Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bildstrecke

Mehr als Brände löschen: Die Feuerwehr gewährt Einblicke

In der ganzen Schweiz öffneten Feuerwehrstützpunkte ihre Tore und präsentierten ihr Handwerk.
Manuel Burkhard
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Stadt Luzern zeigen, was für Aufgaben sie erledigen. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. August 2019)

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Stadt Luzern zeigen, was für Aufgaben sie erledigen. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. August 2019)

Autos auf dem Radweg: Eine Situation, die in Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen Velofahrern und Automobilisten gerade im urbanen Raum nicht immer von Harmonie und gegenseitigem Verständnis geprägt ist, durchaus Zündstoff birgt. Doch in diesem Falle blieben alle Beteiligten ruhig, denn die Besitzer der Fahrzeuge geniessen so hohes Ansehen, dass man ihnen die kleine Blockade gerne nachsah. Die Feuerwehr der Stadt Luzern war es, die sich an diesem Samstag der Öffentlichkeit präsentierte.

12 Bilder

Feuerwehr Stadt Luzern: Tag der offenen Tore

Und sie waren nicht die einzigen: Der Schweizerische Feuerwehrverband feierte sein 150-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tore. Überall in der Schweiz war die Bevölkerung eingeladen, die Feuerwehrstützpunkte zu besichtigen, Vorführungen zu bestaunen und mit den Männern und Frauen in Kontakt zu treten, die dort ihren Dienst leisten. Ein Augenschein zeigte: Die Feuerwehr ist eine vielseitige Organisation, die ein breites Spektrum an Aufgaben abdeckt.

Anfassen, ausprobieren und selber spüren

Neben den Fahrzeugen und Ausrüstungsgegenständen waren immer auch die dafür zuständigen Feuerwehrleute anzutreffen, die gerne Auskunft gaben, wie sie die Gerätschaften im Einsatz verwenden. Einiges wurde auch live gezeigt. In einer Demonstration, der im Verlauf des Tages drei alte Autos zum Opfer fielen, zeigten die Feuerwehrleute, wie sich ein Autodach mittels einer hydraulischen Schere öffnen lässt. Das System erinnert an einen etwas brachialen Dosenöffner, und tatsächlich verwandelten sie in kurzer Zeit ein normales Auto in ein Cabriolet, sodass die Insassen sicher aus dem Fahrzeug gerettet werden konnten. Auf dem weiteren Rundgang lernten die Besucher andere Einsatzbereiche kennen: Das Einsatzleiterfahrzeug, ein rollendes Büro mit Satellitenverbindung, von dem aus die Einsätze vor Ort koordiniert werden; die Ölwehr, welche die Umwelt vor Schäden bewahrt; der Seedienst, der mit den drei Schiffen «Potz», «Blitz» und «Donner» für Rettungs- und Löscheinsätze auf den Luzerner Gewässern zuständig ist.

Für einmal war Anfassen explizit erwünscht. Zwar reichten die Beine der meisten Besucher, die sich hinter das Steuer eines der mächtigen Tanklöschfahrzeuge setzten, nicht annähernd bis zu den Pedalen. Dafür strahlten die Augen umso heller, und Motorengeräusche kann man ja ganz gut auch selbst nachahmen. An einigen Posten wurden die Besucher tätig: Bei der Abteilung Strom und Gas konnte man – wohl dosiert und kontrolliert – Strom durch den eigenen Körper leiten und fühlen, wie aus einem Kribbeln allmählich Muskelkrämpfe wurden. Unter Anleitung der Sanitäter wurden Herzmassagen geübt, und der Atemschutz – mit Maske und Sauerstoffflasche das Paradebild des Feuerwehrmannes – schickten einen auf einen Hindernissparcour in der dunklen Tiefgarage.

Für eine besondere Abteilung innerhalb der Feuerwehr ist Thomas Lang zuständig. Er leitet die Peers. Ihre Aufgabe ist die Versorgung der eigenen Leute. «Einsätze mit Todesopfern oder betroffenen Kindern können besonders belastend sein», erklärt Lang. «Wir werden aufgeboten, um bei der Bewältigung solcher Erlebnisse zu helfen.» Diesen Dienst verrichten sie in der ganzen Zentralschweiz. Thomas Lang ist Theologe, weiter gehören Psychologinnen zum Team. Wichtig sei, dass sie alle selbst in der Feuerwehr aktiv seien: «So wissen bei Gesprächen alle Beteiligten genau, wovon wir sprechen.»

Die Feuerwehr ist bereit für die Zukunft

Der Stützpunkt Luzern hat eine Besonderheit im Kanton zu bieten: Neben der freiwilligen Feuerwehr, wie sie in der Schweiz die Regel ist, ist hier seit 2016 auch eine Berufsfeuerwehr stationiert. Deshalb entdeckte man hier Einrichtungen, wie man sie in einem klassischen Feuerwehrmagazin kaum erwartet: Ein Aufenthaltsraum mit komfortablen Sesseln sowie Schlafräume. Aber Kommandant Theo Honermann stellte auch gleich klar, dass sie nicht einfach den ganzen Tag auf den Einsatz warten: «Je nach Erfahrung, die sie mitbringen, arbeiten die Feuerwehrleute in der Verwaltung oder im Unterhalt mit.» Dank der Berufsfeuerwehr, die immer als erstes ausrückt und rund drei Viertel der Einsätze selbst bewältigen kann, konnten die 250 freiwilligen Feuerwehrleute entlastet werden. Theo Honermann ist überzeugt, dass die Feuerwehr Luzern mit dieser Struktur für die Zukunft gut gerüstet ist. Und vielleicht werden ja ein paar jener Kinder, die mit leuchtenden Augen die Feuerwehrautos bestaunt haben, selbst Teil dieser Zukunft sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.