MEGGEN: Warum Meggen nicht untertunnelt wurde

Die Zugplaner liessen Meggen im 19. Jahrhundert lange links liegen. Dann tauchte ein Plan auf, die Stadt Luzern per Tunnel mit Merlischachen zu verbinden.

Rainer Rickenbach
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Die Megger mussten lange um ihren Bahnanschluss kämpfen. Das historische Bild zeigt den Bahnhof in der Zeit um 1910. (Bilder Rontaler Brattig/Pius Amrein)

Die Megger mussten lange um ihren Bahnanschluss kämpfen. Das historische Bild zeigt den Bahnhof in der Zeit um 1910. (Bilder Rontaler Brattig/Pius Amrein)

In Meggen ist einer der Bahnhöfe, die erst nach Ablauf der Frist im Jahr 2023 umgebaut werden. (Bild: Pius Amrein (Meggen, 7.7.2014))

In Meggen ist einer der Bahnhöfe, die erst nach Ablauf der Frist im Jahr 2023 umgebaut werden. (Bild: Pius Amrein (Meggen, 7.7.2014))

Unser historisches Bild stammt aus der Zeit um 1910. Die Zugkomposition ist gemischt zusammengestellt: Links ist ein dreiachsiger SBB-Schnellzugswagen erkennbar, und im Vordergrund stehen zwei Drittklass- und ein Zweitklasswagen, die schon rund 30 Jahre lang auf den Schienen unterwegs waren.

Dahinter steht der Bahnhof, an dem sich äusserlich nicht viel verändert hat. Ausgestattet war er mit schickem Wartesaal-Vorbau, hübscher Bepflanzung und einem kleinen Brunnen, aus dem frisches Quellwasser sprudelte.

Eisenbahn wichtig fürs Geschäft

Der Tourismus war schon damals das grosse Geschäft in der Region Luzern. Adelsfamilien, reiche Fabrikbesitzer und vermögende Lebenskünstler samt Bediensteten aus ganz Europa und den USA waren rund um den Vierwaldstättersee unterwegs. Ein stattlicher Bahnhof galt für die anspruchsvollen Gäste als wichtige Visitenkarte. Da liessen sich die Gemeinden nicht lumpen.

Die Megger mussten indes lange auf ihren eigenen Bahnhof warten. Im 19. Jahrhundert waren die Eisenbahnen eine Domäne der Privatwirtschaft. Aktiengesellschaften suchten Investoren, mit deren Geld sie Städte und Länder mit dem neuzeitlichen Verkehrsmittel verbanden. Zwischen 1856 und 1882 erschlossen Zugstrecken unter anderem Emmenbrücke, Luzern, das Seetal, Immensee oder Goldau, wie aus Walter Trübs Buch «Die Gotthardbahn durch Meggen» hervorgeht. Doch mit der Lücke zwischen Luzern und Immensee tat sich die nicht eben kapitalstarke Gesellschaft Gotthardbahn schwer. Die Gotthardbahn-Linie verlief damals von Goldau über Immensee nach Zug.

Drei Langtunnel-Varianten

Die Gemeinderäte des Habsburgeramtes und des benachbarten Küssnacht schrieben unzählige Briefe an die Gotthardbahn, den Luzerner Stadtrat und sogar eine Petition an die «Hoch geachteten Herren Bundesräthe», in der Hoffnung, endlich ebenfalls Bestandteil des Eisenbahnnetzes zu werden. Sie hatten ein gewichtiges Argument: Ein Staatsvertrag zwischen Italien, der Schweiz und dem Deutschen Reich sah nämlich die Strecke zwischen Immensee und Luzern als Teilstück der länderübergreifenden Verbindung vor.

Die Gotthardbahn AG arbeitete verschiedene Streckenvarianten aus – drei davon mit Tunnels mit einer Länge von 3 bis 4 Kilometern. Die «Meggenwald»-Tunnelvariante mit Gabelung hätte von Emmenbrücke aus ab dem Würzenbach in einen Tunnel bis nach Merlischachen (Bezirk Küssnacht) und etwas weiter westlich in die Nähe der Kantonsgrenze zwischen Luzern und Schwyz geführt. Mit der Kreuzbuch­tunnel-Variante wäre Meggen immerhin ungefähr ab dem Gebiet Huob schienenmässig erschlossen gewesen. Geradezu utopisch und als eine Miniversion des heutigen Tiefbahnhof-Projektes mutete die Variante Trajektilinie an: Ab dem Luzerner Bahnhof wäre der Tunnel unter dem Seebecken bis zur Seeburg verlaufen.

Gewerbler setzten sich durch

Doch so richtig glücklich wurden indes weder die Megger noch ihre schwyzerischen Nachbarn mit diesen Vorschlägen. Vorab die Gewerbler und Händler hätten vom vorgesehenen Bahnhof Meggen-Küssnacht in Merlischachen wenig gehabt. In Meggen waren die Besitzer der Weinhandlung Scherer und der Korkzapfenfabrik Sutermeister treibende Kräfte für einen Bahnhof im Dorf. Schliesslich fiel die Wahl in etwa auf die heutige Streckenführung dem See und den Siedlungsgebieten entlang.

Die Bauarbeiten begannen 1895. Sie zogen sich in die Länge. Denn die Landbesitzer feilschten hartnäckig mit den eidgenössischen Schatzern um die Quadratmeterpreise. Man einigte sich in Meggen schliesslich auf einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 1.66 Franken – damals ein stolzer Preis, heute ein Witz. Zwei Jahre später, am 1. Juni, fuhr rechtzeitig zur Umstellung auf den Sommerfahrplan die erste Dampflokomotive von Luzern her den festlich geschmückten Megger Bahnhof an. Sie brauchte bloss drei kleine Tunnels zu durchfahren: zwei davon auf Stadtgebiet und den Lerchenbühltunnel in Meggen.

«Die Gotthardbahn durch Meggen», von Walter Trüb, 1982, herausgegeben von der Gemeinde Meggen.

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