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Mehr in den Sommer investieren statt in Beschneiung? Im Eigenthal diskutiert man über den «richtigen» Tourismus

Im Eigenthal darf im kommenden Winter beschneit werden. Nicht alle sind darüber glücklich – sie würden lieber den Sommer stärken.
Natalie Ehrenzweig
Uneinigkeit im Eigenthal: Soll der Sommer-Tourismus gestärkt oder auch in den Winter investiert werden? (Bild: Matthias Jurt, Eigenthal, 5. Juli 2019)

Uneinigkeit im Eigenthal: Soll der Sommer-Tourismus gestärkt oder auch in den Winter investiert werden? (Bild: Matthias Jurt, Eigenthal, 5. Juli 2019)

Langlauf im Eigenthal mag ein Thema sein, das im Sommer nicht besonders aktuell ist. Doch angesichts der Klimaerwärmung fragen sich einige, ob die Beschneiung mit Schneelanzen, wie das vom Kanton Anfang Jahr bewilligt wurde, wirklich Sinn macht. «Wir haben damals eine kritische Stellungnahme abgegeben», sagt Samuel Ehrenbold, Geschäftsführer von Pro Natura Luzern. «Die Produktion von Kunstschnee verbraucht viel Energie und Wasser, weshalb wir Beschneiungsanlagen grundsätzlich ablehnen. Ausserdem könnte die Lärmentwicklung – insbesondere bei der Verteilung des Schnees – Wildtiere und Menschen stören.»

Dass man den Langlaufbetrieb auch in Zukunft aufrechterhalten wolle, sei aber nachvollziehbar. Wenn touristische Infrastruktur gebaut würde, müsse das landschafts- und naturverträglich geschehen. «Die Anlage wird keine schützenswerten Lebensräume oder gar Schutzgebiete beeinträchtigen und die Gewässerabstände werden mehrheitlich eingehalten», so Ehrenbold. Doch er fügt an:

«Trotzdem fragen wir uns, ob der Bau einer Beschneiungsanlage auf 1000 Meter über Meer eine nachhaltige Investition ist, gerade wenn die zukünftigen Winter vielleicht wärmer werden.»

Diese Überlegungen hätte sich auch Pro Eigenthal Schwarzenberg, der Tourismusverein der Region, gemacht. «Es gibt viele Langläufer, die durchaus lange Wege auf sich nehmen – etwa zum Langis oder nach Realp», sagt Ueli Spöring, Gemeinderat und Präsident Pro Eigenthal Schwarzenberg. Fazit:

«Die Gesamtenergiebilanz scheint uns besser, wenn wir von unseren 17 Kilometern zwei bis drei Kilometer Loipen beschneien und so die Langlaufsaison verlängern können.»

Das Eigenthal sei gut mit dem ÖV erreichbar und es soll mit der Langlaufloipe im Bereich Tourismus ein wirtschaftlicher Nutzen generiert werden – eine willkommene Einkommensergänzung für einige Leute im Eigenthal. Man setze auf sanften Tourismus.

Der Verein kann die Beschneiungsanlage für 235'000 Franken selbst finanzieren. Man habe 1600 Mitglieder, Spenden, Kurtaxen und ausserdem sei der Langlauf im Eigenthal ja auch nicht gratis. «An der sehr gut besuchten Generalversammlung vor einem Jahr haben wir das Thema, nachdem wir uns drei vier Jahre damit beschäftigt haben, intensiv diskutiert. Die grosse Mehrheit war dafür», sagt Spöring.

«Unterlauelen»-Wirt übt Kritik

Doch es gibt vor Ort auch kritische Stimmen. Christoph Keiser, Wirt der «Unterlauelen», sagt: «Klar, als Wirt kann ich sagen, es ist super, wenn die Langlaufsaison verlängert wird. Doch als jemand, der in den Bergen aufgewachsen ist und gesunden Menschenverstand hat, halte ich diese Strategie für verfehlt». Man investiere viel zu viel Geld in eine viel zu kurze Zeit.

«Wir hatten bereits Wasserprobleme im Eigenthal und Schwarzenberg. Für die Beschneiungsanlage werden plus-minus 60 Tage lang Pilatuswasser verbraucht», so Keiser. Und weiter.

«Andere Tourismusregionen auf dieser Höhe rüsten sich ganz anders für die Zukunft. Im Wirzweli setzt man zum Beispiel voll auf dem Sommer und hat den Winter zurückgefahren.»

Auch Schweiz Tourismus sehe den Sommer und Herbst im Fokus. «Ich finde nicht, dass wir uns diese wiederkehrenden Kosten aufbürden müssen», sagt Keiser- Der sanfte Tourismus funktioniere schon gut im Eigenthal. Er vermutet, dass Pro Eigenthal zu viele Mittel hat. «Um die Wochenenden zu entlasten, könnte man zum Beispiel stattdessen unter der Woche das Parkieren gratis machen. Oder einen schönen Spielplatz bauen», schlägt er vor.

Den Spielplatz findet Ueli Spöring unnötig: «Wir haben am Pilatus, in unmittelbarer Nähe, die verschiedenen Aktiv-Angebote und auf der Krienseregg, auch einen grossen Spielplatz. Im Eigenthal soll der Tourismus sanft bleiben. Das Eigenthal ist für den Sommer bereits gut aufgestellt: fürs Wandern, Biken oder Picknicken.» Da sind sich der Gemeinderat und Christoph Keiser einig, der Wirt kommt aber zu einem anderen Schluss: «Man müsste die Investitionen gar nicht einsetzen, die Fixkosten senken und den Winter dann entgegennehmen, wenn er kommt», sagt Keiser. «Wenn Pro Eigenthal unbedingt will, könnte man noch in Wanderkarten investieren und – wie gesagt – in eine neue Parkordnung. Da muss man vielleicht auch etwas Mut haben».

Bachelorarbeit zum Tourismus im Eigenthal

Ella Ernst hat 2018 an der Uni Bern ihre Bachelorarbeit zum Thema «Bedeutung des nachhaltigen Tourismus für verschiedene Akteure in einer Tourismusregion: Untersuchung am Beispiel des Eigenthals» geschrieben. Das Untersuchungsgebiet hat sich die Geografin ausgesucht, weil sie bereits als Kind viele Ausflüge ins Eigenthal machte.

In der Arbeit zeigt sie auf, dass der Tagestourismus zentral ist für das Gebiet. «Die Leute, die im Eigenthal im Tourismus tätig sind, sind sehr bedacht, die Gegend für viele weitere Generationen zu erhalten», sagt Ella Ernst. Die Gespräche für ihre Bachelorarbeit hätten gezeigt, dass verschiedene Ideen zur Entwicklung des Winter- und Sommertourismus vorhanden seien. «Die Tourismusentwicklung sollte auch in Zukunft nachhaltig sein und alle drei Dimensionen von Nachhaltigkeit berücksichtigen – Ökologie, Soziales, Wirtschaft», betont sie. Die Beschneiungsfrage im Eigenthal sei kein Thema ihrer Untersuchungen gewesen.

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