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Schweine-Streit in Meggen bleibt ungelöst

Bauer Kaspar Hofer hat sich mit der Gemeinde Meggen über die Zukunft seines Schweinestalls ausgesprochen. Eine zufriedenstellende Lösung sucht er jedoch nach wie vor.
Sandra Monika Ziegler
Kaspar und Sohn Balz Hofer wollen die Schweinezucht behalten. (Bild: Manuela Jans-Koch, Meggen 7. Juli 2019)

Kaspar und Sohn Balz Hofer wollen die Schweinezucht behalten. (Bild: Manuela Jans-Koch, Meggen 7. Juli 2019)

Bauer Kaspar Hofer war guter Dinge, als er Anfang Juli den Weg ins Gemeindehaus antrat. Angesagt war eine Aussprache mit dem Megger Gemeinderat. Man wollte die Möglichkeiten einer Verschiebung des «stinkenden Saustalles» und andere Optionen diskutieren. Das wurde nötig, weil ein Nachbar wegen des Gestankes klagte (wir berichteten).

In einer gemeinsam verfassten Medienmitteilung verpflichtet sich die Gemeinde, der Bauernfamilie «Unterstützung und Beratung» für eine langfristige Lösung zu gewähren. Eine Option könnte beispielsweise eine Zwischenlösung für die Schweinehaltung sein. Diese könnte nach Ablauf der Frist, ab Ende Mai 2020, aktuell werden. Denn bis zu diesem Datum muss der heutige Stall geräumt sein. Das ist Teil der kantonalen Verfügung.

Im Gespräch soll offenbar eine Umsiedlung der Schweine in den Hof Blossegg sein. Dieser gehört der Gemeinde und ist aktuell verpachtet. Offiziell bestätigen will dies die Gemeinde aber nicht. Ein konkreter Stallersatz sei nicht diskutiert worden, so Gemeindeammann Hans Peter Hürlimann: «Für eine Zwischennutzung ist Herr Hofer zuständig. Sollte eine gemeindeeigene Liegenschaft in Frage kommen, müsste die Zuständigkeit betreffend Umbaukosten geklärt werden.»

Ein provisorischer Stall – 1,5 Kilometer entfernt?

Von einer Umsiedlung der Schweine hält Kaspar Hofer selber nicht viel. Nicht nur wegen der Distanz von 1,5 Kilometern, die eine enge Betreuung der Muttertiere erschwere. «Die Scheune müsste nach den Vorgaben des Biolabels umgebaut werden – und wer zahlt das?». Für Hofer gibt es nur eine Lösung: Fristverlängerung.

«Der jetzige Stall soll so lange stehen bleiben, bis der neue steht»

Deshalb bat er im Rahmen der Aussprache die Gemeinde, beim Kläger um eine Fristverlängerung für den bestehenden Schweinestall nachzufragen.

Doch weil die Frist bereits schon einmal verlängert wurde, ist dies gemäss Hürlimann nicht mehr möglich: «Diese Fristverlängerung wurde im Einspracheverfahren zwischen den Parteien ausgehandelt und ist rechtsgültig. Daran kann die Gemeinde nichts mehr ändern.» Hürlimann fügt an, dass die Frist bis Mai 2020 ohnehin hoch sei im Vergleich zu anderen Fällen. So muss etwa in Werthenstein ein Bauer in einer ähnlichen Situation seinen Schweinestall innert drei Monaten räumen (wir berichteten).

Hofer ist unzufrieden über den Ausgang der Aussprache – und noch mehr über das Verhalten der Gemeinde danach: Kaum wieder zu Hause, lag die neuste Ausgabe der «Gmeindsposcht Meggen» auf seinem Tisch. Darin rechtfertigt sich die Gemeinde unter dem Titel «Schweinehaltung: Fakten statt Emotionen» und goss in den Augen Hofers unnötig Öl ins Feuer. Denn der Artikel ortet die Gründe für die derzeitige verfahrene Situation in der Vergangenheit, zur Zeit von Hofers Urgrossvaters.

Dieser erbte in den 50er-Jahren den Hof, während seine beiden Schwestern 7000 Quadratmeter Land erhielten – Land, das diese später verkauften und so den Grundstein für die benachbarte Überbauung legten. Dies wird Hofer nun zum Verhängnis. Doch der Bauer legt Wert auf die Feststellung, ein Nachfahre des Hoferben und nicht der Landverkäuferinnen zu sein: «Ich habe keinen Vorteil vom Landverkauf.» Vielmehr ist er stolz darauf, einer der letzten aktiven Bauern in Meggen zu sein. Gab es bis vor 40 Jahren über 25 Bauern im Dorf, sind es heute noch sechs.

Der Fall: Streit um den Geruch eines Schweinestalls

Eine Klage wegen Geruchsemissionen eines benachbarten Schweinestalles bewegt die Megger, den Bauern Kaspar Hofer und auch den Gemeinderat seit Monaten. Die Bauernfamilie Hofer ist ein Opfer der revidierten Gesetzgebung. Denn laut Luftreinhalteverordnung müssten mindestens 38 Meter Abstand zur Villa des Einsprechers bestehen. Bauer Hofer muss seine Schweine entweder umplatzieren, mit der Mast aufhören oder einen neuen Stall bauen. Deshalb ist die Familie an die Öffentlichkeit getreten – und löste eine Welle der Unterstützung aus. Es wurde online ein Spendenkonto «Rettet Hofer’s Hof» eingerichtet. Bisher gingen über 131'000 Franken ein. Damit soll der Neubau des Schweinestalls mitfinanziert werden. Unterstützt wird das Vorhaben auch von seiner prominenten Nachbarin Doris Erni. Sie versteigerte ein Originalwerk sowie Lithografien ihres Mannes Hans Erni. Doch die Zeit drängt, denn der Räumungstermin ist der 31. Mai 2020 und für einen neuen Stall wird mit einer Bauzeit von sechs Monaten und Kosten von 1,8 Millionen Franken gerechnet. (sam)

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