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MEGGEN: Jacht des Schlossherrn bald wieder seetüchtig

Seit zwei Jahren restauriert der Schreiner Roger Schilter die Jacht des früheren Besitzers des Schlosses Meggenhorn. Für diese gab es schon Kaufangebote aus den USA.
Guy Studer
Roger Schilter bei der Arbeit an der Jacht Meggenhorn in einer Scheune in Mettmenstetten. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Roger Schilter bei der Arbeit an der Jacht Meggenhorn in einer Scheune in Mettmenstetten. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Jacht Meggenhorn bei einer Probefahrt auf dem Zürichsee im Jahre 1926. (Bild: PD)

Die Jacht Meggenhorn bei einer Probefahrt auf dem Zürichsee im Jahre 1926. (Bild: PD)

Wem ist sie damals nicht aufgefallen? Die elegante Holzjacht, die bis vor wenigen Jahren bei der Firma Charles Bucher vor dem Hotel National am Steg lag. Das schlanke, 12 Meter lange Passagierboot aus dem Jahr 1926 mit den edlen Lederbänken ist nun aber seit mehreren Jahren aus dem Luzerner Seebecken verschwunden. Für jene, die sich gefragt haben, was mit dem Boot passiert ist – hier die Antwort: Seit zwei Jahren liegt die Jacht in einer eigens dafür ausgebauten Scheune in Mettmenstetten (ZH) und wird von Grund auf restauriert.

Holz kaum mehr erhältlich

Bereits 2000 Arbeitsstunden hat der Schreiner Roger Schilter in das Projekt investiert. Er hat das Boot bis auf das Skelett auseinandergenommen und in alle Einzelteile zerlegt. «Viele Teile fehlten und mussten ersetzt werden», sagt der 53-Jährige. Das war nicht einfach, denn das Honduras-Mahagoni, aus dem das Boot gebaut ist, steht heute auf der roten Liste der bedrohten Holzarten und ist nur noch schwer erhältlich. «Glücklicherweise habe ich einen Holzbaubetrieb gefunden, der noch von diesem Holz hatte.» Auch die zahllosen Kupfernieten – das Boot ist, ähnlich wie ein Flugzeug, genietet – mussten ersetzt werden.

Inzwischen ist die Jacht wieder zusammengesetzt. Trotzdem ist erst Halbzeit. Weitere rund zwei Jahre und 2000 Arbeitsstunden stehen noch an, bis die «Meggenhorn» wieder in See stechen kann. «Allein die Beiz- und Lackierarbeiten werden sicher 500 Stunden in Anspruch nehmen», so Schilter. Denn wie früher geschehe dies gänzlich von Hand. Zudem stehen unter anderem Arbeiten an der Elektronik und der Bordtoilette sowie der Einbau des neuen Dieselmotors an. «Und ich muss das Boot unsinkbar machen.» Damit es nicht untergehen kann, baut Schilter Styroporelemente in den Rumpf ein.

Boot seit Jahrzehnten in der Familie

Doch wie kommt das Boot in die Hände des Zürcher Schreiners? Ganz einfach: Schon seit seiner Kindheit ist Schilter mit der Jacht eng verbunden. Er ist ein Enkel von Charles Bucher – Schilters Cousins führen die Bootsausflugsfirma am Nationalquai heute in dritter Generation. Charles Bucher hatte das Boot einst vom damaligen Meggenhorn-Schlossbesitzer Jakob-Heinrich Frey abgekauft. «Schon als Junge bin ich auf dem Boot herumgeturnt», sagt Schilter. Ausserdem habe er bereits vor 30 Jahren ein Modell davon gebaut. Von der Firma wurde die «Meggenhorn» bis vor rund acht Jahren noch genutzt, bevor sie wegen des schlechten Zustands aus dem Verkehr genommen wurde. «Meinem Cousin war die Restauration zu teuer, weshalb ich ihm die Jacht abgekauft habe.»

Seine Tätigkeit in der eigenen Schreinerei im zürcherischen Bonstetten hat Schilter zu Gunsten der Jacht reduziert. Ausserdem hat er nebst seiner Arbeit rund 100 000 Franken an Materialkosten in das Boot investiert. Fast alles macht er selber, «nur die Berechnungen sowie die Elektroinstallationen überlasse ich Fachleuten». Dass die Restauration kein rationaler Entscheid war, ist Schilter völlig bewusst: «Das ist pure Leidenschaft, ich bin ein Freak.» Allein mit Leidenschaft lässt sich ein solches Projekt indes nicht finanzieren. Deshalb ist der Schreiner um jede Spende froh.

«Alles ist vom Feinsten»

Wenn Schilter von der «Meggenhorn» zu erzählen beginnt, gerät er ins Schwärmen: «Sie ist ein einzigartiges Boot, ausserordentlich schön.» Das liege unter anderem an den Massen: Mit nur rund 2,5 Meter Breite ist die Jacht sehr schlank. Zudem hat der damalige Schlossherr nicht gespart, als er sie bei der heute noch bestehenden Firma Faul in Horgen bestellte. «Alles ist vom Feinsten», so Schilter.

Entsprechend habe sein Onkel bereits vor Jahren Kaufangebote aus den USA erhalten. Mehrere hunderttausend Franken wurden geboten. Heute schätzt Schilter den Wert auf rund 300 000 Franken. Das entspricht in etwa seiner Arbeit für die Restauration plus Materialkosten. Aber eigentlich spielt das keine so grosse Rolle, denn verkaufen möchte Schilter ohnehin nicht: «Das Boot bleibt bei mir.» Aber nicht für private Ausfahrten. «Es soll wieder zurückkehren zum Schloss Meggenhorn.» Dort soll es als Gästeboot gemietet werden können – etwa im Zusammenhang mit Veranstaltungen im Schloss wie Hochzeiten oder Firmenanlässen.

Offene Ohren bei der Gemeinde

Doch dazu müsste die Jacht wieder ihren ursprünglichen Platz im Meggenhorn-Bootshaus erhalten. Die Gemeinde, heute im Besitz des Schlosses, vermietet diesen derzeit. «Ich hoffe, dass er wieder für mein Boot frei wird», sagt Schilter. Beim ehemaligen Gemeindepräsidenten sei er jedenfalls auf offene Ohren gestossen. Dessen Nachfolger Urs Brücker ist ebenfalls nicht abgeneigt: «Wenn man ein Angebot formulieren könnte, das auch gesamthaft für das Meggenhorn attraktiv wäre, dann wäre das sicher interessant», sagt er spontan auf Anfrage. Mit dem jetzigen Mieter des Bootsplatzes müsste man allerdings eine Lösung finden, «was wohl nicht ganz einfach wäre».

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