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Krank durchs Studium: Wenn's mehr ist als nur Prüfungsstress

Fast ein Fünftel aller Studentinnen und Studenten kämpfen mit dauerhaften gesundheitlichen Problemen. Das Thema wurde bisher noch kaum erforscht. Wer aber hilft jenen, die an ihre Grenzen stossen?
Ismail Osman

Es sind Resultate, die hellhörig machen: Verglichen mit der gleichaltrigen Wohnbevölkerung weisen die Studierenden eine weniger gute Gesundheit auf. Und zwar deutlich. Dies ist einer kürzlich erschienen Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu entnehmen.

Konkret wurden rund 17  000 Studentinnen und Studenten aus der gesamten Schweiz zu ihrem Gesundheitszustand beziehungsweise zur Wahrnehmung der eigenen Gesundheit befragt. In der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen schätzen zwar 77 Prozent der befragten Studenten diese «gut bis sehr gut» ein. In der gleichaltrigen Wohnbevölkerung beträgt dieser Anteil allerdings nicht weniger als 94 Prozent.

Tiefes Einkommen kann die Wahrnehmung beeinflussen

Wie kommt es zu dieser deutlichen Diskrepanz? Die Verfasser der BFS-Erhebung können darüber keine abschliessende Angaben machen. Klar sei jedoch, dass mehrere Faktoren zusammen zu diesem Bild führten. Nebst studienbedingten Lasten sei dies etwa die Doppelbelastung bei all jenen, die ihr Studium ganz oder zu einem grossen Teil durch ihre Erwerbstätigkeit finanzieren. Durchschnittlich weisen sie ein tieferes Einkommen aus – und damit verbunden auch eine geringere Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation. Dies wiederum könne ebenfalls die Wahrnehmung der eigenen Gesundheit beeinflussen.

Dann besteht aber auch jener Teil der Studentenschaft, deren Gesundheit ganz konkret im Argen liegt: 18 Prozent der Studierenden geben an, dauerhafte ­gesundheitliche Probleme zu haben – rund 10 Prozent sehen sich aufgrund dessen gar in ihrem Studium eingeschränkt.

«Jungen Menschen wird heute oft suggeriert, ein Bachelorstudium sei das Minimum, worüber man verfügen müsse.»

Die häufigsten genannten Probleme sind chronische Krankheiten und psychische Probleme (siehe Illustration). Was also tun, wenn man körperlich oder mental an seine Grenzen kommt und das Studium darunter zu leiden beginnt? Tatsache ist: Hilfe ist vorhanden, wie eine Umfrage bei den Luzerner Hochschulen zeigt.

Zum einen besteht da die Psychologische Beratungsstelle des Campus Luzern. Angeboten werden kostenlose Beratungen, für Studentinnen und Studenten aller drei Luzerner Hochschulen. Psychologe Jonas Bamert gehört zum Zweierteam der Beratungsstelle. Rund 580 Gespräche werden pro Jahr geführt. «Die Bandbreite der Fälle ist enorm und reicht von temporärer Prüfungsangst bis hin zu tief verwurzelten Problemen.» Auf die BFS-Erhebung angesprochen, sagt Bamert: «Was sich aus meiner Perspektive zeigt, ist, dass der Leistungsdruck auf junge Menschen ganz allgemein zugenommen hat. Jungen Menschen wird heute oft suggeriert, ein Bachelorstudium sei das Minimum, worüber man verfügen müsse.»

Kontakt mit der Beratungsstelle aufzunehmen, sei oft mit Scham verbunden, und viele Studierende meldeten sich deshalb leider erst sehr spät, wenn es ­Ihnen schon sehr schlecht gehe, so Bamert. «Es kommt auch vor, dass man zwar zu uns in die Beratung kommt, danach aber – obwohl empfohlen – nicht weiter in Behandlung geht. Etwa weil man eine sehr hohe Versicherungsfranchise hat oder die Eltern die Krankenkasse zahlen und so Einblick hätten.»

Weitere Anlaufstellen befinden sich bei den jeweiligen Hochschulen selbst. Etwa bei der Fachstelle für Chancengleichheit der Uni Luzern. «Wir sind in vielerlei Hinsicht eine Triagestelle, die Bedürfnisse, Anforderungen und Möglichkeiten abklärt», sagt Fachstellenleiterin Pia Ammann. «Personen mit chronischen Gesundheitsproblemen kommen teilweise schon sehr früh auf unsere Stelle zu und wissen in vielen Fällen selbst am besten, was sie brauchen. Wir helfen dabei, diese Bedürfnisse umzusetzen.»

Nachteilsausgleich kann gewährt werden

Dieser Bedarf kann einen Antrag zur Gewährung eines Nachteilsausgleichs beinhalten. Der Nachteilsausgleich soll es Studentinnen und Studenten mit Behinderungen und/oder chronischen Krankheiten ermöglichen, das Studium unter angepassten Bedingungen chancengleich zu absolvieren. Beispiele dafür sind die Gewährung von zusätzlichen Pausen, Zeitverlängerungen bei Leistungsnachweisen oder die Möglichkeit zum folgenlosen Rücktritt von Prüfungen bei akut auftretenden schwerwiegenden Beschwerden. Zwingend bei einem Antrag für einen Nachteilsausgleich ist ein Nachweis der chronischen Krankheit oder der Beeinträchtigung durch eine Fachärztin oder einen Fachpsychologen.

«Bei der Beurteilung der Massnahmen für einen Nachteilsausgleich steht für uns die Frage im Zentrum, ob, beziehungsweise wie eine Beeinträchtigung ausgeglichen werden kann, damit sie im Studium und später im Lehrberuf nicht zum Hindernis wird», sagt Elke-Nicole Kappus, welche die Stabstelle Chancengerechtigkeit der Pädagogischen Hochschule Luzern führt. Für Kappus ist die BFS-Erhebung zur Gesundheit von Studierenden ein wichtiger Schritt. «Bislang gab es dazu noch nicht viele empirische Daten, das Feld ist noch wenig erforscht.» Studierenden mit Behinderung oder Beeinträchtigung ein barrierefreies Studium zu ermöglichen, sei dagegen ein klarer gesetzlicher Auftrag an die Hochschulen.

Seit diesem Hochschulsemester besteht an der Hochschule Luzern (HSLU) die Kontaktstelle «barrierefrei». Das Expertinnen- und Expertenteam der Kontaktstelle setzt sich aus Dozierenden des Kompetenzzentrums Behinderung und Lebensqualität zusammen, das dem Departement Soziale Arbeit angehört. Markus Born, Leiter der Kontaktstelle, erklärt deren Ansatz so: «Zum einen werden Studierende hochindividualisiert unterstützt, zum anderen fördern und fordern wir ein ganzheitliches Verständnis für barrierefreies Studieren innerhalb unserer Institution», erklärt Born. «Dazu gehört etwa auch die Sensibilisierung der Dozierenden für Situationen mit Studierenden mit Beeinträchtigungen.» Auch mögliche Verbesserungen der Infrastruktur werde die Kontaktstelle prüfen, so Born. «Letztlich ist es so: Alles, was man für die Studierenden mit Beeinträchtigungen machen kann, nützt auch allen anderen Studierenden.»

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