 7,5-Deziliter-Flaschen aber noch unter Verschluss. Dann wird der Weisswein – ein Riesling x Sylvaner – das erste Mal im Schloss öffentlich ausgeschenkt. «Das ist quasi der Lohn für die freiwilligen Helfer.»

Frühling war für Trauben zu nass

Dann wird auch Richard Unternäher (73) aus Horw wieder in Meggen sein. Er trennt mit einem gezielten Schnitt die Weintrauben von der Rebe, begutachtet sie, nimmt die faulen Früchte vom Bündel. Dass es von den Rebstöcken noch leicht tröpfelt, stört ihn wenig. «Das Wetter für die Traubenlese ist sicher nicht ideal. Aber es könnte schlimmer sein und regnen.»

Schlimmer setzte das Wetter den Trauben im Frühling zu. «Es war allgemein ein schwieriges Jahr», sagt Gemeinderat Scherer. Der Frühling sei zu nass gewesen, die Trauben trieben erst spät aus. «Und auch der Herbst war durchzogen, nass und kühl. Dafür war der warme Sommer Gold wert.»

Einen Rückstand von zehn Tagen

Auch andere Winzer aus der Region sprechen von einem Traumsommer für den Rebbau und prognostizierten einen guten Jahrgang voraus (siehe Ausgabe vom 9. 9. 2013). Der zeitliche Verzug wegen des nassen Frühlings konnte vielerorts durch den warmen Sommer aufgeholt werden. Nicht so aber in Meggen. «Der Rückstand von gut zehn Tagen bleibt», sagt Markus Gautschi von der Scherer & Bühler AG Meggen, die der Gemeinde beratend zur Seite steht und für die Weiterverarbeitung der Trauben verantwortlich ist. Einzelne Beeren seien nicht richtig gereift und von Graufäulnis befallen. Diese Früchte, die säuerlich schmecken, müssen nun bei der Ernte rausgelesen werden. Denn: «Wie der Wein letztlich schmeckt, wird im Rebberg entschieden und nicht im Keller.»

Und wie schmeckt der typische Megger Wein? «Der Riesling x Sylvaner lebt von der Frucht. Er ist bananig und frisch», sagt Gautschi. Er ist davon überzeugt, dass es auch dieses Jahr einen geschmackvollen Wein geben wird. «Die Helfer sind instruiert. Sie kennen den Unterschied zwischen guten und schlechten Trauben.»

Der neue Riesling x Sylvaner aus Meggen wird an zwei Tagen im Mai im Schloss verkauft. Allerdings nur an Megger, die ein Vorkaufsrecht haben. «Danach können auch Auswärtige das ganze Jahr über beim Schloss Meggenhorn eine Flasche für 13 Franken erwerben», sagt Scherer. Vom letztjährigen Wein seien noch einige Flaschen übrig. Rund 10 000 Flaschen konnten damals abgefüllt werden.

Gesamthaft werden im Kanton Luzern jedes Jahr gegen 270 000 Flaschen Wein produziert. «Luzern und die ganze Zentralschweiz werden immer mehr zum Weingebiet», sagt Gautschi. Auch viele Gemeinden würden inzwischen eigenen Wein herstellen – wie es Meggen schon seit Jahrzehnten tut.

Das Weingut wird erneuert

Seit 1981 werden auf dem gemeindeeigenen Gut Trauben gelesen. Das Weingut wird über einen speziellen Fond abgerechnet. «Der Steuerzahler zahlt keinen Rappen daran», sagt Scherer. In den letzten Jahren hätte man einen Überschuss durch den Verkauf des Weines eingenommen; rund eine halbe Million Franken seien beisammen. Dieses Geld soll wieder investiert werden. «In den nächsten paar Jahren wollen wir die Rebstöcke laufend durch neue ersetzen, sowie Hagel- und Vogelschutznetze anschaffen.» Nach der diesjährigen Ernte werden darum rund 20 Are Fläche gerodet.

MEHR ZUM THEMA

Mehr zu den Weinbaugebieten in der Zentralschweiz gibt es im «Dossier» vom Freitag, 18. Oktober, in der «Neuen Luzerner Zeitung» zu lesen.