Mehr Bergunfälle, erhöhtes Risiko in den Seen: Darauf müssen Sie beim Wandern und Schwimmen achten

Wegen Covid-19 gibt es diesen Sommer mehrheitlich Ferien in der Schweiz. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Insbesondere in den Bergen haben die Unfälle zugenommen.

Pascal Studer
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Gleich drei Hiobsbotschaften hat es am vergangenen Wochenende in der Zentralschweiz gegeben. Im Kanton Luzern kam es zu zwei tödlichen Badeunfällen. Bei der Seebadi am Nationalquai ist ein 59-jähriger Schweizer gestorben. Er hatte während des Schwimmens im Vierwaldstättersee ein medizinisches Problem, die Rettungskräfte mussten die Reanimation erfolglos abbrechen.

In der Badi Baldegg ist zudem ein 18-jähriger Rumäne ertrunken. Er sei ein schlechter Schwimmer gewesen, heisst es in einer Mitteilung der Luzerner Polizei. Am Brünighaupt im Kanton Obwalden hat ausserdem eine 69-jährige Frau den Halt verloren und ist 350 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Rettungskräfte der Rega haben das Unfallopfer tot geborgen.

Auf den Bergen ist Vorsicht geboten.

Auf den Bergen ist Vorsicht geboten.

Bild: Pius Amrein (Rigi Kulm, 12. Juni 2020)

Mehr Bergunfälle, mehr Rega-Einsätze

Aufgrund von Covid-19 machen Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz vermehrt Ferien im eigenen Land. Es heisst: Berge erklimmen und die Seen- und Flusslandschaft des eigenen Landes zu geniessen. Bruno Hasler, Bereichsleiter Ausbildung und Sicherheit des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), war in diesem Sommer viel in den Bergen. Er sagt:

«Es sind deutlich mehr Schweizer in den Bergen unterwegs.»

Gab es entsprechend mehr Unfälle in den Bergen? Die Zahlen deuten darauf hin. So gab es im Mai – also noch vor der Aufhebung der ausserordentlichen Lage am 19. Juni – einen markanten Anstieg bei den Bergnotfallzahlen. Während im Mai vor einem Jahr 87 Personen geborgen wurden, waren es in diesem Jahr während desselben Zeitraums 256. «Dieser sprunghafte Anstieg ist beachtlich», betont Bruno Hasler. Auch im Juni kam es zu mehr Bergungen: Insgesamt 288 und somit 41 Personen mehr als im Vorjahr mussten gerettet werden. 139 Personen davon sind beim Bergwandern verunfallt. Wie viele Unfallopfer gestorben sind, ist jedoch unklar.

Auch die Zahlen der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega zeigen eine ähnliche Tendenz. Karin Zahner, Mediensprecherin der Rega, sagt: «Im Vergleich zu den Vorjahren sind wir mehr Einsätze zu Gunsten verunfallter oder erkrankter Wanderer geflogen.» In einem Zeitintervall von jeweils Anfang Mai bis Ende Juli mussten die Einsatzkräfte der Rega deutlich mehr ausrücken als in den vergangenen Jahren. «376 Einsätze hatten wir vom 1. Mai bis 29. Juli in diesem Jahr», erklärt Zahner. Zum Vergleich: Zwischen 2017 und 2019 variierten die Zahlen zwischen 226 und 318.

Sorgfältige Vorbereitung entscheidend

Der Anstieg der Zahlen sei allerdings nicht nur coronabedingt. Gemäss Zahner widerspiegeln die Einsatzzahlen der Rega die Wetterbedingungen, das Freizeitverhalten und die Reisetätigkeit der Bevölkerung sowie ausländischer Touristen in der Schweiz. «Sie unterliegen deshalb immer gewissen natürlichen Schwankungen», stellt sie klar. Bruno Hasler vom SAC sagt derweil:

«Viele Leute sind derzeit zum ersten Mal unvorbereitet auf einfachen Bergtouren und Bergwanderungen unterwegs.»

