Mehr Engagement von Jugendlichen für die Gesellschaft: Erstmals findet «Step into Action» im Kanton Luzern statt

Ein Verein will Jugendliche dazu animieren, eigene Projekte zu verwirklichen. Im Oktober findet der Anlass dazu in Sempach statt – erwartet werden rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Fabienne Mühlemann
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Eine Gesellschaft, in der die Jugend eine aktive Rolle spielt und ihre Fähigkeiten und Anliegen einbringt: Das will der Verein Step into Action erreichen. Zu diesem Zweck führt er in der ganzen Schweiz Anlässe durch, bei denen sich die Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren mit sich selbst und der Welt auseinandersetzen. Beim sogenannten Jugendsummit treffen sie auf rund 25 Organisationen aus der Region und bis zu 40 Freiwillige und entwickeln gemeinsam Ideen, wie die Zukunft mitgestaltet werden kann. Mit dabei sind jeweils bis zu 1000 Jugendliche.

Lokalkoordinatorin Jennifer Obanla

Lokalkoordinatorin Jennifer Obanla

Bild: PD

In diesem Jahr wird der Anlass zum ersten Mal im Kanton Luzern durchgeführt, genauer gesagt am 19. und 20. Oktober in der Festhalle Sempach. Lokalkoordinatorin ist Jennifer Obanla, welche als Freiwillige dem Berner Lokalteam vor eineinhalb Jahren beigetreten ist und seit Anfang 2020 beim Kompetenzzentrum von Step into Action festangestellt ist. Zu Stande gekommen sei der Anlass durch den Regionalen Entwicklungsträger (RET) Sursee-Mittelland. «Der RET will Jugendliche für ein Engagement in der Region begeistern und so ihre Region attraktiver für junge Menschen machen. Deshalb ist der Verband auf uns zugekommen, um den Anlass in die Region zu holen», erklärt Obanla. Die Wahl des Austragungsortes sei hauptsächlich aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auf Sempach gefallen.

15 Prozent engagieren sich nach dem Anlass stärker

Dort werden rund 600 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrpersonen auf zwei Tage verteilt erwartet; angemeldet sind bis jetzt 180. Es wird unter anderem einen halbtägigen Parcours geben, bei dem sich die Jugendlichen in Gruppen mit den aktuellen Herausforderungen aus Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft auseinandersetzen und erkennen sollen, wo sie selber etwas bewegen können. Sie lernen junge Freiwillige kennen, die ihnen von ihrem eigenen ehrenamtlichen Engagement erzählen und können mit lokalen NGO Kontakte knüpfen. Beim Anlass werde es Covid-19-Schutzmassnahmen geben. «Da die Schulklassen gestaffelt am Summit teilnehmen, können die Personenanzahl und die Durchmischung vor Ort kontrolliert und alle nötigen Schutzmassnahmen eingehalten werden», sagt Obanla.

Hier ist Teamwork gefragt: ein Step-into-Action-Anlass aus früheren Jahren.

Hier ist Teamwork gefragt: ein Step-into-Action-Anlass aus früheren Jahren.

Bild: PD

Doch hat das Projekt eine nachhaltige Wirkung? «Das ist unser Anspruch», sagt Jennifer Obanla. Laut einer Umfrage im letzten Jahr würden rund zwei Drittel der Befragten auch nach dem Anlass vermehrt auf Nachhaltigkeit achten. «Auch gaben rund 90 Prozent an, dass sie mehr mit Freunden und Familie über Nachhaltigkeit und Engagement gesprochen haben», so die in Luzern wohnhafte 29-Jährige. 15 Prozent engagieren sich sofort neu oder stärker in der Gesellschaft. Über die ganzen Jahre seien viele Projekte aufgrund von Step into Action entstanden. So habe zum Beispiel eine Kanti-Klasse aus Olten einen Schulgarten auf der Dachterrasse angelegt und einen Comic zum Thema Mobbing veröffentlicht. Und in Genf gab es das Projekt «Partage Migrants», bei dem Schüler ein Abendessen aus Lebensmittelabfällen gekocht und Bewohner des Quartiers und des benachbarten Asylzentrums zum Essen eingeladen haben.

Ausserdem gäbe es ein Nachfolgeprogramm, bei dem der Verein eine Klasse oder auch einzelne Jugendliche bei der Projektumsetzung unterstützt. «Diesen Teil unserer Aktivitäten werden wir dieses Jahr im Vergleich zu vorher noch stärker ausbauen», sagt Obanla. So gebe es vom 6. bis 8. November einen Intensivworkshop, bei dem während zweieinhalb Tagen eigene Projektideen entwickelt, getestet und ausgearbeitet werden können. Dieser findet im Metro in Sursee statt.

Bei den Workshops wird mit NGO's zusammengearbeitet.

Bei den Workshops wird mit NGO's zusammengearbeitet.

Bild: PD

1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit

Das Projekt will also Jugendliche dazu befähigen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Ist das denn im Moment noch zu wenig der Fall? Im Gegenteil, findet Jennifer Obanla. «Jugendliche übernehmen sogar Verantwortung für Themen, deren Lösung eigentlich Aufgabe der Politik, der Verwaltung oder der Wirtschaft ist. Man schaut sich dabei zum Beispiel die Klimastreikbewegung an.» Jugendliche würden in einer schwierigen Situation stecken: Mit der Corona- und Finanzkrise, Terror oder der Klimakrise sind sie «quasi im Krisenmodus aufgewachsen». Obanla sagt: «Die Zukunftsaussichten für die junge Generation wirken in vielerlei Hinsicht beängstigend. Beim Anlass sollen diese Herausforderungen, aber auch die damit verbundenen Ängste angesprochen werden.» Gleichzeitig würde ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt, damit sie erfahren, dass sie Teil der Lösung sein können.

Die Kosten des gesamten Jugendsummits setzen sich zusammen aus Material, Transport, Austragungsort, Verpflegung, Unterlagen sowie Spesen der Freiwilligen und belaufen sich auf einen fünfstelligen Betrag. «Das Ganze finanzieren wir durch Unterstützungsbeiträge der öffentlichen Hand und privater Stiftungen sowie einer kleinen, symbolischen Teilnahmegebühr», so Obanla. Sie sagt: «Die zehn Organisatorinnen und Organisatoren leisten pro Projektdurchführung insgesamt rund 1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit und machen das Programm mit ihrem Engagement erst möglich.»

Hinweis: Interessierte können sich noch bis zum 31. August anmelden. Mehr Infos unter www.step-into-action.org.

Im Video: Das ist Step into Action