Dabei sei es wichtig, sich korrekt vorzubereiten, um Unfälle vorzubeugen. So ist gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) eine sorgfältige Planung erforderlich. Eigene Fähigkeiten, Wegkategorie, Schwierigkeiten, Wegverhältnisse und Wetter seien vor dem Gang in die Berge zu berücksichtigen. Essenziell ist zudem die Ausrüstung: Feste Schuhe mit griffigem Profil, warme und wetterfeste Kleidung sowie genügend Proviant sind Voraussetzung. Es gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ebenfalls wichtig ist es, regelmässig Pause zu machen.

Viele Personen an hiesigen Gewässern unterwegs

Auch in den Zentralschweizer Seen und Flüssen tummeln sich derzeit viele, die sich im kalten Nass abkühlen wollen. Ob es mehr Badeunfälle gab, ist gemäss Jasmin Wyrsch, Mediensprecherin der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, noch nicht klar. «Ein abschliessendes Fazit lässt sich erst Ende des Sommers ziehen», sagt sie. Wie erwartet seien aber sehr viele Personen an hiesigen Gewässern unterwegs. Wyrsch betont daher:

«Die Wahrscheinlichkeit von Ertrinkungsunfällen ist derzeit erhöht.»
Auch wer sich derzeit in öffentlichen Gewässern abkühlen will, muss aufpassen.

Auch wer sich derzeit in öffentlichen Gewässern abkühlen will, muss aufpassen.

Bild: Dominik Wunderli
(Luzern, 13. Juli 2020)

So liegen die tödlichen Ertrinkungsfälle in diesem Jahr bei 26 Personen. «20 davon waren männlich, 6 weiblich», erklärt Wyrsch. 14 Fälle sind dabei in einem Fluss und 11 in einem See geschehen. Eine Person ist in einem Pool gestorben. Dieser momentane Zwischenstand zeige: Das Unfallgeschehen entspricht etwa derjenigen der Vorjahre.

So verhalten Sie sich in öffentlichen Gewässern

Gemäss Schweizerischer Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) ist derzeit wichtig, die Bade- und Flussregeln einzuhalten. «So kann ein Grossteil der Unfälle verhindert werden», sagt SLRG-Sprecherin Jasmin Wyrsch. Es sei beispielsweise wichtig, Kinder nur begleitet ins Wasser zu lassen, nicht überhitzt ins Wasser zu springen oder nicht alkoholisiert oder unter Drogen zu schwimmen.

Auf den Flüssen gilt: Schlauchbootfahrer müssen mit einer Rettungsweste ausgerüstet sein, die auf dem Boot angegebene Nutzlast darf nicht überschritten werden, die Boote sind nicht zusammenzubinden und unbekannte Flussabschnitte müssen zuerst erkundet werden. In freien Gewässern wagen sich nur geübte und gute Schwimmerinnen und Schwimmer. Zudem weist die SLRG darauf hin, dass Unterkühlung zu Muskelkrämpfen führen kann.

Alle Regeln sind auf der Website der SLRG ersichtlich. Wyrsch betont zudem: «Reine Schwimmkenntnisse schützen noch nicht vor dem Ertrinken. Der SLRG ist ein umfassender Ansatz von Schwimmfähigkeiten sowie Wassersicherheitsaspekten wichtig.» (stp)

Frappant ist allerdings, dass überdurchschnittlich viele Männer in Seen und Flüssen ertrinken. Auch die beiden Opfer am vergangenen Wochenende am Nationalquai in der Stadt Luzern und in der Seebadi Baldegg waren Männer. «Junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren gehören zu der Hauptrisikogruppe bei Ertrinkungsunfällen», bestätigt Wyrsch. Eine weitere Risikogruppe seien Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. «Hier zählen auch Touristen dazu», sagt Wyrsch. In der Region Zentralschweiz stellt Wyrsch jedoch kein aussergewöhnliches Unfallgeschehen fest. «Die Innerschweiz ist nicht überdurchschnittlich betroffen», sagt sie.

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